The Jungle Room Sessions

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06.01.2009 22:38 #713775 von User gelöscht
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Für mich ist "Danny Boy" eine der großartigsten, bewegendsten Aufnahmen überhaupt von Elvis.

Oder welchen Grund siehst Du?

Genau den, dass es stilistisch irgendwie fehl am Platze erscheint. Mir zumindest. Ich finde es auch geil gesungen und arrangiert, habe aber generell meine Probleme mit folkloristisch angehauchten Sachen, vor allem, wenn es in die irische Richtung geht. Wobei es hier glücklicherweise noch nicht so schlimm ist. Auf jeden Fall aber ist es m. E. ungünstig platziert. Das am Ende, darüber ließe sich reden, aber an der Stelle wirkt es auf mich immer wie ein Fremdkörper auf einem ansonsten einigermaßen stringenten Album.

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06.01.2009 22:45 #713779 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf The Jungle Room Sessions
Joe_E., Ich widerspreche Dir trotz Deiner schönen Analyse in zwei Dingen:

Erstens gibt es kein einziges Konzeptalbum von Elvis. Es sei denn, man erklärt Konzeptlosigkeit zum Konzept, dann ist quasi jedes eines. Zweitens vertrete ich vehement die Überzeugung, dass kein einziges Lied etwas mit Elvis' Leben zu tun hat, oder zumindest, dass Elvis deshalb niemals einen Song auswählte. Vor allem nicht in den späten angeblichen "Depri-Jahren". Der Mann hatte einfach Gefallen an dieser Art von Songs, weil sie eine gesangliche und interpretatorische Herausforderung darstellten. Der Mann war stinkreich, spielte vor ausverkauften Häusern, war ein Weltstar, hatte die geilsten jungen Weiber, die er haben wollte, zwanzig Lakaien, die ihm dankend an Arsch abwischten, und konnte sich die teuersten Drogen leisten. Nix Bedauern, nix Depri, einfach nur Musik.

Vor allem:Kein Priscilla-Bezug! das geht gar nicht! :adeal:



Edit: Noch ein dritter Punkt, denn "Blue Eyes Crying In The Rain" handelt nicht vom Abschied, sondern von der Vorfreude auf ein Wiedersehen. Okay, zwar im Jenseits, aber immerhin... :devil:

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06.01.2009 22:52 #713781 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf The Jungle Room Sessions

... habe aber generell meine Probleme mit folkloristisch angehauchten Sachen, vor allem, wenn es in die irische Richtung geht.

Grundsätzlich einverstanden, aber gerade hier merkt man es doch nicht, wenn man es nicht weiß oder speziell darauf achtet. Der Song klingt in dieser Interpretation wie eine weitere für das Album komponierte Ballade, kein bisschen folkloristisch und/oder irisch. Bei "Kathleen" ist ihm das ja auch schon recht gut gelungen.

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06.01.2009 22:57 #713782 von User gelöscht
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Joe E. - Feine Kurz-Rezension. :up: Allerdings ist die Liebe in "Blue Eyes" m. E. nicht wie ein sterbender Funke, sondern wie ein sterbender Bernstein ("amber"), was auch immer genau das bedeuten soll.

Dann poste ich doch bei dieser Gelegenheit auch mal gleich einen Beitrag, den ich vor vielen Jahren (man beachte den ersten Satz) als Kundenrezension für Amazon.de verfasst habe. Ist ja in diesem Thread vielleicht nicht ganz fehl am Platze:

<!-- C begin --><center>+ + + + + </center><!-- C end -->

The Jungle Room Sessions war die vierte der inzwischen 18 Veröffentlichung des BMG Sammler-Labels Follow That Dream Records und gilt wegen der Art des Einblicks, den sie in die bis dato sagenumwobenen letzten beiden Studiosessions Presleys bietet, unter Fans häufig als einer der besten drei. Enthalten sind hier in umwerfender Soundqualität sogenannte "alternate takes" von Songs aus Elvis' letzten beiden Alben, From Elvis Presley Boulevard, Memphis Tennessee und Moody Blue.

