Was macht für euch in gutes Konzert aus?

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28.01.2026 18:55 - 28.01.2026 18:59 #986796 von Gypsy
Der Mix klingt ganz und gar nicht wie eine Studio Aufnahme. Vor allem nicht der vom 12. Januar, den er ebenfalls neu gemixt hat. Das ist die perfekte Kombination aus Detailreichtum und Konzertatmosphäre. Das hat er ebenfalls sehr eindrucksvoll bei den MSG Konzerten bewiesen. Deshalb verstehe ich nicht wie du darauf kommst, das er Live nicht kann? Liegt das vielleicht daran, dass er keine trockenen Mixe von Konzerten anfertigt, die du so sehr magst?
Ich würde eher sagen, dass sich hier die Mixer der Vergangenheit auf einem falschen Weg befanden. Also in Bezug auf die furztrockene TTWII Box oder die Memphis Legacy. 

Aber zu Aloha. Elvis befand sich nicht mehr in der Sun Ära. Schon sehr früh strebte er bei seinen Studio Aufnahmen nach Perfektion. Nicht umsonst hat er über 20 Takes von Hound Dog eingespielt. Probleme mit dem Song hatte er ganz sicher nicht, sondern er wollte die perfekte Aufnahme. 
Songs wie Surrender, Anything Its Part Of Me und noch viel andere sind absolut perfekt produzierte Nummern, an denen du nicht einen Makel findest. 
Dieses Streben nach Perfektion gilt jedoch nicht für Elvis in Nashville 1970 zum Beispiel.
Was ich damit sagen will, Elvis streben nach Perfektion war nicht grundsätzlich, sondern beschränkt auf bestimmte Produktionen.
Aloha war eine davon. Es ist das einzige Elvis Konzert das von der ersten bis zur letzten Minute perfekt gespielt ist. Eine großartige Leistung, wenn man bedenkt das das live war. Das gelang ihm nicht mal bei der Probe am 12. Januar. Vielleicht weil er es nicht für nötig hielt. Aber das ist ja das faszinierende an Elvis, wenn der wollte konnte der abliefern und zwar auf Knopfdruck.
Es stimmt, unter Musik Historikern und Kritikern hat Aloha einen hohen Stellenwert. Und das nicht nur, weil es die erste Satelliten Übertragung war. Sondern ganz grundsätzlich wegen der Performance.
Man braucht allerdings eine bestimmte Reife um diese Show genießen zu können und nicht als langweilig zu empfinden. Ich lese diese Beschreibung hier ziemlich oft. Kleine Kinder finden auch Pavarotti Konzerte langweilig, um das mal zuzuspitzen, wenn du weißt worauf ich hinaus will.
Aloha ist alles andere als langweilig. Es ist der reinste Genuss und Spannung pur, wenn man bereit ist den Zappel Elvis hinter sich zu lassen und sich diesem Format zu öffnen. 
Der erste Block bis My Way ist schon so interessant, das ich nicht eine Sekunde weg gucken kann. Elvis zieht eiinen da voll rein. Und das ganze ohne Bühnenakrobatik ala TTWII.
Die versteiften Posen mit dem vorgestellten Bein bei Gave Me A Mountain zum Beispiel, ohne das sich am Unterkörper irgendetwas bewegt, unterstrichen die Dramatik des Vortrags zusätzlich.
Viele werfen Elvis vor, er hätte keine Lust gehabt, sich mehr zu bewegen bei Aloha. Die Leute haben keine Ahnung. Elvis wusste genau was tat bzw tun musste, um das Bild von sich in die Welt zu transportieren, das er zu dieser Zeit haben wollte.
Letzte Änderung: 28.01.2026 18:59 von Gypsy.
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28.01.2026 18:55 #986797 von GerhardG
Ich möchte zu dem Thema gerne etwas ausholen. Denn ich finde es interessant, wie sich die Eindrücke über die Jahre geändert haben. Ich denke, die meisten, die hier im Forum schreiben, sind Langzeit-Elvis-Fans und hören vielleicht so wie ich seit der Kindheit oder spätestens seit der Jugend Elvis.
Mein erstes Elvis-Live-Erlebnis war die Aloha Show. Damals war ich nur gerade 5 Jahre alt und verstand nur, dass ich mochte, was ich sah und hörte.
In den ersten Jahren als Fan konnte ich mir nur die Low-Budget-Platten wie die von Camden leisten. Die erste «Live»-Platte war dementsprechend die K-Tel LP «Elvis The Ultimate Performances». Die habe ich als rund 8-Jähriger gekauft.
Damals wusste ich noch nichts von Elvis in der Army oder von seinem Comeback 1969. Ich dachte gar, dass ich die falsche Platte bekommen hatte, als das 2001-Thema anfing zu spielen. Der erste allgemeine Eindruck war aber sehr gut und ich hörte die Platte, bis sie praktisch komplett abgenutzt war.
