"Golden Boy Elvis"

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23.08.2009 12:24 #748006 von Earth Boy
Earth Boy antwortete auf "Golden Boy Elvis"

Lies mal den Stammbaum, es lohnt sich.

Mach ich!

Das Instrument, das Du meinst, heißt Celesta. Im Film ist es die Spieluhr, im Studio natürlich nicht.

:up: Genau das meinte ich.
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23.08.2009 12:44 #748007 von HELRADER
HELRADER antwortete auf "Golden Boy Elvis"
Und noch ein Nachtrag.

Der Artikel zur "Standing Room CD" hat ja noch Teil 2.

Wäre nun alles in einem Heft gewesen, wären es - zusammen mit meinen extra Artikel zu "Always On My Mind", der ja dazu gehört (und nur per Zufall auch jetzt im Alphabet dran war), genau 20 Seiten lang gewesen. Das ist uns, und sicher auch den Lesern, zuviel des Guten, würde man es auf einmal bringen.

Aber durch solche nun wirklich extrem genauen und ausführlichen Beschreibungen meinen wir auch, uns Fachmagazin nennen zu dürfen.
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23.08.2009 12:50 #748008 von Earth Boy
Earth Boy antwortete auf "Golden Boy Elvis"

Wäre nun alles in einem Heft gewesen, wären es - zusammen mit meinen extra Artikel zu "Always On My Mind", der ja dazu gehört (und nur per Zufall auch jetzt im Alphabet dran war), genau 20 Seiten lang gewesen. Das ist uns, und sicher auch den Lesern, zuviel des Guten, würde man es auf einmal bringen


Ich würde es grundsätzlich bevorzugen, wenn die Besprechungen in einem Stück enthalten wären, kann aber auch verstehen, dass das andere als zuviel des Guten empfinden würden. Ebenso leuchtet es mir ein, dass ein Heft von Abwechslung lebt und Ihr natürlich versuchen müsst, die verschiedenen Wünsche unter einen Hut zu bringen.

Aber durch solche nun wirklich extrem genauen und ausführlichen Beschreibungen meinen wir auch, uns Fachmagazin nennen zu dürfen.


:up:
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23.08.2009 15:17 #748019 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf "Golden Boy Elvis"

Auf jeden Fall hoffe ich, dass die Reviews weiterhin so umfangreich bleiben, dafür nehme ich eine Zweiteilung gerne in Kauf.

Das ist erfreulich zu hören, nach all der Kritik an der Praxis der Teilung.

Darüber hinaus bemängelt MW, dass die Standing room only so keinesfalls ausgesehen hätte und führt den Titel und Joan Deary als Zeugen ins Feld. Beides ist zumindest diskussionswürdig. Dass Titel von Elvis Alben gerne mal nicht ganz das hielten, was sie suggerierten weiß man spätestens seit TTWII oder Elvis Country. Darüber hinaus hat Jorgensen schon Anfang der 90er die Behauptung aufgestellt, dass noch keine Entscheidung über die Titelauswahl gefällt wurde, so dass man ihm zumindest zugestehen muss, das er seine Meinung sich nicht erst jetzt für diese Veröffentlichung zurecht gelegt hat, um Konzeptlosigkeit zu bemänteln. Ich hätte mir hier gewünscht, dass man im Sinne eines vollständigen Bildes auch die Gegenargumente kurz anführt – vor allem dann, wenn man FTD recht heftig verbal angreift.

Auf die Gegenargumente weise ich insofern hin, dass ich sage, sie stehen im Booklet der FTD. Zugunsten der eh schon immensen Länge meines Beitrags habe ich darauf verzichtet, diese nochmal zu wiederholen, kann ja jeder nachlesen. Zu meinen Ausführungen: Es gibt sehr wohl einen Beweis für meine Sichtweise, nämlich einen Cover-Entwurf mit einer Titelauflistung, die ich im Heft zitiert habe. Insofern waren die Planungen in Richtung On-Tour-Live-Album schon sehr weit gediegen, wohingegen es für das vorliegende Konzept keinerlei greifbare Anhaltspunkte gibt außer dem Wunschdenken von EMJ.

