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Doku: Townes Van Zandt
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<span style='color:orange'><span style='font-size:14pt;line-height:100%'>Trauriger Troubadour</span></span>
Von Peter Luley
Townes Van Zandt ist eine der tragischen Figuren der Rock-Historie: 1997 starb der sensible Sänger, zerfressen von Alkoholismus und Depressionen. Leben und Erbe eines der einflussreichsten Song-Poeten Amerikas würdigt eine rührende Kino-Dokumentation.
Wer Townes Van Zandt im Herbst 1996 auf seiner letzten Deutschland-Tournee erlebte, konnte ahnen, dass sein Ende bald bevorstand. Bei einem Auftritt in Hamburg etwa mussten Helfer den von jahrelangem Alkoholismus ausgezehrten Künstler auf dem Weg zur Bühne stützen, und anschließend erzeugte Van Zandt ein akustisches Gewitter beim zunächst vergeblichen Versuch, mit zittriger Hand das Verstärker-Kabel in die Gitarre zu stöpseln. Anfang Januar 1997 war dann die Nachricht zu lesen, dass der 52-jährige "Texas Troubadour" am Neujahrstag an einem Herzinfarkt gestorben war, nachdem er sich zuvor bei einem Sturz die Hüfte gebrochen hatte.
Mit "Townes Van Zandt - Be Here to Love me" kommt nun eine Filmbiografie ins Kino, die das Leben des von einer eingeschworenen Fangemeinde kultisch verehrten Folk-Poeten impressionistisch aufblättert. Auch seine berühmtesten Stücke werden in Erinnerung gerufen: die Outlaw-Ballade "Pancho And Lefty", das eindringliche "If I Needed You" und das fatalistische "Waiting Around To Die", die freilich nie ihrem Schöpfer, sondern als Coverversionen diversen anderen Artisten Chart-Erfolge bescherten.
Zugleich dürfte die angenehm zurückhaltend gestaltete Hommage selbst der einschlägig informierten Gefolgschaft neben nostalgischen Momenten neue Einblicke bieten. Sie habe passend zur Musik Van Zandts einen handgemachten Film vorlegen wollen, "Vinyl, nicht CD, analog, nicht digital", sagt Regisseurin Margaret Brown, Tochter des amerikanischen Musikers Milton Brown, über ihren ersten Film. Es ist ihr auf fesselnde Weise gelungen.
Imposant ist insbesondere, wie viele Originalaufnahmen aus Van Zandts Jugend- und sogar Kindheitsjahren die Autorin aufgetrieben hat. Manche Ausschnitte stammen aus dem 1981 entstandenen Country-Sittengemälde "Heartworn Highways"; die Existenz der vielen anderen erklärt sich durch den Umstand, dass der 1944 in Fort Worth geborene Van Zandt einer begüterten und einflussreichen Ölfamilie entstammte, deren Urahn einst an der texanischen Verfassung mitwirkte und nach der bis heute ein County des US-Bundesstaats benannt ist. In solchen Kreisen wurde eben auch schon in den vierziger Jahren das Familienleben mit der Kamera dokumentiert.
Dem wohlbehüteten Hintergrund zum Trotz entwickelte sich der junge Townes früh zum von Depressionen geplagten Problemkind. Mit 20 stürzte er sich aus dem vierten Stock eines Hauses, nur um zu erfahren, wie sich das anfühlt. In der Folge wurde er in einer Nervenheilanstalt einer Elektroschock-Therapie unterzogen, bei der er einen Teil seiner Kindheitserinnerungen einbüßte. Eine Beziehungslosigkeit und Ungebundenheit, die sich in seinen Songs und seiner später begonnenen rastlosen Wanderschaft widerspiegelt.
Sehr aufschlussreich sind Archivaufnahmen und Konzertmitschnitte, in denen Van Zandt einerseits den mit Gewehr vor seinem Trailer posierenden Outlaw gibt, andererseits aber gesittet in biederen Fernsehshows auftritt. Zahlreiche Weggefährten kommen zu Wort, darunter Willie Nelson, Emmylou Harris, Kris Kristofferson, Steve Earle und Guy Clarke. Beeindruckend: die vorwurfsfreien Kommentare seiner drei Ehefrauen und seiner drei Kinder (darunter die im gleichnamigen Song besungene jüngste Tochter Katie Bell), die die Eskapaden ihres Mannes bzw. Vaters offenbar als unvermeidliche Kehrseite seines Genies zu akzeptieren vermochten.