Damals (Mitte der 80er-Jahre) gab es nur wenige komplette Live-Shows von Elvis. Da waren MSG, Aloha, Memphis 74 und... naja, Elvis In Concert, welches ja nicht wirklich ein komplettes Konzert ist, aber nah genug. Die ersten zwei Seiten sind ja fast ein komplettes Konzert. Mehr offizielle Live-Platten gab es meines Wissens nicht. Es war eher selten, dass man Elvis Liveaufnahmen im Fernsehen zu sehen bekam. Meistens wurde die Aloha Show an Neujahr gesendet. Ich sah TTWII und EOT erst gegen Ende der 80er. Meine Eindrücke waren daher meist rein akustisch und nicht so sehr visuell.
Etwas, das vermutlich die meisten auch so erleben/erlebten, ist das «Erste-Mal»-Gefühl beim Hören. Das war für mich immer ein Highlight, egal ob Aloha oder Elvis in Concert. Sogar bei den Film-Soundtracks hatte ich dieses «First-Time»-Gefühl, auch bei Liedern, die ich heute nicht mehr hören kann, wie z.B. «He's Your Uncle Not Your Dad» oder «Yoga Is as Yoga Does».
Bei Elvis in Person (1969) dachte ich lange Zeit, als ich die Platte in den Läden sah, dass es sich um eine übliche Kompilation von Studioaufnahmen (Blue Suede Shoes, Can't Help Falling In Love usw.) handelte. Eher zufällig hörte ich das Album zum ersten Mal bei einem damaligen Freund und wurde gleich ekstatisch beim Zuhören. Seither bin ich eingefleischter 1969er-Fan. 
Mein erstes «Import»-Live-Album-Erlebnis war «Elvis Back in Portland». Erstmal eine Enttäuschung – ich wusste damals nicht, dass es so etwas wie Amateuraufnahmen von Elvis-Shows gab. Konnte aber mit etwas akustischem Improvisieren einiges aus der Platte herausholen. So spielte ich die Platte über die Lautsprecher und mit Kopfhörer gleichzeitig eingeschaltet. Es verbesserte die Akustik der Aufnahmen wesentlich. Auf der Platte hörte ich viele Lieder zum ersten Mal als Live-Version, z.B. «I'm Leaving», «Help Me Make It Through The Night» uvm.
Das war Anfang der 90er. In dieser Zeit wurde das Sammeln von «Import»-Platten zur Obsession. Die ersten Alternate Takes und Undubbed-Aufnahmen zu hören war eine völlig neue Erfahrung.
Beim Zuhören von Elvis-Platten verlor ich mich meistens beim Blättern in diesem Buch www.amazon.com/Elvis-Catalog-Lee-Cotten/dp/0385237057 und träumte davon, irgendwann alle Elvis-Konzerte zu haben. 
Rund 2002/03 war ich bei der Elvis-«Live»-Show mit der TCB Band; einige der Sweet Inspirations usw. waren auch da. Es ist wohl das Eindrücklichste, was ich im Zusammenhang mit Elvis erlebt habe.
Dies auch zum Thema Konzertdauer: Diese Show dauerte rund eine Stunde. Es wirkte auf mich nicht zu kurz, denn jede Minute der Show war extrem beeindruckend für mich. Ich konnte so vielleicht etwas erahnen, wie eine wirkliche Elvis-Live-Show war. Es ist halt schon etwas ganz anderes, in der Halle mit vielen Menschen, Live-Musik – und es wurde vor der Show lauthals «Elvis Super Souvenirs» angepriesen.
Die grosse Änderung kam mit YouTube. Heute ist so viel Elvis-«Material» online verfügbar, dass es selbst mich manchmal erschlägt. Zum Teil ist es nicht ganz einfach, Schritt zu halten mit allem, was schon veröffentlicht wurde, ob offiziell oder inoffiziell. Man kann einfach zu jeder Epoche etwas finden, und wie vermutlich die meisten ertappe ich mich selbst immer wieder beim Rosinenpicken. Aber die Faszination bleibt für mich ungebrochen. Bei der 1969er-Live-Box höre ich immer mal wieder etwas, das mir vorher nie aufgefallen ist, und komme beim Zuhören immer mal wieder in so richtige Ekstase.
Am liebsten mag ich das Gefühl, dass Elvis alles gibt, seine ganze Energie und Emotionen in ein Lied steckt. Was ich heute nicht so mag, ist, wenn Elvis sich durch Lieder durchlacht. Da gibt es leider einige Aufnahmen von Februar '70 wie «Kentucky Rain», wo Elvis irgendwie komplett die Fassung verliert. Ausnahme natürlich «Are You Lonesome Tonight» von '69. Ich glaube, Elvis ist vermutlich der einzige Musiker, von dem jemals eine «Lachversion» eines Liedes als Single herausgegeben wurde.
Eines ist sicher ich werde nie müde Elvis zu hören 

