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"Golden Boy Elvis"
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Daher denke ich nicht, dass die Abtretung das Problem war. Vielmehr glaube ich, dass die hippen Songwriter-Teams eher ein Image-Problem mit den Elvis-Filmen dieser Zeit hatten. Man hätte natürlich unter Pseudonym arbeiten können, doch die Gefahr der Aufdeckung war immens. In der Branche wusste jeder, wer sich hinter den gängigen Pseudonymen verbarg, und der Musikinteressierte erfuhr es früher oder später auch. Sowas bleibt nicht lange geheim.
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Nein, das ist mir neu. Mag vielleicht bei irgendwelchen Hinterhof-Independant-Labels der Fall sein, aber wir reden hier über einen Weltstar, der bei einem Major unter Vertrag war. Da ist ein Ladenhüter nicht gern gesehen, auch wenn er künstlerisch wertvoll ist.Aber Du weißt sicher auch, daß deren Geschäft nicht ganz so auf Kohle ausgerichtet ist wie bei anderen (langweiligeren) Wirtschaftszweigen.
Prestige und Ruhm kommen aber erst durch kommerziellen Erfolg, weil sonst keiner etwas davon mitkriegt. Der Monti hat's jedesmal ordentlich krachen lassen, wenn er die erste Goldene in die Hand gedrückt bekam. Aber hast Du jemals gehört, dass die Branche einen Flop gefeiert hat?Du weißt, denen geht es viel um Prestige, Ruhm etc. Die brauchen immer etwas, um sich selbst zu feiern. Denk nur mal an unseren Freund Monti in München.
Dafür hätte Elvis den Song, den er von ihr singen wollte, schon vor der Veröffentlichung kennen müssen. Allein das halte ich für völlig ausgeschlossen. Wie soll das bitte gehen?Ich denke, daß man von ihr "verlangt hat" oder sie gebeten hat, auf dei Erstveröffentlichung zu verzichten.
Außerdem komponierte Dolly Parton ausschließlich für sich selber. Kein erfolgreicher Sänger, der seine Songs selber schreibt, würde jemals einen Titel, an den er fest glaubt, jemand anders geben. Höchstens wenn es eine Gurke aus der unteren Ablage-Schublade ist, oder wenn er einem anderen Künstler extra einen Titel auf den Leib schreibt, oder wenn zwei Künstler dick befreundet sind und immer mal wieder zusammen arbeiten. Doch soweit ich weiß, kannten Elvis und Dolly Parton sich noch nicht einmal persönlich.
Sowas passiert nur in Ausnahmefällen, wenn zwei Künstler zeitgleich im selben Studiokomplex aufnehmen und sich mal gegenseitig besuchen kommen. Wobei die meisten sich selbst dann eher einen Arm abschneiden würden, als dem anderen ihre unveröffentlichte Produktion vorzuspielen, denn die Panik vor Ideenklau ist in der Musikbranche genauso ausgeprägt wie anderswo auch. Oder glaubst Du, bei Daimler würden sie einen BMW-Chefentwickler den neuesten Erlkönig fahren lassen?Elvis war Ende 1973 im Studio, sie hat den Song im Juni 73 aufgenommen und zur Veröffentlichung kam es erst im Februar 74. Ist möglich, keiner weiß es.
Aber wenn Elvis im Dezember 1973 bei Stax in Memphis aufnahm, wie soll er da einen unveröffentlichten Song von Dolly Parton hören, den diese ein halbes Jahr vorher in Nashville aufgenommen hat (vermute ich mal, da sie immer dort produziert hat, ab Mitte der 70er sogar im eigenen Studio)?
Um welchen Song geht es überhaupt? Ich las vor Jahren mal was von "Coat Of Many Colors", aber der ist von 1971. Obwohl Elvis sicher seine helle Freude gehabt hätte an dieser schmachtvollen "Wir waren als Kinder so arm, dass meine geliebte Mami mir einen bunten Mantel aus Lumpen genäht hat"-Schmonzette. Was die Fans ihm sicher genauso übel genommen hätten wie "Heart Of Rome".
- Jim Knopf
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Ob Majo Label oder kleines Hinterhoflabel. Der Unterschied liegt doch auch nur in den Dimensionen des Feierns. Aber wahrscheinlich hast Du mit einem Major Label noch nicht zusammengearbeit.
Und daß Elvis vor Veröffentlichung keine Aufnahmen seiner Kollegen zu Gehör bekommen kann, ist doch auch ein bißchen weltfremd. Ja gut, er hätte es ja auf Band aufnehmen und als Bootleg veröffentlichen können.