Grundsätzlich teile ich seine positive Sichtweise, bin aber gespannt, ob und gegebenenfalls wie er auf die Problematik der teilweisen Abtretung von Tantiemen der Komponisten in den 60ern eingeht. Hier sehe ich die Rolle des Colonels durchaus kritisch. Hier zeigt sich meiner Meinung, dass die klare Trennung, dass das Finanzielle Aufgabe des Manager ist und die künstlerische Seite im Zuständigkeitsbereich des Sängers liegt, so klar sich nicht immer trennen lässt. Denn das eine kann Auswirkungen auf das andere haben, insofern muss ein Manager eben auch die künstlerischen Belange im Auge haben. Die Frage ist vielmehr, wie deutlich Elvis seine Wünsche gegenüber Parker kommuniziert hat.

Der Punkt kommt in einer der Fortsetzungen. Nur kurz dazu:
Erstens: Wenn Elvis einen Song unbedingt aufnehmen wollte, hat er das entschieden, auch wenn er keine Rechte abgetreten bekam, z.B. bei "In The Ghetto" und "Suspicious Minds". Geh auch mal davon aus, dass die Beatles ihm sicher keine Anteile abgedrückt haben für "Yesterday", "Get Back" und "Something."
Zweitens: Die Kritik an diesem Vorgehen kommt meist von Leuten, die denken, das sei eine Erfindung Parkers gewesen und wäre nur bei Elvis angewandt worden. De facto ist das jedoch ein alter Hut, das gab's schon vor Elvis und läuft auch heute noch so: Je größer der Star, für den man komponiert, desto mehr muss man abdrücken. Ich kenne es sogar aus Erfahrung, als ich vor vielen Jahren mal für einen Kölner Karnevals-Künstler einen Sessions-Hit geschrieben habe: Ich musste die Verlagsrechte (40%) und die Hälfte meiner Urheberrechte (also 50% der verbleibenden 60%) abtreten, hatte also nur noch 30% an den Gesamteinnahmen. Für mich war die Wahl: 30% eines lokalen Hits oder 100% von gar nichts. Ich habe mich für ersteres entschieden, was immer noch eine Menge Kohle war für anderthalb Stunden Komponierarbeit. Dass 30% an einem Elvis-Song eine ungleich horrendere Summe darstellen, muss ich nicht extra erwähnen. In "Writing For The King" liest man, dass die Autoren am wenigsten ein Problem damit hatten un dennoch froh waren, wenn Elvis einen ihrer Songs aufnahm. Selbst heute kassieren sie noch mächtig daran.

Zurück zum Artikel. MW sieht als Beleg für Parkers Loyalität, dass dieser nie ein Enthüllungsbuch über Elvis geschrieben hat, in welchem aus dem "Nähkästchen plaudert". Ich will Parkers Loyalität gar nicht in Frage stellen, aber der Umstand, dass er nie ein Buch verfasste hat, würde ich nicht als Beleg dafür werten. Erstens hätte Parker ein Buch schreiben können, in welchem er vor allem über die geschäftliche Seite des Phänomens "Elvis" schreibt, ohne dabei auf die Privatperson Elvis einzugehen. Zweitens kann der Grund, dass er es nie getan hat auch ganz woanders liegen: vielleicht hatte er einfach keine Lust, die letzten Lebensjahre damit zu verbringen ein Buch zu schreiben; vielleicht war es im einfach auch kein Bedürfnis, die Anschuldigungen, die gegen ihn erhoben wurden, klar zu stellen. In jedem Fall bedauere ich, dass weder er noch Tom Diskin dies getan haben.

Sehe ich genauso, das Buch hätte mich brennend interessiert. Nur hätte sich für ein solches Buch - zumindest zu Parkers Lebzeiten - kaum ein Verleger gefunden, ebenso wohl auch kaum eine Leserschaft. Hier muss ich Praytome mal Recht geben: Schmutzgeschichten verkaufen sich besser als wenig effektheischerische Fakten. Parker hätte also nur mit einem "Enthüllungsbuch" über Elvis absahnen können. Und das hat er nie gemacht.