She laughed when I told her, "Take care, take care or you'll share in his midnight ride".
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29.01.2026 08:18 - 29.01.2026 08:21 #986799 von Rider

Der Mix klingt ganz und gar nicht wie eine Studio Aufnahme.
Das habe ich auch nicht behauptet. Ich habe gesagt, dass er sehr gut ist, was das Mixen von Studioaufnahmen betrifft (s. From Elvis in Nashville, Back in Nashville, MEMPHIS, Sunset Boulevard). Darin ist er top. Die Mixe klingen wie gestern aufgenommen. Okay, bei den 69er MEMPHIS-Sachen ist einiges daneben gegangen, aber die ersten beiden Discs von Sunset Bouelvard sind m. E. hervorragend. Und dieses Talent hat er mitgebracht zu "Aloha". Er hat es gemischt wie es dem Anlass angemessen ist, nämlich wie eine Live-Session vor Publikum; Das, was du zurecht "Detailreichtum" nennst. Es ist eben nicht die Abmischung wie für ein High-Speed Tour-Konzert wie beispielsweise die On Tour-Konzerte, die für meine Begriffe sehr viel "schludriger" sind, was den Aufnahmen aber auch nicht unbedingt abträglich ist. 

Vor allem nicht der vom 12. Januar, den er ebenfalls neu gemixt hat. Das ist die perfekte Kombination aus Detailreichtum und Konzertatmosphäre. Das hat er ebenfalls sehr eindrucksvoll bei den MSG Konzerten bewiesen. Deshalb verstehe ich nicht wie du darauf kommst, das er Live nicht kann? Liegt das vielleicht daran, dass er keine trockenen Mixe von Konzerten anfertigt, die du so sehr magst?

Ich habe nie behauptet, dass ich trockene Live-Mixe mag. Woher stammt das? Ich habe lediglich gesagt, dass Old Times They Are not Forgotten zuviel des Guten ist, und das man es m. E. so nicht macht. 

Ich würde eher sagen, dass sich hier die Mixer der Vergangenheit auf einem falschen Weg befanden. Also in Bezug auf die furztrockene TTWII Box oder die Memphis Legacy. 

Die Legacy Edition ist in der Tat sehr trocken, das habe ich gestern auch noch einmal festgestellt. Da könnte man sicher davon sprechen, dass es ein klein wenig Reverb hätte sein dürfen. Sie gefällt mir trotzdem besser als die matschige MEMPHIS-Version, bei der das Schlagzeug kaum zu hören ist und das Orchester einen km entfernt ist. 

Aber zu Aloha. Elvis befand sich nicht mehr in der Sun Ära. Schon sehr früh strebte er bei seinen Studio Aufnahmen nach Perfektion. Nicht umsonst hat er über 20 Takes von Hound Dog eingespielt.

