"Aloha" + "68 Comeback" als Einzel-DVD

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06.10.2006 01:07 #518266 von User gelöscht
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Jepp, ich sage ja, vieles was man 1977 so bestürzt feststellte, nämlich das er Texte nicht kann oder vergaß, war schon viel früher so. Schon 1970 als er einen Zettel für "I Just Cant Help Belivin" mit auf die Bühne nahm. Was ich auch nicht schlimm finde, er hat das eben locker genommen und in seine Show integriert. Drum hat man das gar nicht so ernst genommen denke ich.

Witzig daran finde ich, dass er, kurz nachdem er das Textblatt wegwarf, den Text richtig fein versemmelte.

Es überrascht aber schon wie er Texte vergessen kann, wie Burning Love, die er schon hunderte Mal sang.

Ich glaube, bei "Burning love" war der Grund für sein Textvergessen eher seine latente Abneigung gegen den Song.

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06.10.2006 01:39 #518277 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf "Aloha" + "68 Comeback" als Einzel-DVD
Da hier wieder die Frage aufkam, ob Elvis bei Aloha das Repertoire unter dem Aspekt ausgewählt hat, seine Einsamkeit der Welt mitzuteilen oder - wie Marco74 es so fein ironisch ausgedrückt hat - ein "Signal an Priscilla" senden wollte, habe ich mich mit der Frage gerade einmal ausgiebig beschäftigt.

Wer weiter daran glauben will, sollte ab hier nicht mehr weiter lesen - ich will keine lieb gewordenen Illusionen zerstören. Allen anderen habe ich eine etwas andere Sichtweise anzubieten.

Zwei zentrale Fragen habe ich mir gestellt: Wie sah Elvis sich 1973? Was bedeutete ihm Aloha in dem Zusammenhang?

1973 sah Elvis sich keineswegs mehr nur als "King of Rock'n'Roll", sondern als einen vielseitigen, musikalisch gereiften Entertainer. Eigentlich hätte er sich immer schon gerne so gesehen, aber spätestens 1973 muss er der Überzeugung gewesen sein, dieses Ziel erreicht zu haben. Seine ganzen Shows ab 1970 waren entsprechend aufgebaut.

Aloha war für ihn die Gelegenheit, das quasi der ganzen Welt zu beweisen. Es sollte keine Rock-Show werden, sondern "pure entertainment, no messages", wie er selbst noch im zugedröhnten Kopp bei der Pressekonferenz verlauten ließ. (Wenn man ihn beim Wort nimmt, dann müsste "no messages" sich auch auf Priscilla beziehen. Aber gut, das ist Haarspalterei.)

Er wollte eine möglichst große Zuschauerschaft erreichen - Menschen verschiedenster Altersstufen, verschiedenster Kulturen, verschiedenster Musikgeschmäcker. Und das Repertoire von Aloha - wenn man es mal unter diesem Aspekt analysiert - beweist, dass er genau DAS im Sinn hatte: Es war für jeden was dabei!

Elvis war ein Top-Profi, er wollte mit dieser Show mit Sicherheit etwas mehr erreichen als nur ein paar versteckte Andeutungen auf seine innere Leere (falls man das überhaupt so sagen kann, denn wir wissen es nicht wirklich) in die weite Welt zu schicken.

Wer sagt, die Setlist habe kein Konzept, der irrt: Genau DAS war das Konzept - von allem etwas für jeden:

- ein paar alte Hits (Hound dog, Blue suede shoes, Love me, Big hunk)
- ein paar neuere Hits (Suspicious minds, Burning love)
- ein paar R&R-Klassiker (Johnny B. Goode, Whole lotta shakin')
- einen Blues (Steamroller)
- etwas typisch europäisches Richtung Chanson (What now my love)
- die Beatles (Something)
- Sinatra (My way)
- einen Country-Klassiker des großen Hank Williams (I'm so lonesome I could cry)
- ein Klassiker von Don Gibson (I can't stop loving you)
- ein Crooner-Klassiker a la Dean Martin (Welcome to my world)
- etwas amerikanisch-patriotisches (Trilogy)
- imposante Balladen mit Orchestergewitter (You gave me a mountain, It's over)
- einen Song mit Bezug zum karitativen Zweck der Show (I'll remember you)
- etwas harmlos-erotisches (Fever)
- und das alles umrahmt von den typischen Insignien der Elvis-Show (See See Rider, Can't help falling in love)

Nur eins fehlt, was für Elvis eigentlich sehr wichtig gewesen wäre: Gospel
Auch dafür mag es einen Grund gegeben haben: "No messages" - also auch keine religiösen.