Das Material wurde 1976 buchstäblich in Presleys Wohnzimmer aufgenommen, dem "Jungle Room" in Graceland. Und anders als auf den beiden Alben, deren vieleicht zeitgemäße, aber doch übertrieben bombastische Produktion die Musik schon beinahe in den Hintergrund drängt, bekommt man hier die "Rohfassungen" der Songs zu hören, bis auf zwei Aufnhamen ohne die üblichen Overdubbs von Streichern, Bläsern und zusätzlichen Stimmen. Was im "Studio" wirklich geschah, ist hier zu hören: Kommentare von Presley, allgemeiner Studio-Chat und abgebrochene Takes machen die CD spannend und lebendig.

Und so lauscht der Zuhörer, beinahe voyeursgleich, dem Geschehen in den heiligen Hallen von Graceland. Hört man diese CD über Kopfhörer, so kann man sich häufig des Eindrucks nicht erwehren, dabei und anwesend zu sein in diesem Raum. Wenn man gleich zu Anfang u.a. ein Telefon im Haus klingeln und Presleys Hunde bellen hört, so verstärkt das diesen Eindruck weiter. "Shoot it off the wall!" (das Telefon), so Presleys launige Aufforderung. Was er weiterhin zum Thema "Hunde" zu sagen hatte, möge man sich denken ... Elvis Presley lud zu sich nach Hause ein, dementsprechend offen und direkt war wohl auch die Stimmung.

Gegen Ende seiner Karriere fand der Musiker, der so gerne und doch völlig pauschaul und unzureichend als "King Of Rock'n'Roll" und Verrenkungskünstler abgestempelt wird, zur Musik seiner Kindheit und Jugend zurück. Vielfach unbekannt ist immer noch, dass Presley sich eigentlich als Balladen-Sänger verstand und sich 1953 bei Sam Phillips' Sun Recording Company auch so vorstellte. Beinahe ein Jahr lang versuchte er sich als ein solcher, bis praktisch nebenbei - in einer Pause und buchstäblich in letzter Minute - der Rock'n'Roll erfunden wurde.

Und so spannt diese CD den Bogen zurück zu seinen persönlichen Anfängen. 14 der 17 Titel sind Balladen. Begleitet von seiner erstklassigen Tour-Band begibt sich Elvis Presley ein letztes Mal in das Abenteuer, die eigenen Gefühle in der Musik widergespiegelt zu finden. Und wenn ein Künstler dieser Größenordnung jemals schonungslos Bilanz gezogen hat, dann hier. Ängste und Niedergeschlagenheit treffen auf einen vom Zuhörer als spürbar schmerzlich empfundenen Wunsch nach Hoffnung auf Lösung aller persönlichen Rückschläge, die es definitiv gab. Und trotzdem trifft man hier nicht auf einen lallenden, lustlosen, kaputten und Texte vergessenden Drogen-Junkie, wie es eine sensationslüsterne Presse noch heute gerne darstellen möchte. Gelangweilt und desinteressiert am Musikmachen soll er gewesen sein. Doch diese CD zeigt etwas anderes: Hier gibt ein über die Maßen engagierter Musiker seine letzten großen Vorstellungen im Studio, sowohl was die stimmliche Präsenz als auch die Aufmerksamkeit "seinen" Songs gegenüber betrifft.

Gleich der erste Song (Bitter They Are, Harder They Fall) ist Programm und gibt einigermaßen genau die Richtung vor, in die es hier geht: "A house built for two ain't a home / When it's lived in by one, one lonley one". Einsamkeit und Verlust stehen ganz oben auf dem Programm, und nur einmal zerbricht das herrlich ironische und doch so melancholische She Thinks I Still Care gleich zu Anfang dieses Bild. Ansonsten wird hier wie erwähnt Bilanz gezogen. Schon vorher sang Presley Balladen und vielen wird er vielleicht mit diesem Material am ehesten im Gedächtnis bleiben. Aber hier sind es die ganz großen Balladen, die die ganz großen Geschichten erzählen, die Schlussstriche, das Resümee.

I'll never Fall In Love Again und Never Again schwört er sich da trotzig, von Verletzung ist da im bombastischen Hurt (einem Höhepunkt vieler später Konzerte) die Rede, von nie gehaltenen Versprechungen in Love Coming Down, davon, dass das große Spiel (in diesem Falle Solitaire) wohl verloren sei. Beinahe wie eine Grabrede klingt das umwerfend arrangierte und intonierte schottische Tradiotional Danny Boy da. Pledging My Love und He'll Have To Go beschwören noch einmal die 50er, um dann doch im Hier und Jetzt des Jahres 1976 zu landen: "You don't have to face the music, you don't have to face the crowd" und "What do you think I should say?" heißt es im gespenstisch authentischen It's Easy For You.