Wow, hast du die Aunahmen? Oder woher weißt du, dass es nicht zehn false starts waren, er sich 5 mal kaputt gelacht und Scotty sich zweimal verhaspelt hat bei seinem Solo? 

Probleme mit dem Song hatte er ganz sicher nicht, sondern er wollte die perfekte Aufnahme. 

Elvis mag vielleicht die perfekte Aufnahme gesucht haben, aber das bedeutete praktisch nie, dass sie perfekt im landläufigen Sinne sein musste, sondern dem entsprechen musste, was er im Kopf hatte.

Songs wie Surrender, Anything Its Part Of Me und noch viel andere sind absolut perfekt produzierte Nummern, an denen du nicht einen Makel findest. 

Mag sein, es gibt aber auch hunderte Aufnahmen, die Fehler enthalten. 

Es ist das einzige Elvis Konzert das von der ersten bis zur letzten Minute perfekt gespielt ist. Eine großartige Leistung, wenn man bedenkt das das live war.

Absolut. Vor dem Hintergrund des Drucks war das beeindruckend. Es gab allerdings auch ein paar Cue cards, die ihm gezeigt wurden, weil er Burning Love, My Way und selbst Lonesome I Could Cry nicht auf die Kette bekam.  Das entfiel halt bei anderen Konzerten. 

Man braucht allerdings eine bestimmte Reife um diese Show genießen zu können und nicht als langweilig zu empfinden.

Oh dann habe ich die wohl mit 50 noch nicht. 

Ich lese diese Beschreibung hier ziemlich oft. Kleine Kinder finden auch Pavarotti Konzerte langweilig, um das mal zuzuspitzen, wenn du weißt worauf ich hinaus will.

Kommt auf die Kinder an.

Aloha ist alles andere als langweilig. Es ist der reinste Genuss und Spannung pur, wenn man bereit ist den Zappel Elvis hinter sich zu lassen und sich diesem Format zu öffnen. 

Okay, dann weiß ich ab jetzt, wie ich das zu verstehen habe.

Der erste Block bis My Way ist schon so interessant, das ich nicht eine Sekunde weg gucken kann. Elvis zieht eiinen da voll rein. Und das ganze ohne Bühnenakrobatik ala TTWII.
Die versteiften Posen mit dem vorgestellten Bein bei Gave Me A Mountain zum Beispiel, ohne das sich am Unterkörper irgendetwas bewegt, unterstrichen die Dramatik des Vortrags zusätzlich.

Hmmmh, okay... Du meinst, weil sich nichts rührt, merkt man, wie dynamisch das Ganze ist? Ja, kann man so sehen. Kann man auch lassen. Elvis hat den Körper in die Musik gebracht, so wie Bob Dylan den Kopf, habe ich mal gelesen. Die Elvis Show ist nun einmal eine sehr körperbetonte (übrigens auch wieder nach Aloha). Und bei Fever sieht man es ja auch, wie das Publikum das goutiert. Elvis ist schon Bewegung, und die fehlte hier halt nahezu komplett. Ich bin übrigens auch der Meinung, dass das Methode hatte. Muss es mir gefallen? Nein.

Viele werfen Elvis vor, er hätte keine Lust gehabt, sich mehr zu bewegen bei Aloha. Die Leute haben keine Ahnung.

Genau! 

Elvis wusste genau was tat bzw tun musste

Richtig! Weißt du auch noch von anderen Gelegenheiten, wo er das wusste, und wo nicht? 
Letzte Änderung: 29.01.2026 08:21 von Rider.