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Ich habe noch nie mit einer Plattenfirma zusammengearbeitet (höchstens indirekt), denn ich bin doch gar nicht in der Tonträgerindustrie tätig, sondern im Veranstaltungssegment. Und da habe sowohl mit Künstlern zu tun, die bei Majors sind, als auch mit solchen, die bei kleinen Labels sind, außerdem kenne ich jede Menge Leute aus der Ecke. Daher sind mir beide Varianten durchaus geläufig. Auf jeden Fall feiern die Majors am ausschweifendsten. (Zumindest zu der Zeit, als sie noch Grund dafür hatten.) Ein Bekannter von mir, der lange Jahre Vertreibschef bei der EMI war und mit so Leuten wie Tina Turner und Paul McCartney privat befreundet ist, erzählte mir von Partys, die mehr kosteten, als ein durchschnittliches Independant-Label im Jahr umsetzt, und die meistens mit einem Polizeieinsatz endeten. Insofern hast Du Recht, die Dimension macht den Unterschied.Ob Majo Label oder kleines Hinterhoflabel. Der Unterschied liegt doch auch nur in den Dimensionen des Feierns. Aber wahrscheinlich hast Du mit einem Major Label noch nicht zusammengearbeit.
Doch wie auch immer, gefeiert werden nur Erfolge, auch bei den Kleinen, denn beim Misserfolg gibt's kein Budget dafür. Jeder, der eine Platte auf den Markt bringt - egal ob Major oder Independant - will, dass sie gekauft wird, und zwar von möglichst vielen Leuten. Ich habe noch nie einen Künstler sagen hören: "Geil, von meinem letzten Album wurden nur 17 Exemplare verkauft, zwei davon von meiner Mutter!"
Nein, es ist absolut realistisch. Sowas kommt nur vor, wenn Künstler eng miteinander befreundet sind, dann spielen sie sich vielleicht gegenseitig ihre neuesten Ideen und Entwürfe vor.Und daß Elvis vor Veröffentlichung keine Aufnahmen seiner Kollegen zu Gehör bekommen kann, ist doch auch ein bißchen weltfremd.
Soweit ich jedoch weiß, hatte Elvis gar keine engen Freunde in der Branche und hing nicht mit anderen Stars im Studio ab, so wie z.B. Gram Parsons mit den Rolling Stones. Elvis hatte ja noch nicht einmal Interesse an Kooperationen oder Duetten. Er war in der Branche völlig isoliert. Rider würde jetzt sicher sagen: Elvis schmorte im eigenen Saft, das war nicht gut für ihn.
Die einzige Möglichkeit, wie Elvis einen Song von Dolly Parton vor der Veröffentlichung hätte hören können, wäre gewesen, wenn Dolly ihm den Song höchstpersönlich vorgespielt hat. Alles andere ist völlig ausgeschlossen. Und wenn ich hier sage, völlig ausgeschlossen, dann meine ich auch völlig ausgeschlossen.
Das ist nicht der Punkt. Auch wenn Du es ins Lächerliche ziehst: Das Produktionsgeheimnis wird in der Showbranche in etwa so hoch gehalten wie das Beichtgeheimnis im Vatikan. Das wird Dir jeder bestätigen, der sich damit auskennt.Ja gut, er hätte es ja auf Band aufnehmen und als Bootleg veröffentlichen können.
- Jim Knopf
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Mag sein, dass das in der Kreisliga anders gehandhabt wird.Naja, das habe ich schon anders gehört.
Aber wir reden hier von Elvis Presley, das ist schon ein anderes Kaliber! Und von Dolly Parton - nebenbei bemerkt, die reichste Frau der Geschichte der Popmusik. Das ist sie bestimmt nicht geworden, weil Hinz und Kunz mit ihren unveröffentlichten Produktionen hausieren gegangen ist. Hinter ihrer blonden Mähne und den Riesenmöpsen steckt eine knallharte, berechnende Geschäftsfrau, darauf kannst Du einen lassen! Die war die erste Frau, die es der Männerdomäne in Nashville so richtig gezeigt hat und die Jungs ordentlich nassgemacht hat, mit eigenem Musikverlag, eigenem Studio und eigener Produktionsfirma. Seit über 20 Jahren auch mit eigenem Themenpark.
Eins glaube ich ihr: Die hätte sich von Colonel Parker niemals über'n Tisch ziehen und Anteile an einem Mega-Hit abschwatzen lassen. Du kannst Dir aber genauso sicher sein, dass Parker niemals so blöd gewesen wäre, es auch nur zu versuchen.
- Jim Knopf
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Hat sie ja auch nicht.Eins glaube ich ihr: Die hätte sich von Colonel Parker niemals über'n Tisch ziehen und Anteile an einem Mega-Hit abschwatzen lassen.
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kein problem...kannst es uns dann im september beim hbt erklären...
Ich meinte es so: Elvis hat trotz dem Abdrück-Praxis aufgenommen, was er wollte, wenn er es wollte. Ggf. hat er verzichtet (s. Suspicious Minds). Schwerwiegender allerdings war die Isolation, in der er sich befand. Wäre man einfacher an ihn heran gekommen, wäre mancheiner vielleicht auch viel eher bereit gewesen, Sachen zu liefern. Ständig bei Freaks vorsprechen zu müssen, von denen man weiß, dass sie keine Ahnung haben, einen aber übervorteilen wollen, ist natürlich etwas anderes. Wer hat nicht alles Songs für Elvis parat gehabt? Aber die liefert man natürlich nicht bei Gangstern wie Bienstock ab. An Elvis wiederum war allerdings nicht heranzukommen.