Weiterhin wird die Behauptung aufgestellt, dass es Elvis wie Parker in erster Linie um’s Geld ging. Aussagen von Freunden und Ehefrau legen das Gegenteil Nahe. Diese lassen eher vermuten, dass Elvis nicht dem Mumm hatte, klare Ansagen zu machen, was er will – zumindest nicht außerhalb seines Freundeskreises bzw. seiner Familie.

Oder sie lassen den Schluss zu, dass Elvis vor seinen Freunden nie so recht zugeben konnte, dass er letztendlich doch immer zugunsten der Kohle entschied.

MW versucht seine Behauptung zu untermauern, indem er schreibt, dass „Elvis sich wohl kaum für Parker entschieden hätte, wenn ihm der finanzielle Erfolg nicht soviel bedeutet hätte, denn schließlich muss ein solch aufwendiger Lebensstil, wie Elvis pflegte auch bezahlt werden.“ Zum einen glaube ich nicht, dass das Streben nach finanziellem Erfolg zwangsweise immer im Widerspruch zum künstlerischen Erfolg steht. Zum anderen kam der aufwendige Lebensstil erst nach der Verpflichtung von Parker und kann demnach nicht der Grund für die Verpflichtung von Parker gewesen sein.

Der Grund für Parkers Verpflichtung war dessen Erfolg als Manager von Eddy Arnold und Hank Snow sowie als Konzertpromoter. Dann wurde Elvis im Eiltempo zum Weltstar und Multimillionär, was seine Entscheidung für Parker als richtig erscheinen ließ. Warum sollte er so blöd sein, fortan nicht mehr auf seinen Manager zu hören? Es gibt genug Künstler, die durch ihren Manager nach oben kommen und dann denken, sie wüssten es besser, oder sie hören dann auf irgendwelche Schwätzer, die ihnen das Blaue vom Himmel vorlügen, was meistens im Abstieg endet. Elvis hatte keine Ahnung vom Geschäft und war daher klug genug, sich auf dieser Ebene erst gar nicht zu versuchen. Parker hingegen hatte immer das beste Gespür für die lukrativste Schiene: Elvis war in den 50ern der erfolgreichste Plattenstar, in den 60ern der erfolgreichste Filmstar und in den 70ern der erfolgreichste Live-Star. In drei Jarzehnten schwamm Elvis ganz oben mit. Wer schafft das schon?

Auf jeden Fall vielen Dank für Deine ausführlichen kritischen Gedanken - es tut gut zu wissen, dass jemand diese Artikel auch wirklich liest und sich inhaltlich damit auseinander setzt. Dann hat sich die Arbeit nämlich gelohnt! :up:
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23.08.2009 16:16 #748021 von Earth Boy
Earth Boy antwortete auf "Golden Boy Elvis"

Auf die Gegenargumente weise ich insofern hin, dass ich sage, sie stehen im Booklet der FTD. Zugunsten der eh schon immensen Länge meines Beitrags habe ich darauf verzichtet, diese nochmal zu wiederholen, kann ja jeder nachlesen.

Ok, das macht Sinn, vor allem wenn man bedenkt, wie groß die Kritik bezüglich des jetzigen Umfangs so schon ist.

Erstens: Wenn Elvis einen Song unbedingt aufnehmen wollte, hat er das entschieden, auch wenn er keine Rechte abgetreten bekam,


Die Gefahr war meiner Meinung auch eher, dass viele renommierte Autorenteams wie beispielsweise (Barry/Greenwich; Goffin/King oder Mann/Weil) der 60er erst gar keine Songs bei einer Session eingereicht haben bzw. dazu keinen Anreiz hatten.

z.B. bei "In The Ghetto" und "Suspicious Minds". Geh auch mal davon aus, dass die Beatles ihm sicher keine Anteile abgedrückt haben für "Yesterday", "Get Back" und "Something."

Das war aber auch Ende der 60er als man merkte, dass sich das alte System überlebt hat. Meiner Meinung nach hätte man es viel früher aufgeben oder zumindest aufweichen müssen. Miese Platten und damit einhergehend schwache Verkaufszahlen ab Mitte der 60er sprachen auch damals schon eine deutliche Sprache.

Der Grund für Parkers Verpflichtung war dessen Erfolg als Manager von Eddy Arnold und Hank Snow sowie als Konzertpromoter.