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06.10.2006 03:01 #518285 von Wisdomy
Aber wenn er das wollte, was ich auch glaube, wieso um Gottes Willen präsentierte er sich da so schwach? Ich kann wirklich eine große Anspannung und Nervosität verstehen, aber man versucht doch gerade dann, alles perfekt zu machen, ohne zu großes Risiko, aber man legt sich doch ins Zeug. Und wie immer bei "Prüfungen", legt sich die Anspannung und man wid lockerer, wenn man merkt "es läuft". Aber er sang ja nichtmal seine RockNRolls anständig, also jene Songs, die er nun wirklich im Schlaf konnte, und selbst wenn er nicht als Rocker gelten wollte, trägt das doch zu einer Einschätzung einer solchen Show bei, und da hätte er ohne großes Risiko ganz locker punkten können, und bis auf die dramatischen Songs sang er wirklich kaum etwas vernünftig, und wie du schon richtig sagtest MW klang er manchmal beim sprechen so, als sei er besoffen. Sollen das wirklich die Drogen gewesen, etwas zuviel an Beruhigungsmitteln, oder wirklich diese immense Anspannung? Für mich ist jede dieser Varianten möglich, und zugleich wieder unglaubwürdig. Er wirkte auf mich wirklich desinteressiert, und wirklich auch depressiv, mit seinem ruhigem, nachdenklichem, ernstem Reden, das lächeln dem sofort wieder der traurige Ausdruck folgte, und vor allem öfter lange nachdenkliche Pausen, die er bewusst machte. Ich bin nun keiner dieser "Prsicilla-Trennungs-Depri" Verfechter, ich halte das für ausgemachten Unsinn, daher führe ich das darauf nicht zurück. Aber diesen traurigen Eindruck hinterließ er an dem Abend doch nicht unbewusst, oder? Ich meine, selbst WENN ich angespannt, und selbst WENN ich depressiv bin, dann bin ich doch vor der Kamera der Entertainer und Schauspieler der seine Show macht, und nichts konnte Elvis besser, oder? (Außer singen) Man kennt es doch selber auch das man Andere nicht unbedingt anmerken läßt, wenn es einem schlecht geht. Oder dachte er schon viel viel weiter, und überlegte "Was kommt eigentlich nach Aloha noch?" Oder ich deute "Ernst" bei ihm an diesem Abend fälschlich als "Traurigkeit". Das kann sein.

Für mich ist das Geeiere an diesem Abend so oder so nicht plausibel zu erklären. Vor allem: Elvis neigte unter großer Anspannung normalerweise zu genau dem Gegenteil, nämlich zu alberner Fahrigkeit und dummen Witzchen.

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06.10.2006 03:08 #518286 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf "Aloha" + "68 Comeback" als Einzel-DVD
Eine Generalantwort werden wir nicht finden. Vielleicht ist es auch eine Mischung aus allem.

Schau ihm mal in die Augen: Aus seinem Blick spricht - meiner Meinung nach - die pure Angst und Unsicherheit. Vergleich das mal mit dem angriffslustigen Feuer und dem Lachen, das man bei TTWII in seinen Augen sieht, oder mit dem abgeklärten, allwissenden Blick bei EOT - davon ist bei Aloha nichts mehr da.

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06.10.2006 03:18 #518287 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf "Aloha" + "68 Comeback" als Einzel-DVD

Vor allem: Elvis neigte unter großer Anspannung normalerweise zu genau dem Gegenteil, nämlich zu alberner Fahrigkeit und dummen Witzchen.

Prinzipiell ja, aber wir haben in dem Fall keinerlei Vergleich, denn Aloha war eine einmalige Herausforderung in seiner Karriere. So manches Witzchen ist ihm da vergangen. Und es kann sogar sein, dass man ihm seitens der Produktion vorher eingeschärft hat, seriös zu singen und keine Späßchen zu machen. Nicht umsonst sind seine paar kleinen Witzchen ("General Flunky" zu Charlie Hodge bei der Bandvorstellung" und seine "Androhung", all seine alten Hits zu singen - die genaue Zahl, die er da scherzhaft nannte, weiß ich nicht mehr auswendig) brutal rausgeschnitten worden und erst in den letzten Jahren wieder eingefügt worden.