Das in Italo-Pop-Gefilde abdriftende Moody Blue, ein Way Down im Stile des 70er Jahre Disco-Sounds und ein souliges For The Heart mit Ohrwurmcharakter runden die balladenlastige CD etwas ab. Als Bonus findet sich dann hier auch noch der Instrumental-Track eines Rocksongs mit dem Titel Fire Down Below, der Elvis von seinem Bassisten Jerry Scheff beinahe auf den Leib geschrieben wurde, den er aber nie mehr aufnahm. Trotzdem sind es die Stimmungen und Gefühle der Balladen, die diese CD maßgeblich mitbestimmen. Gefühle, die erweckt werden in der Musik und durch die Musik und die gleichsam wieder zurückfließen zum Ausgangspunkt, zum Künstler, und natürlich zum Zuhörer.

Vielleicht darf letztendlich das am ehesten als Presleys musikalisches Erbe gelten: Seine Fähigkeit, Gefühle, Seele und eine beinahe erschreckende Lebendigkeit in fast jeder Art von Musik zu suchen, zu finden und ans Licht zu bringen. Hier sind es die großen Balladen desjenigen Jungen, der auf seiner persönlichen Suche nach Bedeutung vielleicht nebenbei den Rock'n'Roll erfand, der das starre Korsett des zappelnden Berufs-Jugendlichen allerdings schon früh abzustreifen suchte. Somit bleibt The Jungle Room Sessions ein eindrucksvolles Dokument eben dieses Versuchs, der von wohl von kaum einem Musiker ernsthafter und konsequenter umgesetzt wurde.

Fast alles dürfte dem Elvis-Anfänger unbekannt sein, vieles zuerst Assoziationen wie „Schmalz!" hervorrufen. Trotzdem sei diese CD jedem Musikfan wärmsten empfohlen. Sie enthält das Statement eines Jahrhundertkünstlers und letztendlich auch sein Vermächtnis. Nicht vom Material her vielleicht. Aber die Art und Weise, wie Musik empfunden und präsentiert wird, das ist das Vermächtnis von Elvis Presley.

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06.01.2009 23:02 #713783 von Joe_E.
Joe_E. antwortete auf The Jungle Room Sessions

Joe_E., Ich widerspreche Dir trotz Deiner schönen Analyse in zwei Dingen:

Erstens gibt es kein einziges Konzeptalbum von Elvis. Es sei denn, man erklärt Konzeptlosigkeit zum Konzept, dann ist quasi jedes eines. Zweitens vertrete ich vehement die Überzeugung, dass kein einziges Lied etwas mit Elvis' Leben zu tun hat, oder zumindest, dass Elvis deshalb niemals einen Song auswählte. Vor allem nicht in den späten angeblichen "Depri-Jahren". Der Mann hatte einfach Gefallen an dieser Art von Songs, weil sie eine gesangliche und interpretatorische Herausforderung darstellten. Der Mann war stinkreich, spielte vor ausverkauften Häusern, war ein Weltstar, hatte die geilsten jungen Weiber, die er haben wollte, zwanzig Lakaien, die ihm dankend an Arsch abwischten, und konnte sich die teuersten Drogen leisten. Nix Bedauern, nix Depri, einfach nur Musik.

Vor allem:Kein Priscilla-Bezug! das geht gar nicht! :adeal:



Edit: Noch ein dritter Punkt, denn "Blue Eyes Crying In The Rain" handelt nicht vom Abschied, sondern von der Vorfreude auf ein Wiedersehen. Okay, zwar im Jenseits, aber immerhin... :devil:


Deshalb auch 'wenn es überhaupt ein Konzeptalbum gibt...' oder sollte wohl 'gäbe' heissen... :devil:

Das es von Elvis kein Konzeptalbum gibt im Stil von Pink Floyd oder anderen konzeptverfächtern stimme ich
dir voll und ganz zu. Aber meiner Meinung ist die Boulevard eines der wenigen Alben, wo ein Konzept dahinter zu stecken
scheint, wie etwa auch Elvis Country. Was beide aber von einem musikalischen Standpunkt aus betrachtet noch nicht
zu Konzeptalben macht.