Van Zandt wird greifbar als Drifter im Stile der Beat-Poeten Jack Kerouac und Allen Ginsberg. Jerry Jeff Walker, Autor des Klassikers "Mr. Bojangels", hatte dem Autodidakten früh erklärt, dass er, wenn er ein richtiger Songwriter sein wolle, nichts anderes nebenbei tun könne - und Van Zandt, notorisch uninteressiert an Geld und Geschäftlichem, setzte die Anweisung eins zu eins um.
Seine Todessehnsucht, sein ständiger Kampf mit den Dämonen Depression und Drogensucht, scheint in vielen seiner eigenen Worte durch: "Mein Leben wird zu Ende gehen, bevor meine Arbeit zu Ende ist. Ich habe es selber darauf angelegt", sagt der vom Blues-Barden Lightnin' Hopkins inspirierte Künstler einmal. Oder: "Ich denke nicht, dass alle meine Songs traurig sind. Ich habe ein paar, die nicht traurig sind - sie sind hoffnungslos." Da blitzt dann neben aller Tragik auch der trockene Humor Van Zandts auf, der ihn auf Konzerten zum gefürchteten Geschichten- und Witzeerzähler werden ließ.
So sehr der Film noch einmal vor Augen führt, dass die besten Werke Van Zandts in seinem ersten Karriere-Jahrzehnt entstanden (bereits seinem sechsten Album gab er 1972 den selbstironischen Titel "The Late Great Townes Van Zandt") und so bitter seine Selbstzerstörung anmuten mag, so tröstlich ist gleichwohl der ungebrochene Einfluss dieses "Songwriter's Songwriter" auf die ihm nachfolgenden Kollegen bis zu den Grunge- und Independent-Bands der neunziger Jahre.
Am Ende bleibt der Zuschauer melancholisch, aber beseelt zurück; eine Wirkung, die jener der Van Zandtschen Musik nicht unähnlich ist: Schließlich gelang es ausgerechnet ihm, dem Unbehausten, auf wunderbare Weise, anderen emotionalen Halt zu vermitteln.
<span style='font-size:8pt;line-height:100%'>Originaltitel: Be Here to Love Me: A Film About Townes Van Zandt
Regie: Margaret Brown
Produktion: Rake Films
Verleih: MFA
Länge: 99 Minuten
Start: 22. Dezember 2005</span>
www.spiegel.de
<a href=' www.townesthemovie.com/ ' target='_blank'> www.townesthemovie.com/
Der größte Songschreiber aller Zeiten (Und jetzt gebe ich mal den MIB: Sorry, Bob). Auch das erwähnte "Heartworn Highways" ist sehr sehr sehr empfehlenswert. Und ich werde es mir jetzt mal wieder ansehen.
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- Mickey
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Hut ab hiervor:
Beeindruckend: die vorwurfsfreien Kommentare seiner drei Ehefrauen und seiner drei Kinder (darunter die im gleichnamigen Song besungene jüngste Tochter Katie Bell), die die Eskapaden ihres Mannes bzw. Vaters offenbar als unvermeidliche Kehrseite seines Genies zu akzeptieren vermochten.
Da könnten sich andere eine Scheibe davon abschneiden.
PS: Katie Bell heisst Katie Belle. So viel Zeit muss sein.
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- Copperhead
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Oops, natürlich nach Hank Williams.Der größte Songschreiber aller Zeiten...
Doku heute auf DVD erhalten. Und ich muss ins Theater.
