Writing For The King (Buch / 2 CD´s)

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02.04.2007 04:48 #575155 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf Writing For The King (Buch / 2 CD´s)

Einzig die ständige Ich-Bezogenheit der Interviewten nervt mich. Aber das ist amerikanische Mentalität.

Das verwundert aber nicht weiter, denn es ist doch der Sinn dieses Buches, dass die Songwriter von sich erzählen. Wovon denn sonst? Von Elvis, den sie meistens persönlich gar nicht kannten? Ein Glück, dass sie es eben nicht tun! Die meisten listen halt auf, für wen - außer Elvis - sie noch geschrieben haben. Abgesehen davon, dass es verständlich ist, dass sie stolz auf ihre Arbeit sind (was bei den großen Namen, die sich da mitunter finden, nur zu verständlich ist), finde ich das auch sehr informativ, weil es das Bild über diese Leute und ihr Schaffen abrundet - es gibt eben neben Elvis noch jede Menge andere großartige Künstler, für die man gerne was geschrieben hat.

Mich amüsiert viel mehr so mancher liebenswerter Versuch, auch die letzte Film-Gurke noch zu rechtfertigen, aber auch das kann man verstehen.

Eins haben alle (zumindest soweit ich bisher gelesen habe) Songwriter gemeinsam: Sie betonen, welch außergewöhnlich großartiger Sänger Elvis war. Es tut gut, das von Leuten zu lesen, die wirklich vom Fach sind. Und alle berichten übereinstimmend, dass - egal für wen sie sonst noch geschrieben haben - der Moment, als sie erfuhren, dass Elvis ihren Song aufnimmt, der größte Augenblick ihrer Karriere war. Schelte gegen Parker oder Hill & Range findet sich fast nirgends, und wenn, dass ist es nur zu offensichtlich der Frust darüber, dass mal ein Song abgelehnt wurde. Die paar, die überhaupt erwähnen, dass sie Teile ihrer Tantiemen abdrücken mussten, betonen gleichzeitig, dass sie es gerne getan haben und dass es ihnen das allemal wert war. Man liest sogar zwischen den Zeilen heraus, dass viele von ihnen sogar liebend gerne noch mehr dafür abgedrückt hätten, dass Elvis ihren Song singt. Das zeigt nur zu deutlich, welchen Stellenwert dieser Mann hatte. Das hören wir Fans doch mal gerne, oder?

Glaubt man Marc James oder Jerry Leiber wollte Elvis ausschließlich Songs von ihnen singen - und der arme Elvis wurde vom Colonel daran gehindert.

Elvis hat - wie man aus den Interviews leicht herausliest - jedem dieser Songwriter das Gefühl gegeben, dass er SEINE Songs am besten findet. Elvis war gleichermaßen ein Charmeur wie auch ein abgewichster Profi. Es ist alledings nichts dagegen einzuwenden, dass Elvis den Leuten, die für ihn gearbeitet haben, ein gutes Gefühl gegeben hat. Das ist vielen - gerade Künstlern (und Songriter SIND Künstler) - oft mehr wert als ein paar Dollar.

Auf der anderen Seite wollte Elvis niemandem wehtun und sagen: "Ich finde Deinen Song nicht gut" - also wurden die Buhmänner Parker und Bienstock vorgeschoben. Ist doch ein alter Hut! Elvis wollte immer Everybody's Darling sein. Und das ist ihm ja auch gelungen, wie man lesen kann.

Interessant fand ich die Aussage von Marc James, daß Elvis ein Disco Album als Nachfolger für MOODY BLUE plante... ob#s stimmen soll!?

Das las ich auch gestern und wollte schon einen eigenen Thread dazu aufmachen, bevor Harty es tut... :grin:

Das ist ein weiterer Nachteil des Buches. Es gibt Eindrücke wieder - viele davon sind sichtlich, andere sicherlich geschönt. Viele Spekulationen und Vermutungen, die als Fakten dargestellt werden.

Ich finde, dass man die Spekulationen sehr gut von den Fakten unterscheiden kann. Es sind auch ein paar faktische Irrtümer darin, aber das kann nach 30-50 Jahren mal passieren. Es ist ein Buch mit Interviews, Geschichten und persönlichen Eindrücken, kein wissenschaftliches Werk. Und immer noch näher am Thema als so Storys aus der Abteilung "Ich habe Elvis mal eine Pizza geliefert / Elvis hat meine Frau gepimpert / Elvis hat mir einen Cadillac gekauft".