Das mit den 'Depri-Jahren' ist ne andere Geschichte und da ändere ich meine Meinung mit dem Hören jeweils.
Manchmal höre ich mir Hurt (x-rated) an und denk was für ein armer Kerl und ein andermal denk ich mir,
du alter sarkastischer Hund du... Aber das ist wie gesagt ne andere Diskussion..

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06.01.2009 23:04 #713784 von Joe_E.
Joe_E. antwortete auf The Jungle Room Sessions

Joe E. - Feine Kurz-Rezension. :up: Allerdings ist die Liebe in "Blue Eyes" m. E. nicht wie ein sterbender Funke, sondern wie ein sterbender Bernstein ("amber"), was auch immer genau das bedeuten soll.

Dann poste ich doch bei dieser Gelegenheit auch mal gleich einen Beitrag, den ich vor vielen Jahren (man beachte den ersten Satz) als Kundenrezension für Amazon.de verfasst habe. Ist ja in diesem Thread vielleicht nicht ganz fehl am Platze:

<!-- C begin --><center>+ + + + + </center><!-- C end -->

The Jungle Room Sessions war die vierte der inzwischen 18 Veröffentlichung des BMG Sammler-Labels Follow That Dream Records und gilt wegen der Art des Einblicks, den sie in die bis dato sagenumwobenen letzten beiden Studiosessions Presleys bietet, unter Fans häufig als einer der besten drei. Enthalten sind hier in umwerfender Soundqualität sogenannte "alternate takes" von Songs aus Elvis' letzten beiden Alben, From Elvis Presley Boulevard, Memphis Tennessee und Moody Blue.

Das Material wurde 1976 buchstäblich in Presleys Wohnzimmer aufgenommen, dem "Jungle Room" in Graceland. Und anders als auf den beiden Alben, deren vieleicht zeitgemäße, aber doch übertrieben bombastische Produktion die Musik schon beinahe in den Hintergrund drängt, bekommt man hier die "Rohfassungen" der Songs zu hören, bis auf zwei Aufnhamen ohne die üblichen Overdubbs von Streichern, Bläsern und zusätzlichen Stimmen. Was im "Studio" wirklich geschah, ist hier zu hören: Kommentare von Presley, allgemeiner Studio-Chat und abgebrochene Takes machen die CD spannend und lebendig.

Und so lauscht der Zuhörer, beinahe voyeursgleich, dem Geschehen in den heiligen Hallen von Graceland. Hört man diese CD über Kopfhörer, so kann man sich häufig des Eindrucks nicht erwehren, dabei und anwesend zu sein in diesem Raum. Wenn man gleich zu Anfang u.a. ein Telefon im Haus klingeln und Presleys Hunde bellen hört, so verstärkt das diesen Eindruck weiter. "Shoot it off the wall!" (das Telefon), so Presleys launige Aufforderung. Was er weiterhin zum Thema "Hunde" zu sagen hatte, möge man sich denken ... Elvis Presley lud zu sich nach Hause ein, dementsprechend offen und direkt war wohl auch die Stimmung.

Gegen Ende seiner Karriere fand der Musiker, der so gerne und doch völlig pauschaul und unzureichend als "King Of Rock'n'Roll" und Verrenkungskünstler abgestempelt wird, zur Musik seiner Kindheit und Jugend zurück. Vielfach unbekannt ist immer noch, dass Presley sich eigentlich als Balladen-Sänger verstand und sich 1953 bei Sam Phillips' Sun Recording Company auch so vorstellte. Beinahe ein Jahr lang versuchte er sich als ein solcher, bis praktisch nebenbei - in einer Pause und buchstäblich in letzter Minute - der Rock'n'Roll erfunden wurde.