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29.01.2026 08:39 - 29.01.2026 09:35 #986800 von Gypsy
Das mit der geistigen Reife hat nicht unbedingt etwas mit dem Alter zu tun. Es gibt Menschen die erlangen sie nie. Andere schon recht früh im Leben. Deshalb war mein Beispiel mit den kleinen Kindern vielleicht etwas irreführend.
Da du das persönlich aufgefasst hast, mache ich mir die Mühe und erkläre dir das gerne am Beispiel von Aloha, wie das bei mir war. Als Jugendlicher fand ich das Konzert ziemlich langweilig, einfach zu wenig Aktion. Es hat mich nicht abgeholt. 
Mit Mitte 30 konnte ich mir die Show angucken, ohne zu denken boa ist das langweilig. Elvis holte mich definitiv ab mit seiner Performance. 
Heute mit fast 50 ist das noch mal ein ganzes Stück ausgeprägter. Mittlerweile liebe ich die Show. Obwohl ich das Konzert nun schon sehr oft gesehen habe, ist die Spannung und Intensität mit der ich es schaue auf einem ganz anderen Level als damals als Jugendlicher. Der Grund dafür ist recht simpel. Man nimmt Dinge ab einem gewissen Alter einfach anders wahr. Weil das Leben ein Lernprozess ist und die Sicht auf die Dinge verändert.
Aber ich möchte dir nicht unterstellen, das du mit 50 nicht auch diese Reife erlangt hast. Du könntest dir wahrscheinlich auch kein Pavarotti Konzert in voller Länge und mit Genuss anschauen. Ich schon. Was sich aber mit dem Geschmack Argument erklären lässt und völlig okay ist.

Zurück zum Eigentlichen.
Die On Tour Konzerte sind eine Enttäuschung. Das sind aber auch die einzigen Mixe von ihm, die mir nicht gefallen.
Es hat wohl stark damit zu tun, dass er die 16 Spurbänder nicht zur Verfügung hatte und sich mit 8 Spuren begnügen musste. 

Der Rest vom Post sei geschenkt, geh ich nicht weiter drauf ein, sonst verstricken wir uns hier im Kleinklein. Das führt nur zu den altbekannten, leidlichen Diskussionen, für die ich hier nicht zu haben bin.
Jeder hat seine Meinung kundgetan und damit ist gut.✌️
Letzte Änderung: 29.01.2026 09:35 von Gypsy.

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02.02.2026 23:10 - 02.02.2026 23:13 #986895 von Rider
Nachdem mein Elvis-Freund etp und ich uns 2024 auf die  1974 Concert Experience  eingelassen und das Ganze auch mehr oder weniger in 2025 mit den Konzerten aus 1975  durchgezogen haben, stellt uns das Jahr 2026 nun vor einige Herausforderungen. Zum einen wird es 2026 bedeutend schwieriger, sich wirklich mit Freude und Ausdauer den Konzerten des Jahres 1976 zu widmen. Sie sind, wie auch hier zuletzt besprochen, nicht immer ganz unproblematisch. Ich für meinen Teil bin das Ganze in abgespeckter Form 2023 mal angegangen, als ich viel gependelt bin und die Zeit hatte, mich ganzen Konzerten zu widmen, die ich anderfalls vielleicht nicht angehört hätte. Mein Fazit fiel damals gar nicht mal so schlecht aus, was 1976 betrifft, aber das ist bzw. war ein anderes Thema.

Die andere Sache ist die, dass wir uns nicht mehr so drastisch wie 2024 einer einzigen Sache verschreiben wollten. Dieses Vorhaben war zwar super spannend und erhellend, hatte aber schon stark autistische Züge. 2024 brauchte ich dieses "Gerüst", weil es mich durch ein sehr herausfordernes Jahr begleitet hat und so etwas wie eine Struktur vermittelt hat. Inzwischen sind es aber andere Zeiten und wir suchten zuletzt nach einem weniger zwanghaften Projekt. etp nennt es "The Elvis Diaries". Sinn ist es, quer durch den Katalog mal wieder Dinge zu finden, die man lange vernachlässigt hat und die es wert sind, wiederentdeckt zu werden (auch und speziell nach dem oben beschriebenen Erfahrungen).

Also bekam ich von ihm zuletzt die Aufgabe, ein Album auszusuchen und anzuhören, das ich zehn Jahre nicht mehr angehört habe. Jetzt ist das relativ schwierig, weil wie 2020 zu Pandemie-Zeiten unsere erste Challege, "The Album Challenge", hatten, bei der wir an jedem Tag des Lockdowns ab März 2020 ein Original-Album anhand der 2016er Album Collection durchgehört und besprochen haben. Die Original-Alben habe ich also alle vor weniger als zehn Jahren gehört.