Genau das war der Grund, jedoch nicht Elvis extravaganter Lebensstil.

Auf jeden Fall vielen Dank für Deine ausführlichen kritischen Gedanken - es tut gut zu wissen, dass jemand diese Artikel auch wirklich liest und sich inhaltlich damit auseinander setzt.

Gern geschehen! :rose:
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24.08.2009 16:31 #748051 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf "Golden Boy Elvis"

Die Gefahr war meiner Meinung auch eher, dass viele renommierte Autorenteams wie beispielsweise (Barry/Greenwich; Goffin/King oder Mann/Weil) der 60er erst gar keine Songs bei einer Session eingereicht haben bzw. dazu keinen Anreiz hatten.

Diese Autorenteams hätten das Problem bei anderen großen Stars auch gehabt. Vielmehr ging man dazu über, selber Künstler aufzubauen, die die eigenen Songs zum Erfolg brachten. Da konnten dann die Autoren noch zusätzlich absahnen. Die Frage ist weiterhin, ob die von Dir genannten Autorenteams wirklich die richtigen Lieder für Elvis hätten schreiben können. Wer sagt denn, dass Elvis sich an einen vorherrschenden Trend hätte dranhängen müssen? Hat er doch schon vorher nicht gemacht. Er hat einmal einen Trend gesetzt und quasi die Musikszene umgekrempelt. Warum sollte er sich dann in den 60ern an das, was seine "Nachfolger" geschaffen haben, dranhängen? Er ist sich doch irgendwie immer treu geblieben und hat das gesungen, was ihm gefiel. Später mehr als früher.

Außerdem muss man zu der Behauptung, dass ihm wegen der Parkers Geschäftspraxis große Hits durch die Lappen gegangen sind, folgende Tatsache festhalten: Das ist nur eine aus der Luft gegriffene Behauptung. Es gibt keinen einzigen (bekannten) Song, der von Parker abgeschmettert wurde, der dann durch jemand anders ein Mega-Hit wurde. Wer so nach Elvis' Tod alles aufpoppte und postulierte, er hätte den Mega-Hit für Elvis gehabt, doch Parker hätte ihn nicht "erlaubt", macht sich nur wichtig. Fakten gibt es keine dazu.

Das war aber auch Ende der 60er als man merkte, dass sich das alte System überlebt hat. Meiner Meinung nach hätte man es viel früher aufgeben oder zumindest aufweichen müssen. Miese Platten und damit einhergehend schwache Verkaufszahlen ab Mitte der 60er sprachen auch damals schon eine deutliche Sprache.

Stop - 1965 brach Elvis als erster die Millionengrenze, ausgerechnet bei "Harum Scarum." Da kann man zunächst nicht von Misserfolg reden. Der kam erst Ende 65 / Anfang 66, aber auch nicht gerade brachial, sondern schleichend. Es wurde reagiert: Bereits 1966 mit "How Great Thou Art", das künstlerisch wertvoll war. Elvis ging wieder ins Studio und machte hervorragende Aufnahmen - dass die leider als Bonus-Tracks auf Soundtracks verramscht wurden, war in der Tat ein Fehler. 1968 kam das TV-Special. Ja, man hat durchaus erkannt, dass sich die Film-Soundtrack-Masche totgelaufen hatte, doch arbeitete man erst mal die alten Verträge ab und reagierte nicht panisch, sondern besonnen. Mit Erfolg, wie wir alle wissen. Verdammt gut verdienen tat Elvis auch auf seinem vermeintlichen Tiefpunkt noch - mehr als die meisten Künstler auf ihrem Höhepunkt. Insofern kann man auch das Parker nicht in der Form vorwerfen, in der es getan wird. Er hat auch da einen guten Job gemacht. Dass vieles künstlerisch nicht wertvoll war, mag sein, aber das war zunächst nicht seine Aufgabe. Und: Künstlerisch wertvoll war auch vieles von dem Teenie-Rock'n'Roll der 50er nicht, man sprach nur eine andere Zielgruppe an. Diese konnte man in den 60ern nicht mehr ansprechen, weil die Teenies andere Idole hatten (was normal ist) und Elvis zu "alt" dafür war.

Genau das war der Grund, jedoch nicht Elvis extravaganter Lebensstil.