Und so spannt diese CD den Bogen zurück zu seinen persönlichen Anfängen. 14 der 17 Titel sind Balladen. Begleitet von seiner erstklassigen Tour-Band begibt sich Elvis Presley ein letztes Mal in das Abenteuer, die eigenen Gefühle in der Musik widergespiegelt zu finden. Und wenn ein Künstler dieser Größenordnung jemals schonungslos Bilanz gezogen hat, dann hier. Ängste und Niedergeschlagenheit treffen auf einen vom Zuhörer als spürbar schmerzlich empfundenen Wunsch nach Hoffnung auf Lösung aller persönlichen Rückschläge, die es definitiv gab. Und trotzdem trifft man hier nicht auf einen lallenden, lustlosen, kaputten und Texte vergessenden Drogen-Junkie, wie es eine sensationslüsterne Presse noch heute gerne darstellen möchte. Gelangweilt und desinteressiert am Musikmachen soll er gewesen sein. Doch diese CD zeigt etwas anderes: Hier gibt ein über die Maßen engagierter Musiker seine letzten großen Vorstellungen im Studio, sowohl was die stimmliche Präsenz als auch die Aufmerksamkeit "seinen" Songs gegenüber betrifft.

Gleich der erste Song (Bitter They Are, Harder They Fall) ist Programm und gibt einigermaßen genau die Richtung vor, in die es hier geht: "A house built for two ain't a home / When it's lived in by one, one lonley one". Einsamkeit und Verlust stehen ganz oben auf dem Programm, und nur einmal zerbricht das herrlich ironische und doch so melancholische She Thinks I Still Care gleich zu Anfang dieses Bild. Ansonsten wird hier wie erwähnt Bilanz gezogen. Schon vorher sang Presley Balladen und vielen wird er vielleicht mit diesem Material am ehesten im Gedächtnis bleiben. Aber hier sind es die ganz großen Balladen, die die ganz großen Geschichten erzählen, die Schlussstriche, das Resümee.

I'll never Fall In Love Again und Never Again schwört er sich da trotzig, von Verletzung ist da im bombastischen Hurt (einem Höhepunkt vieler später Konzerte) die Rede, von nie gehaltenen Versprechungen in Love Coming Down, davon, dass das große Spiel (in diesem Falle Solitaire) wohl verloren sei. Beinahe wie eine Grabrede klingt das umwerfend arrangierte und intonierte schottische Tradiotional Danny Boy da. Pledging My Love und He'll Have To Go beschwören noch einmal die 50er, um dann doch im Hier und Jetzt des Jahres 1976 zu landen: You don't have to face the music, you don't have to face the crowd" und "What do you think I should say?" heißt es im gespenstisch authentischen It's Easy For You.

Das in Italo-Pop-Gefilde abdriftende Moody Blue, ein Way Down im Stile des 70er Jahre Disco-Sounds und ein souliges For The Heart mit Ohrwurmcharakter runden die balladenlastige CD etwas ab. Als Bonus findet sich dann hier auch noch der Instrumental-Track eines Rocksongs mit dem Titel Fire Down Below, der Elvis von seinem Bassisten Jerry Scheff beinahe auf den Leib geschrieben wurde, den er aber nie mehr aufnahm. Trotzdem sind es die Stimmungen und Gefühle der Balladen, die diese CD maßgeblich mitbestimmen. Gefühle, die erweckt werden in der Musik und durch die Musik und die gleichsam wieder zurückfließen zum Ausgangspunkt, zum Künstler, und natürlich zum Zuhörer.

Vielleicht darf letztendlich das am ehesten als Presleys musikalisches Erbe gelten: Seine Fähigkeit, Gefühle, Seele und eine beinahe erschreckende Lebendigkeit in fast jeder Art von Musik zu suchen, zu finden und ans Licht zu bringen. Hier sind es die großen Balladen desjenigen Jungen, der auf seiner persönlichen Suche nach Bedeutung vielleicht nebenbei den Rock'n'Roll erfand, der das starre Korsett des zappelnden Berufs-Jugendlichen allerdings schon früh abzustreifen suchte. Somit bleibt The Jungle Room Sessions ein eindrucksvolles Dokument eben dieses Versuchs, der von wohl von kaum einem Musiker ernsthafter und konsequenter umgesetzt wurde.

Fast alles dürfte dem Elvis-Anfänger unbekannt sein, vieles zuerst Assoziationen wie „Schmalz!" hervorrufen. Trotzdem sei diese CD jedem Musikfan wärmsten empfohlen. Sie enthält das Statement eines Jahrhundertkünstlers und letztendlich auch sein Vermächtnis. Nicht vom Material her vielleicht. Aber die Art und Weise, wie Musik empfunden und präsentiert wird, das ist das Vermächtnis von Elvis Presley.