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06.10.2006 07:51 #518290 von Harty

Die ist vom Februar 1972 - genau aus dem Monat, als Priscilla Schluss gemacht hat! :grin: :grin: :grin:

Nachtigall ich hör dir trapsen :smokin:

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06.10.2006 08:10 #518292 von Harty

Wer sagt, die Setlist habe kein Konzept, der irrt: Genau DAS war das Konzept - von allem etwas für jeden:

- ein paar alte Hits (Hound dog, Blue suede shoes, Love me, Big hunk)
- ein paar neuere Hits (Suspicious minds, Burning love)
- ein paar R&R-Klassiker (Johnny B. Goode, Whole lotta shakin')
- einen Blues (Steamroller)
- etwas typisch europäisches Richtung Chanson (What now my love)
- die Beatles (Something)
- Sinatra (My way)
- einen Country-Klassiker des großen Hank Williams (I'm so lonesome I could cry)
- ein Klassiker von Don Gibson (I can't stop loving you)
- ein Crooner-Klassiker a la Dean Martin (Welcome to my world)
- etwas amerikanisch-patriotisches (Trilogy)
- imposante Balladen mit Orchestergewitter (You gave me a mountain, It's over)
- einen Song mit Bezug zum karitativen Zweck der Show (I'll remember you)
- etwas harmlos-erotisches (Fever)
- und das alles umrahmt von den typischen Insignien der Elvis-Show (See See Rider, Can't help falling in love)

Nur eins fehlt, was für Elvis eigentlich sehr wichtig gewesen wäre: Gospel
Auch dafür mag es einen Grund gegeben haben: "No messages" - also auch keine religiösen.

hier folgst du meiner Linie , die ich hier schon postete. Und ich wiederhole gerne nochmal den falschen Vergleich mit TTWII:

die wenigsten kannten damals TTWII vor den Bildschirmen
die wenigsten kannten überhaupt eine Elvis Show

Die Playlist für diesen Abend war keine typische "On tour" Show. Ich wollte den CILLA Bezug auch nur streifen und nicht wieder auf einem roten Teppich ausbreiten.

Elvis war angeknackst. Ob einige Songs Absicht waren, wissen wir alle nicht. Aber es sollte dennoch legitim sein in diese Richtung zu denken.

Legendär finde ich übrigens in diesem Zusammenhang diese Pressekonferenz bzw. das Interview im November 1972. Eigentlich für jeden ersichtlich , dass Elvis ziemlich zugedröhnt dort sitzt. Tatsächlich gab es wohl Momente in seinem Leben, in denen ihm alles egal war. "nein Elvis war nicht stoned"..

Kennt jemand die Hintergründe, wie es zu dieser Aloha Show kam?

Für mich ist diese Show zweifelsohne Höhepunkt und Abgesang von Elvis. Sein Absturz begann zu diesem Zeitpunkt. Wie hier zu lesen, waren die Februar Konzerte ebenfalls eher langweilig. Die Stax Recordings im gleichen Jahr zeugen auch nicht von einem engagierten Elvis Presley.

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06.10.2006 08:39 #518295 von Copperhead
Copperhead antwortete auf "Aloha" + "68 Comeback" als Einzel-DVD

Die Stax Recordings im gleichen Jahr zeugen auch nicht von einem engagierten Elvis Presley.

Im Dezember schon.

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06.10.2006 11:06 #518312 von User gelöscht
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Im Dezember schon.

Zumindest mehr als im Juli.

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06.10.2006 11:08 #518313 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf "Aloha" + "68 Comeback" als Einzel-DVD

Für mich ist diese Show zweifelsohne Höhepunkt und Abgesang von Elvis. Sein Absturz begann zu diesem Zeitpunkt.

Das hat er uns bei Aloha doch auch schon klar und deutlich angedeutet, und zwar mit der ersten Zeile von "My way": "And now, the end is near, and so I face the final curtain..." :adeal:

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