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"Golden Boy Elvis"
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Klarer Fall, die nahmen mit, was sie kriegen konnten. Daher kann ich mir nicht vorstellen, dass sie die Frage der Verlagsrechte ernsthaft davon abgehalten hat, für Elvis zu schreiben. Natürlich kann es sein, aber es kann genauso gut auch nicht sein.Goffin/King schrieben zumindest sowohl für Spector als auch für andere Nicht-Spector-Künstler wie die Monkees oder Herman’s Hermits.
Ich sehe keinen zwingenden Grund. Man denkt immer, das seien Hit-Garanten - weil man nur die Hits sieht. Aber erstens kommen auch bei solchen Top-Teams auf jeden Hit etliche Flops, von denen wir nur nichts wissen, eben weil sie Flops waren. Außerdem gab es auch mehr als genug Hits, die nicht von ihnen geschrieben wurden. Eine Garantie gibt es nicht, nach dem Motto, ich lasse mir jetzt von XY einen Song schreiben, dann habe ich einen Hit.Soll heißen man hätte sie kontaktieren und sie hätten für Elvis schreiben können.
Da gibt es einen entscheidenden Unterschied: Chips Moman war bei Elvis bezahlter Auftragsproduzent. Elvis war nicht "sein" Künstler, sondern Chips war Elvis' Produzent. Spector versuchte eher, die Künstler mit Haut und Haaren zu schlucken. Klar konnte man ihn auch als Auftragsproduzent engagieren, wie die Beatles das mit "Let It Be" gemacht haben - mit dem bekannten Ergebnis einer gespaltenen Fan-Base und einer gleichermaßen gespaltenen Gruppe. Spector war ein Exzentriker, der sich früher oder später mit jedem überworfen hat. (Das sage ich nicht jetzt erst, wo er im Bau sitzt.) Elvis hingegen war jemand, der auf langjährige Partnerschaften setzte (außer privatSicher nicht mehr als bei Chips Moman, zumal Spector riesen Elvis Fan ist und sich über diese Möglichkeit wahrscheinlich gefreut hätte.
Ich für meinen Teil bin froh, dass Elvis nicht mit Spector gearbeitet hat, denn ich kann seinen Sound nicht ertragen. Aber das soll nur eine persönliche Anmerkung sein, eine Geschmacksfrage. Spectors Können und Bedeutung stelle ich keinesfalls in Abrede.
Darum ging es doch gar nicht. Marco wollte lediglich an einem Beispiel verdeutlichen, wie
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Dazu herrschen geteilte Auffassungen, die einen sagen so, die anderen sagen anders. Beide Seiten haben Recht und Unrecht, beide Erfolg und Misserfolg. Ich tendiere auch eher dazu, etwas eigenes zu kreieren. Aber ich bin nicht der Maßstab.Grundsätzlich stimmt das, jedoch denke ich, dass es leichter ist mit einem "eigenen" original Song ein Hit zu landen, als mit einem Lied, dass durch einen anderen Interpreten geprägt wurde. Das ist jetzt aber mehr ein Gefühl von mir, als dass ich dies belegen könnte.
Es war vor gar nicht allzu langer Zeit, als ich noch als DJ arbeitete, da bestanden die deutschen Charts zu einem Drittel aus Covers. Sicher nicht ohne Grund. Man muss eine Nummer nehmen, die jeder im Ohr hat, die aber nicht mehr so aktuell ist, dass sie zu sehr mit dem Original verglichen wird.
Das Erfolgsrezept der No Angels: Eine Nummer Cover, eine Nummer was eigenes.