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Das trifft zwar alles zu, war aber bei anderen großen Stars genauso. Wer einen Song für Tom Jones, Engelbert, Dean Martin oder Frank Sinatra im Ärmel hatte, musste auch erst mal an deren Gorillas und Handlangern vorbei. Oder glaubst Du, die standen im Telefonbuch, oder bei denen konnte man einfach an der Tür klingeln und ihnen ein Demo in die Hand drücken?Wäre man einfacher an ihn heran gekommen, wäre mancheiner vielleicht auch viel eher bereit gewesen, Sachen zu liefern. Ständig bei Freaks vorsprechen zu müssen, von denen man weiß, dass sie keine Ahnung haben, einen aber übervorteilen wollen, ist natürlich etwas anderes. Wer hat nicht alles Songs für Elvis parat gehabt? Aber die liefert man natürlich nicht bei Gangstern wie Bienstock ab. An Elvis wiederum war allerdings nicht heranzukommen.
Ist selbst im Kleinen nicht anders: Schreib mal 'nen Ballermannschlager und versuch, ihn Jürgen Drews oder Olaf Henning oder Andrea Berg anzubieten. Zu 99% wird es Dir noch nicht einmal gelingen, dass sie das Teil überhaupt zu hören bekommen. Und wenn doch, wird ihnen einer der Interessenvertreter, von denen sie umgeben sind, den Song schon ausreden, um seinen eigenen zu platzieren. Ich weiß es aus bitterer Erfahrung aus der Zeit, wo ich für andere schreiben wollte. (Nicht bei den drei genannten Namen, die habe ich extra gewählt wegen der Unverfänglichkeit.) Meine Kompositionen wurden nur von den Künstlern aufgenommen, mit denen ich persönlich befreundet war. Bei allen anderen - keine Chance, die bekamen die Demos noch nicht mal zu Gesicht, geschweige denn zu Gehör. Und wenn das schon hier in unserer überschaubaren Schlagerfuzzi-Szene so läuft, dann kannst Du Dir ungefähr ausrechnen, was in der Liga von Elvis abgegangen ist.
Dann gibt es auch die andere Seite: Von den Künstlern, die ich kenne, weiß ich, dass sie mit Demos quasi zugeschissen werden. Selbst wenn sie wollten, könnten sie das alles gar nicht aufmerksam anhören, soviel Stunden hat der Tag nämlich nicht. Und jetzt rechne Dir mal aus, wie das bei Elvis erst gewesen wäre, für den sicher jeder gerne was geschrieben hätte. Unmöglich! Also erledigt das jemand anders, es MUSS eine Vorauswahl getätigt werden. Da fliegt dann das meiste ungehört in den Mülleimer, aus banalen Gründen, z.B. weil die CD-Hülle krakelig beschriftet ist. Man kann sich ungefähr ausmalen, wie viele große Hit-Chancen wohl schon jedem durch die Lappen gegangen sind.
Es ist nunmal so: Die einzige Chance, an einen großen Star heranzukommen, ist über die Plattenfirma, den Musikverlag oder das Management. Und die sieben zwangsweise aus - egal ob bei Elvis, Sinatra oder Hansi Hinterseer.
Eine aktuelle Geschichte: Tony Christie hörte im Radio "Cole's Corner" von Richard Hawley. Der Song gefiel ihm so gut, dass er ihn covern wollte. Dabei stellte sich heraus, dass Hawley den Song schon lange vorher Christie angeboten hatte, dieser aber gar nichts davon mitbekommen hat. Und Hawley ist schließlich nicht irgendein unbekannter Möchtegern-Songwriter. Trotzdem ist er noch nicht einmal zu Tony Christie durchgedrungen, der ja nun alles andere als ein streng abgeschirmter Top-Star wie Elvis ist.
Dann gibt es noch die schöne Geschichte von Kris Kristofferson, der etliche Kompositionen für Johnny Cash eingereicht hat, aber alles wurde abgeschmettert, bevor Johnny die Nummer überhaupt zu Gehör bekam. Eines Tages ist Kristofferson dann einfach mit dem Hubschrauber in Cashs Garten gelandet und hat dem verdutzten Mann "Sunday Morning Coming Down" in die Hand gedrückt - heute ein Klassiker. Doch erstens kann nicht jeder Hubschrauber fliegen, und zweitens wäre das bei Elvis lebensgefährlich gewesen, so locker wie da die Knarren saßen.
- Earth Boy
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Ok. Ich denke wir können festhalten, dass Du Deine Theorie genauso wenig belegen kannst, wie ich die meine. Beides kann stimmen. Beides kann an der Wahrheit vorbei gehen. Es ist sogar möglich, dass sich beide Thesen noch nicht einmal ausschließen, denn von Fall zu Fall können natürlich auch verschiedene Gründe ausschlaggebend gewesen sein.Daher denke ich nicht, dass die Abtretung das Problem war. Vielmehr glaube ich, dass die hippen Songwriter-Teams eher ein Image-Problem mit den Elvis-Filmen dieser Zeit hatten.