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02.04.2007 07:50 #575162 von Ciscoking
Ciscoking antwortete auf Writing For The King (Buch / 2 CD´s)

Elvis hat meine Frau gepimpert

Meine auch..

....... :lach2:

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02.04.2007 08:38 #575172 von etp
Bei der Ich-Bezogenheit habe ich mich etwas falsch ausgedrückt, glaube ich.

Ich meine, daß die Interviewten sich ständig selbst loben. Daß sie wußten, daß der und der Song ein Hit ist und daß Elvis mit ihm Erfolg haben würde. Es ist ja nichts dagegen einzuwenden, wenn Marc James sagt: Elvis brauchte Suspicious Minds damals ganz dringend. Es ist dann aber schade herauszulesen, daß er sich als Vater des Comebacks sieht - mit anderen Worten: wäre er nicht da gewesen mit Suspicious Minds, hätte es auch kein Comeback gegeben. Das stimmt so sicherlich nicht.

Wie gesagt: es ist amerikanische Mentalität, die eigenen Verdienste immer besonders deutlich hervorzukehren - meine Mentalität ist da eher bescheidener, und es erzeugt bei mir ein gewisses Mißtrauen gegenüber solchen Personen, die ständig sagen, wie toll sie sind.

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02.04.2007 08:46 #575175 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf Writing For The King (Buch / 2 CD´s)

Ich meine, daß die Interviewten sich ständig selbst loben. Daß sie wußten, daß der und der Song ein Hit ist und daß Elvis mit ihm Erfolg haben würde.

Sei mir nicht böse, aber das sollte bei einem Songwriter schon Grundvoraussetzung sein. Wer ein Lied komponiert, der will ein gutes Lied schreiben, einen potentiellen Hit. Oder glaubst Du, ein professioneller Songwriter setzt sich hin und sagt: "Jetzt schreibe ich mal einen Misserfolg, eine Nullnummer, eine B-Seite, einen richtigen Rohrkrepierer, den kein Mensch singen, geschweige denn hören will"?

Ein Song, den man schreibt, ist wie ein Baby. So wie jede Mutter ihr Kind für das schönste, klügste und beste hält, so denkt und fühlt auch jeder Songwriter über seine Lieder, zumindest solange er noch einen Hauch Herzblut darin investiert und nicht nur am Fließband auf Bestellung schreibt. Das ist nicht nur normal, das ist auch gut so, denn sonst würde keine Musik entstehen, die von Herzen kommt.

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02.04.2007 09:02 #575189 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf Writing For The King (Buch / 2 CD´s)

Sei mir nicht böse, aber das sollte bei einem Songwriter schon Grundvoraussetzung sein. Wer ein Lied komponiert, der will ein gutes Lied schreiben, einen potentiellen Hit.

Das hängt aber am wenigsten von dem ab, was auf einem Blatt Papier steht, als vielmehr von sehr vielen anderen Faktoren. Insofern wäre es ziemlich unklug zu behaupten, man habe von Anfang an gewusst, dass ein bestimmter Song ein Hit wird. Wenn dem so wäre, dann bräuchte ein Songwriter seinen Titel ja nicht zu verkaufen, sondern könnte ihn eben selbst eben schnell zum Hit machen. Und beispielsweise an Suspicious Minds wird ja deutlich, dass es niemals der Song ist, der über Hit oder nicht Hit entscheidet.

Insofern vermute ich einmal, dass Mark James mit seiner Äußerung nicht sich selbst sonderlich in den Vordergrund spielen, sondern einfach ausdrücken wollte, welches Vertrauen er in Elvis hatte, dass dieser aus seinem Lied einen Hit machen würde. Und so kam es ja dann, im Gegensatz zu seiner eigenen Aufnahme, auch. Jeder Songwriter muss einfach glücklich sein, wenn es jemanden gibt, der seine Arbeit zum Leben erweckt. Deshalb ist der Vergleich mit dem Baby auch unangebracht. Ein Kind ist aus sich selbst heraus etwas Einmaliges und Großartiges. Ein Song auf einem Stück Papier ist erst einmal tot.