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Passend dazu fand ich gerade dies hier bei <a href=' de.wikipedia.org/wiki/You%E2%80%99ve_Los...0%99_Feelin%E2%80%99 ' target='_blank'>Wikipedia, eine Story aus der Aufnahme-Session zu "You've Lost That Lovin' Feelin'" (Bobby Hatfield und Bill Medley sind die beiden Sänger der Righteous Brothers):Hätte Elvis das so gewollt, hätte er sich zu Spector begeben müssen. Dem hätte er sich aber wesentlich mehr ausliefern müssen als bei Parker, dafür aber deutlich weniger verdient. So Acts wie die "Righteous Brothers" hatten - im Vergleich zu Elvis - kaum was zu melden, die waren komplett ferngesteuert vom Songwriter- und Produzententeam. Glaubt Ihr, die "Righteous Brothers" hätten sich auch nur einen einzigen Song selber aussuchen dürfen, den sie gesungen haben? Pustekuchen!
<span style='color:blue'>Bobby Hatfield reportedly expressed his annoyance to Spector upon learning that he would have to wait until the chorus before joining Bill Medley’s vocals. When Hatfield asked Spector just what he was supposed to do during Medley’s solo, Spector replied: “You can go straight to the fucking bank.”</span>
Soviel zu dem Thema... Sowas hätte sich Elvis von niemandem anhören müssen, er war der Chef im Studio (und nicht nur da) und bestimmte, wo es lang ging. Wer glaubt, Elvis hätte nichts zu sagen gehabt, der sollte sich mal vor Augen führen, wie es sonst in der Branche abgeht. Viele Künstler sind wirklich nur Befehlsempfänger. Elvis hingegen - dem das immer unterstellt wird - war der Boss, er hatte die Macht, er hat entschieden. Wenn er auf Parker gehört hat, dann weil er davon überzeugt war, dass Parker ihm das richtige riet. Aber nicht, weil er nichts zu melden hatte.
Spector mag zwar Recht gehabt haben mit seinem Spruch zu Hatfield, aber Elvis war kein Künstler, mit dem man so umging. Das hätte nicht gepasst.
- Jim Knopf
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Mal eine Frage: Wärest Du Songwriter in der damaligen Zeit: An wen würdest Du Deine Songs, von denen Du natürlich überzeugt bist, als erstes anbieten? An denjenigen, wo Du schon im Vorfeld weißt, daß Du abdrücken mußt, oder versuchst Du es nicht erst woanders, wo Du nicht abdrücken bzw. nicht in dem Rahmen abdrücken mußt?
Das ist doch in jeder Branche das gleiche: Wenn ich ein Produkt habe, wovon ich überzeugt bin, biete ich das doch nicht als erstes dem Big Player an, wo ich weiß, daß ich mit dem Preis ggf. sogar unter meine Schmerzgrenze gehen muß. Ich versuche doch erst die anderen (unabhängigeren) Kunden anzusprechen und warte bei dem Big Player eher darauf, daß er mich anspricht. Ist doch ggf. eine wesentlich bessere Verhandlungsposition.
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Eine super Frage, nur quasi unmöglich zu beantworten, da man ein paar Faktoren mit berücksichtigen muss, die eine wesentliche Rolle spielen:@MW
Mal eine Frage: Wärest Du Songwriter in der damaligen Zeit: An wen würdest Du Deine Songs, von denen Du natürlich überzeugt bist, als erstes anbieten?
- Bin ich ein junger, hungriger, aufstrebender Songwriter, der sich über jede Veröffentlichung freut, oder ein etablierter Hit-Garant, dem alle die Bude einrennen?
- Ist mir die künstlerische Anerkennung wichtiger oder die reine Kohle?
- Bin ich eher ein versierter Auftragskomponist, der auf Kommando jedem Künstler jeder Stilrichtung etwas auf den Leib schreiben kann, oder pflege ich einen eigenen Stil und suche den passenden Interpreten dafür?
- Reicht mir die bloße Schreiberei oder habe ich darüber hinausgehende Ambitionen, wie z.B. Verlagswesen, Management, Musikproduktion oder gar selber musizieren?