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- Mickey
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You might have never heard of Townes Van Zandt. You might not even know his songs. But this Texan's music was profoundly influential on his peers--so much so that some of the folks interviewed for Be Here to Love Me, a documentary about Van Zandt's work and difficult life, call him one of the best songwriters, maybe even the best, in American history. That's a stretch, but there's no doubting the man's talent; his two best-known tunes, "Pancho and Lefty" (popularized by Willie Nelson and Merle Haggard) and "If I Needed You" (a beautiful Emmylou Harris-Don Williams duet), by themselves guarantee him a spot in a few Halls of Fame. But the Van Zandt chronicled in director Margaret Brown's 100-minute film was his own worst enemy. Born in 1944, he was a troubled young man who played Russian roulette for kicks, deliberately fell off a fourth-floor balcony, and was placed in a mental home, where shock treatments robbed him of significant parts of his memory and personality. Married three times, he was also wedded to the bottle, which ultimately destroyed him (he died of a heart attack in 1997). Be Here to Love Me details these events through various interviews with Van Zandt himself, as well as Nelson, Harris, Steve Earle, Nanci Griffith, and other notables. But whereas a fellow tippler like singer Guy Clark fondly remembers the good times, Van Zandt's family tells a different story: "Bummer," replies one ex-wife when asked to describe living with him, while his eldest son, JT, betrays a good deal of bitterness about a dad who couldn't control his own life, wasn't much of a family man, and died young and unfulfilled. DVD extras include several Van Zandt performances (in addition to clips throughout the main program), which is a good thing; were it not for his soulful, affecting songs, there wouldn't be a lot to admire about this guy. --Sam Graham
Auf Deine, Copperhead, bin ich sehr gespannt.
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- Copperhead
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Ich schaue mir heute Abend die Doku noch zusammen mit meiner Freundin an, auch um einen Eindruck zu erhalten, wie die Doku auf jemanden wirkt, dem Van Zandts Musik (die mich beim Sehen natürlich im Hinterkopf ständig begleitete) nicht so viel bedeutet bzw. der sie kaum kennt. Daher erst danach mehr.
<a href=' www.taz.de/pt/2006/01/07.1/magText.tname,a0018.re,ku.idx,3 ' target='_blank'>taz Magazin Nr. 7865 vom 7.1.2006
<span style='font-size:14pt;line-height:100%'>Schock und Genie</span>
Am Neujahrstag vor neun Jahren starb der US-Musiker Townes Van Zandt mit nur 52 Jahren. Seit kurzem läuft in den Kinos ein Dokumentarfilm über Leben und Werk des notorischen Außenseiters von CHRISTINA KRETSCHMER
Steve Earle, Countryrocker und Politaktivist, war schon als Jugendlicher so fasziniert von Townes Van Zandt, dass er dessen Gitarrenkoffer trug, nur um in seiner Nähe zu sein. Earle ist auch verantwortlich für die wohl meistzitierte Äußerung über den Musiker: "Townes Van Zandt ist der beste Songwriter der Welt, und ich werde das auch sagen, wenn ich mit meinen Cowboystiefeln auf Bob Dylans Kaffeetischchen stehe." Van Zandt selbst nahm das Kompliment eher gelassen auf, als er davon erfuhr: "Das macht mich ein wenig nervös. Ich habe Bob Dylans Bodyguards getroffen, und wenn Steve Earle meint, er könnte sich auf Dylans Tisch stellen, liegt er sehr falsch."
Van Zandt (1944-1997) war einer der begabtesten Songwriter seiner Generation - ob er nun Country, Folk oder Blues spielte - und zugleich ein erfolgloser, selbstzerstörerischer und in mancher Hinsicht verantwortungslos handelnder Mensch. Gerade diese Zerrissenheit und Tragik macht einen großen Teil seiner Faszination aus: ein Verlierer im echten Leben, der mit seiner Musik der Welt etwas gegeben hat, von dem sie heute noch zehren kann.