Anfangs richtig, da hat er sich erstmal einen rosa Cadillac gekauft und ist in das - verhältnismäßig bescheidene - Haus am Audobon Drive gezogen. Doch mit der Zeit wurde der Lebensstil immer kostenintensiver: Graceland samt Personal und umliegenden Grundstücken, dutzende Autos, immer neue, teurere Klamotten und Juwelen, zwei Flugzeuge und eine ganze Armee von "Helfern". Nicht zu vergessen die "medizinische Versorgung". Musste alles bezahlt werden. Es ist ja nicht so, dass Elvis in "schlechten Zeiten" sparsamer geworden wäre - nein, er hat immer noch einen draufgesetzt, ist nie einen Schritt zurückgegangen.
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25.08.2009 13:13 #748119 von Earth Boy
Earth Boy antwortete auf "Golden Boy Elvis"

Diese Autorenteams hätten das Problem bei anderen großen Stars auch gehabt.

Weißt Du das sicher? Dann nenne mir mal ein Beispiel, wo diese Autoren ab 1965/1966 ihre Tantiemen teilweise an den entsprechenden Künstler abdrücken mussten. Und wenn ja, waren dann die abzuführenden Prozentsätze identisch?


@Mod.: Vielleicht kann man das hier in einen Extra-Thread verschieben, damit der GBE Thread nicht unnötig mit anderen Themen zugemüllt wird.

Die Frage ist weiterhin, ob die von Dir genannten Autorenteams wirklich die richtigen Lieder für Elvis hätten schreiben können.


Das weiß natürlich niemand. Allerdings scheint Elvis zumindest an den Kompositionen von Mann/Weil Gefallen gefunden zu haben, wie man an den beiden Nummern auf dem TTWII Album sehen kann. Die von mir genannten Teams waren aber auch nur beispielhaft gemeint. Fakt ist jedenfalls, dass die B-Autorenteams, die ab 65 für Elvis Output überwiegend zuständig waren, das auch nicht getan haben. Die haben bestenfalls die richtigen Lieder für die entsprechenden Szenen geschrieben – mit stetig abnehmender Qualität. Hier hätte eine Auffrischung sicher gut getan. Dann wäre man bei der Suche nach potentiellen Single Kandidaten vielleicht auch wieder häufiger fündig geworden und diese hätten es möglicherweise auch mal wieder in die Top-Ten geschafft, wenn Elvis sie als erster aufgenommen und sie nicht nur irgendwann nachspielt hätte.

Warum sollte er sich dann in den 60ern an das, was seine "Nachfolger" geschaffen haben, dranhängen?


Die Aussage würde ich verstehen, wenn die Lieder von den Leuten deren Kompositionen zu ihm durchdrangen, in irgendeiner Weise originell, außergewöhnlich oder besonders gewesen wäre. Die meisten waren aber gerade das ab 1965 sicher nicht.

Er ist sich doch irgendwie immer treu geblieben und hat das gesungen, was ihm gefiel. Später mehr als früher.


Gebetsmühlenartiges Wiederholen macht es nicht richtiger. Nein, er hat nicht nur gesungen, was ihm gefallen hat. Er hat zu den Soundtrack-Zeiten Mitte der 60er aus dem, was man ihm vorgelegt hat, das aufgenommen, was er am besten fand. "Am besten" ist jedoch nicht gleichzusetzen mit "gut". Ab einem gewissen Punkt war das wohl eher das "kleinere Übel". Hier hätte ein Mehr an Auswahl – und zwar nicht nur von den immer gleichen Autorenteams – mehr als nur gut getan. Es wäre sowohl künstlerisch als auch zu dauerhaften Aufrechterhaltung des Erfolgs notwendig gewesen.

Es gibt keinen einzigen (bekannten) Song, der von Parker abgeschmettert wurde, der dann durch jemand anders ein Mega-Hit wurde. Wer so nach Elvis' Tod alles aufpoppte und postulierte, er hätte den Mega-Hit für Elvis gehabt, doch Parker hätte ihn nicht "erlaubt", macht sich nur wichtig. Fakten gibt es keine dazu.