Dazu kommt natürlich, dass wir mit heutigem Kenntnisstand gut reden haben, denn wir wissen, wer eine Eintagsfliege war und wer zum Klassiker wurde, der heute noch gutes Geld abwirft, das eine feine Zusatzrente hergibt. Daher kann ich Deine Frage nur mit einem eindeutigen "Weiß ich nicht" beantworten.
Aber eins kann ich Dir versichern: Ich hätte heute gerne 50% eines Elvis-Hits. Dann läge ich jetzt auf meiner schicken Yacht vor Saint-Tropez, mit Designerklamotten und einer teuren Sonnenbrille, und würde mir von einem Supermodel einen kühlen Drink servieren lassen, mit dem ich zwischendurch mal verschmitzt gen Himmel prosten würde, auf Elvis und den Colonel.
- Earth Boy
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Ich mag seinen Sound, aber ich glaube auch nicht, dass eine Zusammenarbeit zwischen Spector und Elvis lange gutgegangen wäre. Darüber hinaus ist das auch nichts, was ich als erstrebenswert oder verpasste Chance ansehe.Ich für meinen Teil bin froh, dass Elvis nicht mit Spector gearbeitet hat, denn ich kann seinen Sound nicht ertragen.
Obwohl beide mit Schusswaffen ein gemeinsames Interessengebiet hatten
Spector hat später häufig mit Lennon gearbeitet und dieser hat sich sicher noch viel weniger gefallen lassen als Elvis. Ich denke mal, dass Spector Künstler eines Kalibers wie Lennon sicher anders behandelt hat als irgendwelche Nobodys. Also daran wäre es nicht gescheitert. Dennoch hätte das nicht sein müssen.Spector mag zwar Recht gehabt haben mit seinem Spruch zu Hatfield, aber Elvis war kein Künstler, mit dem man so umging. Das hätte nicht gepasst.
Da war aber auch die große Zeit der Songwriting Teams vorbei. Als immer mehr Künstler nur noch Eigenkompositionen aufnahmen, nahm deren Bedeutung ab oder sie begannen teilweise erfolgreiche eine eigene Karriere aufzubauen wie Carole King, die 1971 das wunderbare Tapestry Album veröffentlichte, welches mit 25 Millionen verkaufter Tonträger ein gigantischer Erfolg wurde. Nebenbei bemerkt: So far away wäre ein Lied, das ich mir durchaus von Elvis aufgenommen vorstellen könnte.In den 70ern war's vorbei mit der großen Abdrückerei. Sind sie Elvis da mit Top-Hits die Bude eingerannt? Ich glaube, der stand sich in erster Linie selber im Weg, wenn es darauf ankam.
- Jim Knopf
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Naja, Du biegst es Dir natürlich immer so hin, wie Du willst.Eine super Frage, nur quasi unmöglich zu beantworten, da man ein paar Faktoren mit berücksichtigen muss, die eine wesentliche Rolle spielen:
- Bin ich ein junger, hungriger, aufstrebender Songwriter, der sich über jede Veröffentlichung freut, oder ein etablierter Hit-Garant, dem alle die Bude einrennen?
- Ist mir die künstlerische Anerkennung wichtiger oder die reine Kohle?
- Bin ich eher ein versierter Auftragskomponist, der auf Kommando jedem Künstler jeder Stilrichtung etwas auf den Leib schreiben kann, oder pflege ich einen eigenen Stil und suche den passenden Interpreten dafür?
- Reicht mir die bloße Schreiberei oder habe ich darüber hinausgehende Ambitionen, wie z.B. Verlagswesen, Management, Musikproduktion oder gar selber musizieren?
Dazu kommt natürlich, dass wir mit heutigem Kenntnisstand gut reden haben, denn wir wissen, wer eine Eintagsfliege war und wer zum Klassiker wurde, der heute noch gutes Geld abwirft, das eine feine Zusatzrente hergibt. Daher kann ich Deine Frage nur mit einem eindeutigen "Weiß ich nicht" beantworten.