Also habe ich mich an meine Bootleg-Sammlung gemacht und sie durchgesehen. Dabei ist mir die Scheibe Lean, Mean and Kickin' Butt aufgefallen, die ich in der Tat seit deutlich mehr als zehn Jahren nicht mehr gehört habe, eher 20. Ich wollte sie gerade einlegen, da fiel mir ein, dass ich irgendwann das 3-CD-Set Las Vegas '71 für einen relativ schmalen Euro gekauft hatte. Also dachte ich mir, bevor ich etwas höre, das ich mehr als zehn Jahre nicht gehört habe, höre ich lieber etwas, das ich noch nie gehört habe. Mir fiel dann relativ schnell auf, dass die erste Show vom 27.02.1971 M/S die All Things Are Possible ist, die ich aber auch mindestens 20 Jahre nicht gehört hatte. 

Warum erzähle ich das alles in diesem Thread? Weil es weiterhin um die Frage geht, das ein gutes Konzert für mich ausmacht. Und - um die Sache abzukürzen: Das hier macht es nicht. Es ist verrückt, hier haben wir Elvis immer noch am Anfang seiner 70er Live-Karriere, er hat ein paar Konzerte im Herbst und November 1970 gespielt, davor produzierte sein "Summer Festival" im August 1970 den großartigen Film That's The Way It Is, der ja nun auch zuletzt wieder für Furore gesorgt hat und es in zwei Wochen vermutlich weiterhin tun wird. 

Aber das hier ist Elvis nach TTWII. Und das Feuer ist irgendwie raus, kann das sein? Dieses Konzert hat mich absolut nicht abgeholt, ähnlich wie zuletzt "Aloha" bzw. das folgende Januar/Februar-Engagement 1973. Es ist alles gegeben, Elvis immer noch in der physischen Form seines Lebens und bei Stimme - aber das Konzert macht irgendwie keinen Spaß. Er nagelt Song an Song, versemmelt aber How Great Thou Art und das wieder einmal unerträglich falsch gesungene Something, das so langsam zu meinem absoluten Hass-Song wird (s. oben die Aloha-Version). The Wonder of You verhaut er ebenfalls, und aann sind da so Schunkel-Songs wie Only Believe dabei :sick: Am besten kommen hier imm noch die Oldies. 

Was will ich sagen? Physische Form, Präsenz und Stimme machen es nicht alleine. Zum einen spielt das Programm natürlich einen nicht ungewichtigen Teil. Zum anderen, und das scheint mir bedeutend wichtiger, der Kontakt und die Interaktion mit dem Publikum. Das ist hier so gar nicht gegeben. Und da muss ich echt sagen: Gib mir jedes 74er Konzert stattdessen, auch 1975 und teilweise sogar 1976. Da läuft es einfach, die Show hat ihre perfekte Zusammenstellung erfahren, der Mann performt und ist mit Laune bei der Sache, und das Publikum kommt nicht zu kurz. Meine Entdeckung des Jahres 2024 war definitiv das Tahoe-Engagement im Mai 1974, das ist für mich Peak-Elvis. Aus der Zeit käme definitiv mind. eins, wenn nicht sogar mehrere Konzerte in meinen Top 10. 
Letzte Änderung: 02.02.2026 23:13 von Rider.
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03.02.2026 08:49 #986901 von Harty
Das Thema hat wirklich was. Je mehr ich darüber nachdenke und auch schreibe, man sollte nicht in die Konzert Falle laufen. Wir betrachten die Kozerte aus der SIcht von heute. Diese Shows sind über 50 Jahre alt. Wir vergleichen unterschiedliche Jahre, den technischen Aspekt lasse ich mal weg. Die Frage für mich ist eher, mit welcher Erwartung ging der damilige Fan in die Shows der Gegenwart? Etliche Fans kannten TTWII und On tour aus dem Kino. Ansonsten gab es das Live Album von 1969/1970 und die späteren Livemitschnitte MSG, Aloha und Memphis 1974. Wir hingegen suhlen uns durch zig Imports und FTDs um dann zu entscheiden was macht ein gutes Elvis Konzert aus. Die Konzerte sind auch dem Zeitgeist geschuldet. Die Leute gingen damals in die Konzerte um die Legende zu sehen, seine Oldies hören oder einfach nur um Elvis zu sehen. "Oh er ist es wirklich". Für mein Empfinden hat Elvis in dem Zeitraum 1970 - 1977 einfach zu viele Konzerte gemacht, dadurch entsteht automatisch ein Qualitätsverlust. Bei der Vielzahl der Shows kann niemand immer Top Qualtiät abliefern. Die Ausgangsfrage muss daher in der Antwort gerade bei Elvis unterschiedliche Faktoren berücksichtigen. Das "On stage" Album hat ist ein Zusammenschnitt der Januar/Februar Shows von 1970. Vielleicht auch nur der Februar. Egal. Ich dachte damals ursprünglich es ist ein Konzert ;-). RCA hat Aloha, MSG und Memphis 1974 mitgeschnitten. Elvis wusste es und ich denke man merkt schon seine Konzentration bei den Aufnahmen. Daher denke ich , dass ein Konzert welches als Release geplant ist nochmals einen Unterschied macht. Bis heute hat für mich das Memphis 74 Konzert einen fast perfekten Flow. Rider hat es genannt. Die Setlist, der Flow ist sehr entscheidend und natürlich, damit bin ich wieder am Anfang, mit welcher Erwartung oder mit welchem Gemütszustand ist der Fan in das Konzert gegangen ? Wir dürfen nicht vergessen , die damaligen Konzertbesuchter haben Elvis schon in den 50ern erlebt. Da schwingt auch Nostalgie mit. Der Hero aus den 50ern ist immer noch da. 