Es geht auch nicht darum, dass Parker Elvis verboten hätte irgendwelche Lieder aufzunehmen. Das behaupte ich gar nicht. Vielmehr geht es darum, dass die Kanalisierung auf vorwiegend 3-4 Autorenteams – von denen keines in der Lage war Hits (oder auch nur gute Lieder) am laufenden Band zu schreiben, wie es beispielsweise Holland/Dozier/Holland damals konnten – Elvis Platten immer schlechter werden ließ und das hatte verzögert auch Auswirkungen auf die Verkaufszahlen.

Stop - 1965 brach Elvis als erster die Millionengrenze, ausgerechnet bei "Harum Scarum." Da kann man zunächst nicht von Misserfolg reden.

Ich vermute Du redest von Elvis Gage. Die wäre aber kein Deut niedriger ausgefallen, wenn die Musik besser gewesen wäre. Im Gegenzug hätten qualitativ bessere Platten wahrscheinlich aber verhindert, dass die Verkaufszahlen sukzessive immer schlechter wurden. Wer als Käufer bei Alben wie Harum Scarum, Frankie and Johnny und Paradise zugegriffen hat, hat sich zukünftig sicherlich zweimal überlegt, ob er sich ein weiteres Album zulegen soll. Zumal es auch keine Singles mehr gab, die Elvis in der Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit unterstützt hätten. Insofern hatten die Soundtracks – das schließt Harum Scarum mit ein - eine verheerende Langzeitwirkung. Ich kenne aus eigener Erfahrung das Phänomen, dass man einen Künstler, der 2 – 3 schwache Alben am Stück veröffentlicht hat, erst mal abhakt. Denn nur die wenigstens haben so viel Geld zu Verfügung, dass sie in blinder Treue einfach weiterhin die miesen Produkte kaufen.

Es wurde reagiert: Bereits 1966 mit "How Great Thou Art", das künstlerisch wertvoll war.

Da wurde gar nicht reagiert, denn das System blieb unverändert. Gospel Songs sind ähnlich wie Weihnachtslieder nicht selten Public Domain Songs.

Ja, man hat durchaus erkannt, dass sich die Film-Soundtrack-Masche totgelaufen hatte, doch arbeitete man erst mal die alten Verträge ab und reagierte nicht panisch, sondern besonnen. Mit Erfolg, wie wir alle wissen. Verdammt gut verdienen tat Elvis auch auf seinem vermeintlichen Tiefpunkt noch - mehr als die meisten Künstler auf ihrem Höhepunkt.

Mit guten Platten hätte er auch mit seiner Musik mit großer Wahrscheinlichkeit durchgehend erfolgreiche Alben gehabt und vor allem auch Singles – denn das war der Markt über weite Strecken der 60er, auf dem richtig hohe Verkaufszahlen zu erzielen waren. Und hier war schon seit 1964 Elvis auf dem absteigenden Ast. Insofern hat man auch vom rein finanziellen Aspekt wahrlich nicht alles richtig gemacht, denn man hat den musikalischen Aspekt stiefmütterlich vernachlässigt und das hat nicht nur künstlerische Glaubwürdigkeit gekostet und sondern langfristig finanziell für Einbußen gesorgt aufgrund von schwindenden Verkaufszahlen.
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25.08.2009 14:25 #748125 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf "Golden Boy Elvis"

Weißt Du das sicher? Dann nenne mir mal ein Beispiel, wo diese Autoren ab 1965/1966 ihre Tantiemen teilweise an den entsprechenden Künstler abdrücken mussten.

Ich kenne diese Praxis aus den Erzählungen von Leuten in der Branche, von Songwritern und aus eigener Erfahrung. Es wurde immer so gemacht, es wird auch heute noch so gemacht. Grundsätzlich gelten zwei Regeln: Je erfolgreicher der Künstler, desto mehr drückt man ab. Je erfolgreicher der Songwriter, desto weniger muss er abdrücken.