In den Kinos läuft seit zwei Wochen die Dokumentation "Be Here To Love Me - Townes Van Zandt". Die Filmemacherin Margaret Brown hat eine Collage aus Interviews, Songs und privaten Aufnahmen zusammengestellt. Intim und berührend erinnern sich viele seiner Wegbegleiter und Musikerkollegen wie Kris Kristofferson oder Willie Nelson. Countrysänger Guy Clarke etwa wird im Laufe des Interviews immer betrunkener, weil er zu Ehren Van Zandts schon am Vormittag begonnen hat, Tequila zu trinken. Auch Van Zandts drei Exfrauen und seine drei Kinder kommen zu Wort. Dabei spielt die Musik Van Zandts im Film eine gleichberechtigte Rolle neben den Archivaufnahmen, diversen Interviews und atmosphärischen Roadmovie-Bildern. Wenn der Hippiecowboy Van Zandt auf der Treppe seines White-Trash-Wohnwagens mit einem Gewehr in der Hand herumfuchtelt und kurze Zeit später in diesem Wohnwagen einige seiner Lieder für einen zahnlosen Schwarzen singt, dem dabei die Tränen kommen, bekommt der Zuschauer ein Gefühl für das Talent und das Wesen dieses Menschen.
Sohn einer wohlhabenden texanischen Familie, schien das Leben von Townes Van Zandt zu Beginn leicht und verheißungsvoll. Seine Vorfahren waren an der Gründung des Staates Texas beteiligt, sogar ein Landstrich ist nach ihnen benannt: Van Zandt County. Doch schon als er ein Teenager war, wurde bei Townes Van Zandt eine manische Depression diagnostiziert, die mit Elektroschocks behandelt wurde. Was zu jener Zeit als das Nonplusultra einer psychiatrischen Behandlung galt, beeinflusste Wesen und Werden Van Zandts nachhaltig: Die Elektroschocks hatten zur Folge, dass er alle Erinnerungen an seine Kindheit verlor und zeitweise nicht einmal mehr seine Mutter erkannte. "Ich hatte eine gute Kindheit. Ich erinnere mich nicht daran, aber man hat es mir erzählt."
Als er mit elf Jahren Elvis Presley im Fernsehen in der "Ed Sullivan Show" sah, flippte er geradezu aus. "Plötzlich realisierte ich, dass man sein Geld damit verdienen kann, Gitarre zu spielen und dazu zu singen." Zu Weihnachten bekam er von seinem Vater eine Gitarre geschenkt, unter der Bedingung, dass er das Folkstück "Fraulein" spielen lernte. Bald nach dem Elvis-Erweckungserlebnis lernte er die Musik von Ricky Nelson, Jerry Lee Lewis und auch von Countrygröße Johnny Cash kennen oder die Songs der texanischen Bluesmusiker Lightnin Hopkins und Mance Lipscomb.
Nach der Highschool begann er 1962 ein Wirtschaftsstudium an der University of Colorado in Boulder. Eine eher absurde Wahl, bedenkt man, dass Van Zandt in seinem ganzen Leben keinerlei Verhältnis zu Geld hatte und es - gesetzt den Fall, er besaß welches - lieber verspielte oder Obdachlosen gab, anstatt es anzulegen.
In dieser Zeit begann er, sich tagelang einzuschließen, Gitarre zu üben oder stundenlang die Platten von Lightnin Hopkins, Hank Williams und Bob Dylan zu hören. Nach diesen Phasen der Isolation veranstaltete er regelmäßig ausufernde Partys. Bei einer dieser Veranstaltungen stürzte er aus dem Fenster seines Apartments. Er wollte wissen, wie es sich anfühlt, die Kontrolle zu verlieren und zu fallen. "Ich fiel und landete vier Stockwerke tiefer flach auf meinem Rücken mit einer Weinflasche in der Hand, aus der ich keinen Tropfen verschüttet hatte." Die erschrockenen Schulterklopfer seiner per Aufzug herbeigeeilten Freunde, meinte er, seien schmerzhafter gewesen als der Aufprall aus mehr als zehn Metern Höhe. Als seine Eltern von diesem Zwischenfall erfuhren, brachten sie ihn in ein texanisches Krankenhaus, wo er drei Monate mit Insulinschocktherapie behandelt wurde.
Aus der Psychiatrie entlassen, schrieb er sich an der University of Houston ein und heiratete 1965 seine erste Frau Fran Petters. Er begann, in kleinen Cafés aufzutreten und Lieder zu schreiben. Lustige, leichte Songs, um die Aufmerksamkeit auch des letzten Biertrinkers an der Theke zu erreichen. Erst "The Times They Are A-Changin" von Bob Dylan brachte ihn dazu, seine Songwriterarbeit ernster zu nehmen. "Ich merkte, dass man Songs schreiben kann, die wirklich anders sind." Er verschrieb sich der idealistischen Mission, die Welt mit einem Song zu retten.