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02.04.2007 09:32 #575218 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf Writing For The King (Buch / 2 CD´s)

Jeder Songwriter muss einfach glücklich sein, wenn es jemanden gibt, der seine Arbeit zum Leben erweckt. Deshalb ist der Vergleich mit dem Baby auch unangebracht. Ein Kind ist aus sich selbst heraus etwas Einmaliges und Großartiges. Ein Song auf einem Stück Papier ist erst einmal tot.

Dann wird es Dich sicher wundern zu hören, dass man diese Aussage mit dem Baby sehr oft von Leuten hört, die Songs schreiben. Das ist genauso wie ein Buch schreiben oder ein Bild malen. Ein Kunstwerk, das man aus sich heraus geschaffen hat, ist wie ein Baby. Das kann man vielleicht nur nachvollziehen, wenn man selber mal so eine Geburt vollbracht hat.

Und es ist auch nicht wahr, dass ein Song nur ein Stück totes Papier ist. Er ist eine Idee, und eine Idee ist nicht tot. Es geht auch nicht um den kommerziellen Erfolg, der nur zu einem sehr geringen Teil von der Qualität eines Songs abhängt.

Natürlich ist es richtig, dass ein mittelmäßiger Song, gesungen von Elvis Presley, immer noch mehr Käufer findet, als der beste Song der Welt, gesungen von Dir oder mir. Aber das ist nicht der Punkt.

Diese Leute, die in dem Buch zu Wort kommen, sind stolz auf ihre Arbeit, Ihre geistige, künstlerische Schöpfung. Besonders stolz sind sie darauf, dass ihr Werk geadelt wurde, weil ein Elvis Presley es für wert befunden hat, es zu singen. DAS kommt in den Interviews zum Ausdruck. Dass nebenbei das eine oder andere Milliönchen auf dem Konto gelandet ist, findet kaum Erwähnung. Einen Künstler freut das, wie jeden anderen auch, aber es ist in den seltensten Fällen die Hauptmotivation. Die meisten von denen hätten noch Geld dafür bezahlt, dass Elvis einen ihrer Songs gesungen hätte. Und jeder von uns hier - wäre er Songwriter - doch sicher auch.

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02.04.2007 09:54 #575225 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf Writing For The King (Buch / 2 CD´s)

Dann wird es Dich sicher wundern zu hören, dass man diese Aussage mit dem Baby sehr oft von Leuten hört, die Songs schreiben.

Nein, es wundert mich nicht. Ganz und gar nicht. Es "beweist" allerdings auch nichts.

Das ist genauso wie ein Buch schreiben oder ein Bild malen.

Nein. Buch und Bild stehen für sich alleine. Sie benötigen nur noch den Leser und Betrachter, damit Austausch und Kommunikation auf einer künstlerischen Ebene geschehen. Ein Song auf einem Stück Papier dagegen ist nichts, wenn er nicht in einem weiteren Schritt zum Leben erweckt wird. Ansonsten würden wir uns ja keine Künstler/Bands ansehen, wie sie auf der Bühne Musik machen, sondern dann könnte man auch ein paar Notenblätter da oben hinlegen oder Songwriter auf die Bühne stellen, denen man dann beim Schreiben von Liedern zuschaut. Musik ist etwas völlig anders als Literatur, Malerei oder bildende Künste.

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02.04.2007 10:09 #575228 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf Writing For The King (Buch / 2 CD´s)

Nein. Buch und Bild stehen für sich alleine. Sie benötigen nur noch den Leser und Betrachter, damit Austausch auf einer künstlerischen Ebene geschieht. Ein Song auf einem Stück Papier ist nichts, wenn er nicht auf einer weiteren Stufe zum Leben erweckt wird. Ansonsten würden wir uns ja keine Künstler/Bands ansehen, wie sie auf der Bühne Musik machen, sondern dann könnte man auch ein paar Notenblätter da oben hinlegen oder Songwriter auf die Bühne stellen, denen man dann beim Schreiben von Liedern zuschaut. Musik ist etwas völlig anders als Literatur, Malerei oder bildende Künste.

Wenn wir "back to the roots" gehen - in den Anfängen der Musik und in der Zeit der großen Komponisten wurden Notenblätter verkauft. Da gab es nämlich noch keine Tonträger. Und es gibt tatächlich auch heute noch Menschen, denen ein Notenblatt ausreicht, die können den Song lesen, ohne ihn hören zu müssen.