Mit konkreten Beispielen ist es deshalb schwer, weil man da genau recherchieren muss, denn der einzige Künstler, bei dem diese Geschichte immer wieder thematisiert wird, ist Elvis. Sonst wird es stillschweigend so gehandhabt, jeder in der Branche weiß es, den Fan geht's eh nichts an, und fertig. Es gibt aber so ein paar Anzeichen, an denen man es auch ohne Insider-Informationen erkennen kann: Zunächst einmal am Musikverlag. Wenn jemand wie z.B. Phil Spector dafür sorgt, dass die Kompositionen für seine Schützlinge in seinem Musikverlag landen, dann ist der Fall klar. Des weiteren erkennt man es daran, dass Interpreten, die nicht gerade den Ruf von begnadeten Musikern und Komponisten genießen, plötzlich bei etlichen Songs als Autoren oder Co-Autoren aufgeführt werden, z.B. Madonna.

Ab Mitte der 60er änderte es sich sichtbar, weil eben immer mehr Künstler ihre eigenen Kompositionen sangen und mit eigenen Musikverlagen auch Teil der Wertschöpfunskette waren. Das gab es natürlich auch vorher schon, z.B. Buddy Holly oder Roy Orbison. Dazu als Gegenbeispiel Elton John, der die Verlagsrechte seiner eigenen Kompositionen (!) an die Plattenfirma abdrücken musste, damit diese überhaupt seine Platten veröffentlichte. Auch das ist heute noch gängie Praxis: Jeder in der Branche wird Dir als Songwriter raten, Deine Kompositionen zunächst einmal nicht in einen Verlag zu geben, sondern sie als Manuskript zu verwalten, damit sie erst dann, wenn sich jemand gefunden hat, der sie singt, in dessen Verlag gehen, sonst haben sie auf dem Markt keine Chance.

Wie man es dreht und wendet, die Nummer ist keine Exclusiv-Praxis von Colonel Parker, erfunden hat er das auch nicht.

Und wenn ja, waren dann die abzuführenden Prozentsätze identisch?

Die Prozentpunkte sind natürlich Verhandlungssache, aber auch hier gilt: Je größer der Star, desto mehr drückt man ab. Sind es nur die Verlagsrechte, ist man 40-50% los. Drückt man auch die Tantiemen ab oder nennt gar den Künstler als Co-Autor, sind nochmal 50% weg.

Allerdings scheint Elvis zumindest an den Kompositionen von Mann/Weil Gefallen gefunden zu haben, wie man an den beiden Nummern auf dem  TTWII Album sehen kann.

Eben. Und da scheint es ja auch kein Problem mit dem Abdrücken gegeben zu haben, sonst wären die Nummern nie auf dem Album erschienen. Wie ich sagte: Wenn Elvis einen Song singen wollte, dann sang er ihn, egal ob abgedrückt wurde.

Fakt ist jedenfalls, dass die B-Autorenteams, die ab 65 für Elvis Output überwiegend zuständig waren, das auch nicht getan haben.

Laut "Writing For The King" haben sich bis zu 12 Autoren oder Teams um einen Song geprügelt. Das waren sicher nicht nur B-Autoren.

Die haben bestenfalls die richtigen Lieder für die entsprechenden Szenen geschrieben – mit stetig abnehmender Qualität.

Das stimmt nicht. Es gab einen Durchhänger in der Mitte. Am Ende wurden die Songs wieder besser. Billy Strange war z.B. ein absolut angesagter Name zu der Zeit, der hätte sich auf gar nichts einlassen müssen bzgl. Abdrücken, das hatte er nicht nötig.

Die Aussage würde ich verstehen, wenn die Lieder von den Leuten deren Kompositionen zu ihm durchdrangen, in irgendeiner Weise originell, außergewöhnlich oder besonders gewesen wäre. Die meisten waren aber gerade das ab 1965 sicher nicht.

Bei den Filmen vielleicht nicht, obwohl es - wie gesagt - gegen Ende besser wurde. Das wird oft vergessen.

Gebetsmühlenartiges Wiederholen macht es nicht richtiger. Nein, er hat nicht nur gesungen, was ihm gefallen hat.