Ich bin mir nicht sicher, ob damals ein beispielsweise ein Konzert in Deutschland funktioniert hätte. Gut , wir haben gelernt Bad Nauheim steht auf einer Liste mit Las Vegas ;-)...Im Ernst: Elvis hatte in den 70ern überhaupt keine Charterfolge mehr in Deutschland. In den USA sind die weiblichen Teenager bei den 70er Elvis Konzerten in den 30er gewesen, es mag auch ältere gegeben haben. Das Higjtlight war doch eigentlich einen Schal von Elvis zu ergattern. Ich kann mich irren , aber ein Konzert in Deutschland wäre wesentlich gesitterter in den 70ern abgelaufen. Die Teenies sind damals bei den Rollers, Smokie etc ausgerastet. Aloha war damals ein Trick Elvis weltweit in Form von Live/Aufzeichnung in die Wohnzimmer zu bringen. Dementsprechend agiert Elvis auf der Bühne. Er lässt sich beispielsweise nicht rückwärts auf die Bühne fallen :-). Das ist die Interaktion die Rider angesprochen hat. Besonders bei den On tour Aufnahmen war Elvis auf dem Peak. Das gehört zu einem Konzerterlebnis dazu, das siehsf du aber nicht auf dem Audio. Ganz wichtig: mit welcher Energie, Lust und Verfassung absolviert der Künstler seine Show. Geht es ihm gut, hat er richtig Bock ? Elvis war auch nur ein Mensch. Elvis hat bei seinen über 1100 Shows !! mindestens 80% geliefert. Da kommt keiner ran ! 
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03.02.2026 08:55 - 03.02.2026 08:56 #986902 von Rider

Die On Tour Konzerte sind eine Enttäuschung. Das sind aber auch die einzigen Mixe von ihm, die mir nicht gefallen.
Es hat wohl stark damit zu tun, dass er die 16 Spurbänder nicht zur Verfügung hatte und sich mit 8 Spuren begnügen musste. 


 
Sehr interessant. Woher stammt diese Info und was steckte dahinter, dass nur 8-Spur-Bänder zur verfügung standen. Das würde natürlich manches erklären. 

Edit: Sorry, Harty, jetzt bin ich dir mit meiner Frage hier voll in dein sehr lesenswertes Posting gegrätscht. Da hatte sich was überschnitten.
Letzte Änderung: 03.02.2026 08:56 von Rider.

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03.02.2026 10:30 - 03.02.2026 10:31 #986903 von Gypsy
@Rider das wurde hier damals im Rahmen der Veröffentlichung ausgiebig diskutiert. 
Die 16 Spurbänder sind im Besitz von Warner. Sony hat nur eine Copy davon, die auf 8 Spuren komprimiert ist. Woher die Info stammt, kann ich nicht genau sagen. Vermutlich äußerte sich MRS der sie gemixt hat diesbezüglich. 
Am besten mal Mike fragen. Der war damals als wir darüber diskutiert haben mit dabei. Und weiß solche Dinge immer noch am besten.
Letzte Änderung: 03.02.2026 10:31 von Gypsy.