Aber ich weiß ja jetzt, was Du meinst - auch diese Notenblätter müssen dann von irgendeinem abgespielt werden und somit zum Leben erweckt werden. Wenn Du es so haben willst, okay, dann musst Du aber noch weiter gehen. Hier fällt mir eine Aussage von Charles Aznavour ein: "Es gibt für jedes Lied vier Autoren - den Komponisten der Melodie, den Dichter des Textes, den Sänger und letztendlich den Hörer".

Es ändert nichts daran: Ein Lied ist in dem Moment fertig und als geistiges Kind geboren, wo die Idee im Kopf des Komponisten ist. Der Interpret ist nur ein Medium, genauso wie der Verleger eines Buches. Ein Song ist auch dann ein Kunstwerk, eine Schöpfung, wenn es den Kopf des Komponisten nie verlässt, nie aufgeschrieben, nie gesungen wird. Der Song ist trotzdem "da", er ist sogar - nicht ohne Grund - in diesem Moment vom Gesetzgeber schon urheberrechtlich geschützt.

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02.04.2007 13:23 #575327 von etp
Leider kann ich gerade nicht die fragliche Passage posten, weil ich das Buch gerade nicht zur Hand habe. Werde ich vielleicht heute abend mal nachholen. Aber dann wird vermutlich einiges klarer.

Zur Gliederung wollte ich noch was sagen: ich kann keine chronologische Ordnung nach welchem Prinzip auch immer feststellen :null:
Nach Doc Pomus kommt Mort Schuman und danach der Typ der Dixieland Rock komponiert hat .... :null:

Übrigens: das Interview mit Mort Schuman ist ein positives Beispiel. Hier hörst du aus jeder Zeile heraus, wovon MW die ganze Zeit spricht: da ist jemand stolz auf das Lied, das er geschrieben hat - und noch viel stolzer darauf, was Elvis daraus gemacht hat. Und im Gegensatz zu Leiber/Stoller und Marc James ist Shuman nicht die ganze Zeit damit beschäftigt zu betonen, wie oft Felton Jarvis oder Elvis oder Red West oder der Colonel ihn angerufen haben, um nach neuen Songs zu fordern.

Die Diskussion finde ich übrigens sehr interessant und sie läßt mich immer öfter zu dem wirklich sehr umfangreichen Buch greifen. Ohne Zweifel: dieses FTD-Projekt ist kein Fastfood-Projekte wie so viele in der vergangenen Zeit: einmal hören und weg damit in den Schrank. An diesem Buch hat man wirklich sehr sehr lange.

Schade, daß viele Demos, von denen die Komponisten erzählen, nicht auf der CD sind. Das Demo von "Little Sister" würde ich zum Beispiel sehr gerne mal hören .....

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02.04.2007 14:07 #575336 von Earth Boy
Earth Boy antwortete auf Writing For The King (Buch / 2 CD´s)

Zur Gliederung wollte ich noch was sagen: ich kann keine chronologische Ordnung nach welchem Prinzip auch immer feststellen  :null:
Nach Doc Pomus kommt Mort Schuman und danach der Typ der Dixieland Rock komponiert hat ....  :null:

Da hast Du zielsicher den Fehler rausgefunden. Ich vermute, dass sie deshalb an dieser Stelle kommt, weil sie auch noch an The girl of my best friend beteiligt war. Hat man scheinbar verwechselt und sie so eingeordnet, als wäre ihr erster Song für Elvis The girl of my best friend gewesen und nicht Dixiland rock. Dann würde es ja passen, der erste Beitrag von <span style='color:yellow'>Shuman</span> für Elvis war Mess of blues. Dann kommt <span style='color:yellow'>Beverly Ross</span>gefolgt vom Co-Autor von The girl of my best friend <span style='color:yellow'>Sam Bobrick</span>. Der nächste ist <span style='color:yellow'>Paul Evans</span>, dessen erstes Lied für Elvis I gotta know war. Passt doch. Ich erkenne da eine Ordnung, ob die sinnvoll ist, das ist eine andere Frage.

Schade, daß viele Demos, von denen die Komponisten erzählen, nicht auf der CD sind. Das Demo von "Little Sister" würde ich zum Beispiel sehr gerne mal hören...


Der größte Fehler des Buches, dass man den Platz der zweiten CD mit einer - in diesem Kontext - überflüssigen Live CD vergeudet hat.

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