Ich meinte damit die regulären Aufnahmen. Es bringt aber auch nichts, sich immer nur an den Filmen aufzuhängen, wo die Musik einen ganz anderen Zweck hatte als auf einer Single oder einem Album. Selbst die Singles zu den Filmen waren mehr (gut bezahlte statt kostenintensive) Werbung für den Film

Es geht auch nicht darum, dass Parker Elvis verboten hätte irgendwelche Lieder aufzunehmen. Das behaupte ich gar nicht. Vielmehr geht es darum, dass die Kanalisierung auf vorwiegend 3-4 Autorenteams – von denen keines in der Lage war Hits (oder auch nur gute Lieder) am laufenden Band zu schreiben, wie es beispielsweise Holland/Dozier/Holland damals konnten – Elvis Platten immer schlechter werden ließ und das hatte verzögert auch Auswirkungen auf die Verkaufszahlen.

In erster Linie wurden die Filme immer schlechter. Dass die Platten immer schlechter wurden, war die logische Konsequenz. Dass das eine gute Sache war, habe ich nie behaupten wollen.

Ich vermute Du redest von Elvis Gage. Die wäre aber kein Deut niedriger ausgefallen, wenn die Musik besser gewesen wäre.

Bei "Harum Scarum" finde ich die Musik größtenteils großartig. Halt für den Film. Und viel besser als den Film selber.

Wer als Käufer bei Alben wie Harum Scarum, Frankie and Johnny und Paradise zugegriffen hat, hat sich zukünftig sicherlich zweimal überlegt, ob er sich ein weiteres Album zulegen soll.

Das kommt darauf an, welche Käuferschicht angesprochen wurde. Die, die diese Art von Filmen und Elvis' "neues" Image gut fanden, waren von den Platten auch sicherlich nicht so enttäuscht, wie es gerne dargestellt wird.

Zumal es auch keine Singles mehr gab, die Elvis in der Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit unterstützt hätten.

Die gab es außerhalb der Filme leider auch nicht.

Insofern hatten die Soundtracks – das schließt Harum Scarum mit ein - eine verheerende Langzeitwirkung.

Wenn das so wäre, hätte man 1969 Songs wie "In The Ghetto" und "Suspicious Minds" nicht auf den obersten Plätzen der Charts angetroffen. So verheerend kann also die Langzeitwirkung nicht gewesen sein.

Gospel Songs sind ähnlich wie Weihnachtslieder nicht selten Public Domain Songs.

Das macht sie aber nicht zwingend schlechter.

Mit guten Platten hätte er auch mit seiner Musik mit großer Wahrscheinlichkeit durchgehend erfolgreiche Alben gehabt und vor allem auch Singles – denn das war der Markt über weite Strecken der 60er, auf dem richtig hohe Verkaufszahlen zu erzielen waren.  Und hier war schon seit 1964 Elvis auf dem absteigenden Ast. Insofern hat man auch vom rein finanziellen Aspekt wahrlich nicht alles richtig gemacht, denn man hat den musikalischen Aspekt stiefmütterlich vernachlässigt  und das hat nicht nur künstlerische Glaubwürdigkeit gekostet und sondern langfristig finanziell für Einbußen gesorgt aufgrund von schwindenden Verkaufszahlen.

Deine Überlegung setzt voraus, dass es hauptsächlich am Material lag. Ich vertrete eher die Ansicht, dass es daran lag, dass Elvis zu dieser Zeit einfach nicht angesagt war, egal was er sang. Er kam 1969 genau zur rechten Zeit "zurück". Ich bin mir sicher, die Nummer hätte nicht funktioniert, wenn sie 1966 gelaufen wäre. Erfolg ist auch immer das Glück, zur richtigen Zeit das Richtige zu tun.
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25.08.2009 14:33 #748127 von Lonegan
Lonegan antwortete auf "Golden Boy Elvis"

Deine Überlegung setzt voraus, dass es hauptsächlich am Material lag. Ich vertrete eher die Ansicht, dass es daran lag, dass Elvis zu dieser Zeit einfach nicht angesagt war, egal was er sang.

Hm, woran könnte das wohl gelegen haben? An den Filmen ja sicher nicht.
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25.08.2009 14:51 #748129 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf "Golden Boy Elvis"

Hm, woran könnte das wohl gelegen haben? An den Filmen ja sicher nicht.

Zeiten, Geschmäcker und Moden ändern sich, ganz einfach. Anfang der 60er hatte Elvis doch trotz der Filme noch Hits, sogar Filmsongs wurden zu Klassikern. Er war einfach durch, vorerst.
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