Aber eins kann ich Dir versichern: Ich hätte heute gerne 50% eines Elvis-Hits. Dann läge ich jetzt auf meiner schicken Yacht vor Saint-Tropez, mit Designerklamotten und einer teuren Sonnenbrille, und würde mir von einem Supermodel einen kühlen Drink servieren lassen, mit dem ich zwischendurch mal verschmitzt gen Himmel prosten würde, auf Elvis und den Colonel.
Auf der einen Seite gibt es für Dich bei Elvis/Colonel immer nur schwarz oder weiß. Du schreibst immer wie einfach doch das Musikbusiness funktioniert, Kohle ist das wichtigste, "lieber einen No. 30 mit sämtlichen Rechten als einen No. 1 ohne Rechte" etc. pp.
Wenn man natürlich mal konkret nachfragt, was Du tuen würdest, gibt es auf einmal die ganzen Möglichkeiten. Also irgendwo mußt Du Dich schon entscheiden.
Damit will ich natürlich nicht dem Colonel Unfähigkeit vorwerfen oder schlechtes Management. Diese Geschichte mit dem Abdrücken hat sich vielleicht so verselbständigt, daß es in der Branche natürlich bekannt war und Elvis/Colonel nicht mehr der erste Ansprechpartner für Songwriter mit guten Songs war.
Aber vielleicht kommen wir ja auch noch zu der Dolly Parton-Geschichte.
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Das Musikgeschäft ist alles andere als einfach, sonst wäre ich schon längst Multimillionär. Aber welches Geschäft ist schon einfach?Du schreibst immer wie einfach doch das Musikbusiness funktioniert...
Das ist nunmal so, daher heißt es ja auch "Business". Klar gibt es Künstler, denen ihre Kunst und Inhalte wichtiger sind. Doch auch die sind umgeben (und abhängig) von anderen, denen es wiederum nur ums Geld geht, allen voran Plattenfirmen. Die interessiert es einen Dreck, ob eine Produktion künstlerisch wertvoll ist. Das finde ich als Musikfreund zwar schade, kann es aber verstehen. Die können ihren Mitarbeitern schlecht sagen: "Du, leider können wir Dir diesen Monat kein Gehalt zahlen, und wahrscheinlich müssen wir Dir Ende des Jahres sogar kündigen, doch unsere Platten haben einen hohen kulturellen Stellenwert."...Kohle ist das wichtigste...
Wenn man natürlich mal konkret nachfragt, was Du tuen würdest, gibt es auf einmal die ganzen Möglichkeiten. Also irgendwo mußt Du Dich schon entscheiden.
- Jim Knopf
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Ich denke, daß man von ihr "verlangt hat" oder sie gebeten hat, auf dei Erstveröffentlichung zu verzichten. Elvis war Ende 1973 im Studio, sie hat den Song im Juni 73 aufgenommen und zur Veröffentlichung kam es erst im Februar 74. Ist möglich, keiner weiß es.Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass diese Geschichte so nicht stimmt, denn bei einem Cover-Song hat Parker niemals irgendwelche Rechte verlangt (und hätte sie auch nie bekommen). Diese Praxis gab es nur bei Erstveröffentlichungen durch Elvis. Oder glaubst Du, Paul Simon hätte Elvis die Verlagsrechte für "Bridge Over Troubled Water" abgetreten? Ganz sicher nicht, denn dann hätte bei Elvis auch jedes Mal die Kasse geklingelt, wenn das Original von Simon & Garfunkel irgendwo verkauft oder im Radio gespielt wurde. So blöd ist doch kein Mensch!
- Lonegan
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Wie undankbar, schließlich wollte ELVIS ihren Song singen. Miese Emanze.Ich denke, daß man von ihr "verlangt hat" oder sie gebeten hat, auf dei Erstveröffentlichung zu verzichten. Elvis war Ende 1973 im Studio, sie hat den Song im Juni 73 aufgenommen und zur Veröffentlichung kam es erst im Februar 74. Ist möglich, keiner weiß es.