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Wenn mich nicht alles täuscht, war deine Rezession damals auch Grund für mich, mit meinen beschränkten
Mitteln das Album zu beurteilen.

Jedenfalls wiederum geiler Beitrag :up:

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06.01.2009 23:24 #713791 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf The Jungle Room Sessions

Joe E. - Feine Kurz-Rezension. :up: Allerdings ist die Liebe in "Blue Eyes" m. E. nicht wie ein sterbender Funke, sondern wie ein sterbender Bernstein ("amber"), was auch immer genau das bedeuten soll.

Sterbende (verlöschende) Glut ("ember"), mein Lieber!

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06.01.2009 23:26 #713792 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf The Jungle Room Sessions

Wenn mich nicht alles täuscht, war deine Rezession damals auch Grund für mich, mit meinen beschränkten Mitteln das Album zu beurteilen.

Jedenfalls wiederum geiler Beitrag  :up:

Schönen Dank. Heute würde ich natürlich einiges anders schreiben, aber solange es damals ausreichte, damit du dir das Ding kauftest (hoffentlich nicht bei Amazon!), freut mich das.

Ich habe irgendwann alle meine Rezensionen bei Amazon gelöscht (natürlich nicht, ohne sie vorher zu sichern), weil mir klar wurde, dass mit diese ein ganz schöner Schindluder auf Kosten der Autoren getrieben wird. Da lässt man Kunden schön was schreiben, aber außer Amazon hat niemand was davon.

Ob ich sie hier posten sollte :wub:, obwohl Vince sich immer darüber lustig machte? <_<

Sterbende (verlöschende) Glut ("ember"), mein Lieber!

Da sieht man mal wieder, was für ein Anfänger ich bin. <_< Ich sollte mehr Graceland lesen. :up:

Du hast natürlich recht. Und ich gebe "amber" mit a ein. :lach2: Allerdings habe ich die Lyrics auch nie gelesen, sondern das nur vom Hören abgeleitet. Wäre jetzt mal interessant, was für Versionen da im Netz herumschwirren. Ich schaue mal gleich nach...

Edit: Da steht tatsächlich überall "ember". Aber die Bernstein-Variante gefällt mir auch irgendwie sehr gut. Wirkt irgendwie sehr - nachdenklich...

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06.01.2009 23:46 #713793 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf The Jungle Room Sessions

Allerdings habe ich die Lyrics auch nie gelesen, sondern das nur vom Hören abgeleitet.

Klingt ja auch ziemlich gleich, vor allem beim späten Elvis.

Des gleichen Bildes wurde sich schon bei "No More" bedient: "A thousand goodbyes could never put out the embers."

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06.01.2009 23:53 #713794 von User gelöscht
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Bitte? Alleine schon das fulminante Intro über die Akkorde "F - As - B - F - Des - Es - F" ist alles andere als simpel, ebenso das Zwischenspiel über "F- Cm7 - F". In den Strophen wird sogar variiert: Während am Anfang die recht simple Akkordfolge "F - C - F" unterliegt, erklingt bei "Though death and darkness gather all about me" plötzlich "F - Es6/9 - F" über die gleiche Melodie. Ich finde, das ist der Hammer! Dazu die schönen Terzbässe. Sorry, aber bei SUN gab's das nicht, da gab's nur die drei Bananen-Akkorde und fertig.

Darum geht es nicht und das habe ich nie erwartet. Ich nannte "Farewell" auch nicht simpel. Ich halte es nur für keine sonderlich herausragende Kompostion. Sie ist m. E. eher ziemlich beliebig, die Bilder sind platt und die Akkordfolgen vorhersehbar. Das meinte ich eigentlich viel eher. Keine großen Überraschungen.

Außerdem wollte man bei SUN alles, nur keine ausgefeilten Kompositionen oder Arrangements aufnehmen. Das war überhaupt nicht das Ziel. Rockabilly und im weiteren Rock'n'Roll waren ja eine Gegenbewegung zur damals beherrschenden Tin Pan Alley-Musik mit ihren Autoren, Arrangeuren, Künstlern und Sound. Für das, was man ausdrücken und transportieren wollte, reichten drei "Bananen-Akkorde" völlig aus. Das war und ist ja das Geniale an der Musik und speziell auch an Elvis.

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