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03.02.2026 10:31 #986904 von Taniolo
Vielen Dank für eure sehr interessanten Beiträge. Insbesondere die Gedanken mein lieben Elvis-Freundes Rider regen mich immer wieder dazu an, mich selbst zu hinterfragen. Ich stelle nämlich dann und wann für mich fest, dass ich immer mal wieder bestimmte Sachen weniger kritisch hinterfragt habe. (Die besprochenen 1971er Concerts aus dem Winter Engagement sind ein gutes Beispiel.)
Das ist in erster Linie noch nicht einmal Selbstkritik an der ursprünglichen eigenen Einstellung zu diesen Konzerten. Aber ich stelle eben fest, dass ich manches im ersten Anlauf nur sehr dankbar (und wenig kritisch) entgegen genommen habe. Das ist keine neue Erkenntnis, und diese Erkenntnis ist auch nicht verwerflich. Die Zeit des unkritischen Genusses gehört genau so dazu wie jene, in denen man u.a. die Qualität der Performance oder den Unterhaltungswert einer Show hinterfragt.
In jedem Fall aber ist es interessant und schön, eure Gedanken und Ideen dazu zu lesen.
Obendrein sind diese Unterhaltungen immer wieder ein Ansporn, bestimmte Aufnahmen wieder einmal zu hören und dabei vielleicht auch das "kritische Ohr" einzuschalten.
Harty brachte auch den Aspekt "Zeitgeist" ins Spiel und die ganz unterschiedliche Erwartungshaltung der einzelnen Fans ins Spiel. Dazu nicht ganz unpassend sollte man immer auch die Position betrachten, die der Künstler, hier natürlich Elvis Presley, damals einnahm. Im Gegensatz zu Alt ha stand er im Januar / Februar 1971 nicht mit dem Gedanken auf der Bühne, dass er hier etwas für die "Ewigkeit" schafft. In Vegas '71 kreierte er den Augenblick, lebte und sang er für den Moment, unterhielt sein Publikum mit dem, was er für diesen Augenblick als passend empfand, mit Sicherheit ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, ob über 50 Jahre später jemand noch einmal in so eine Tonkonserve hinein hört - oder sich im schlimmsten Fall ein paar abgedrehte Freaks in einem abgelegenen Forum sogar noch darüber unterhalten und die Details diskutieren.
Diese Feststellung ist aus meiner Sicht keineswegs damit gleichzusetzen, dass man eventuell den jeweiligen Auftritt weniger kritisch hinterfragen darf (oder sollte). Immerhin spräche nichts dagegen, wenn der Meister auch im Winter 1971 die gleiche Ernsthaftigkeit und akribische Besessenheit an den Tag gelegt hätte wie 1970 zu den TTWII Aufnahmen oder 1973 zu Aloha, um nur zwei Beispiele zu nennen.

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03.02.2026 10:37 #986905 von Taniolo

@Rider das wurde hier damals im Rahmen der Veröffentlichung ausgiebig diskutiert. 
Die 16 Spurbänder sind im Besitz von Warner. Sony hat nur eine Copy davon, die auf 8 Spuren komprimiert ist. Woher die Info stammt, kann ich nicht genau sagen. Vermutlich äußerte sich MRS der sie gemixt hat diesbezüglich. 
Am besten mal Mike fragen. Der war damals als wir darüber diskutiert haben mit dabei. Und weiß solche Dinge immer noch am besten.

Dass hier so etwas diskutiert wurde, bedeutet jetzt aber nicht, dass es auch wahr ist - zumindest so, wie du es hier darstellst.
Ich habe da zu wenig Detailwissen, um einen belastbaren Beweis zu erbringen, aber eine - wie du es beschreibst - Runter-Komprimierung von 16 auf 8 Spuren halte ich nicht nur für unüblich sondern auch noch für viel zu klein kompliziert. Das ist technisch mit der entsprechenden Verkabelung vielleicht noch möglich, aber zumindest in meinen Augen völliger Unsinn.

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