Van Zandt begann, über die Außenseiter der Gesellschaft zu singen, mit denen er sich immer schnell anfreundete. Einer seiner bekanntesten Songs, "Waiting Around To Die", reflektiert einen Nachmittag, den er trinkend mit einem alten Mann verbracht hatte. Van Zandt empfand große Sympathie für Menschen; reich oder berühmt zu werden dagegen interessierte ihn nicht besonders. Die Kehrseite seiner Sensibilität waren lange Phasen von Depression. Seine Schwester Donna Spence ist davon überzeugt, dass viele seiner Probleme sich aus seinem übersensiblen Wesen und seiner fast krankhaften Fähigkeit zu Empathie und Mitleiden erklärten. Auf die Frage, warum seine Lieder immer so traurig seien, antwortete Van Zandt einmal, es seien doch gar nicht alle Songs traurig. Manche seien auch hoffnungslos.
Townes Van Zandt empfand sich als entwurzelt. In seiner Kindheit war die Familie von Staat zu Staat gezogen, unter anderem nach Texas, Montana und Colorado, immer den Jobs des Vaters folgend. Als Erwachsener entschied sich Van Zandt bewusst für ein heimatloses Leben auf Bühnen, in Motels und auf Autobahnen. Von jungen Nachwuchsmusikern gefragt, was sie tun müssten, um Musik machen zu können, wie er sie machte, empfahl er ihnen, alles hinter sich zu lassen: Geld, Sicherheit, Glück, Freiheit. Erst dann könnten sie sich eine Gitarre nehmen und losziehen.
Dabei verzichtete Townes Van Zandt keineswegs auf Familie. Er heiratete drei Mal, alle Ehen wurden nach wenigen Jahren geschieden. Keine der drei Exfrauen und keines der Kinder äußert sich in Margaret Browns Film verbittert über ihn. Nur sein ältester Sohn J. T. wirft einmal die Frage auf, ob die radikale Entscheidung seines Vaters für die Musik und dieses rastlose Leben wirklich ein mutiger und selbstloser Schritt gewesen sei - oder nur die billige Entschuldigung einer schwachen Persönlichkeit, die keine Verantwortung übernehmen konnte oder wollte.
Mit seinen ersten Platten und Erfolgen wurde Van Zandt schnell zum Vorbild anderer Musiker und bald als wichtigster Südstaatenmusiker seit Hank Williams gehandelt. Er schaffte es, die Sprache so wirkungsvoll einzusetzen, dass seine Lieder auch als Gedichte funktionieren. Dabei verzichtete er auf alle Füllwörter oder jedwede Verzierung. Auch literarische Vorbilder wie Emily Dickinson, Dylan Thomas oder Robert Frost inspirierten ihn. Seinen Zuhörern erzählte er oft, dass er selbst wenig bis gar nichts mit der Entstehung seiner Songs zu tun habe. "If I Needed You" etwa, später ein Hit für Emmylou Harris und Don Williams, sei ihm eines Nachts im Traum eingefallen. Er träumte, er sei ein Folksänger und sänge dieses Lied auf der Bühne eines kleinen Clubs. Dann wachte er gerade lange genug auf, um den Text aufzuschreiben und sich zu versichern, dass er die Melodie auch am nächsten Morgen im Kopf hätte, und schlief sofort wieder ein. Was sich anhört wie höhere Inspiration, war viel eher das Ergebnis eines Lebens, das sich voll und ganz auf Musik und das Schreiben von Songs konzentrierte. "Mein Ziel", sagte er, "ist es, einige Songs zu schreiben, die so gut sind, dass niemand sie versteht, mich eingeschlossen."
Bald wurde Van Zandt als Vorband berühmter Legenden wie Lightnin Hopkins oder Doc Watson gebucht. Doch im Gegensatz zu seinen Kollegen, die vom wilden Leben sangen, lebte er es bis zur Selbstzerstörung. Townes Van Zandt hatte sein Leben lang mit vielen Dämonen zu kämpfen. Er war spielsüchtig, alkoholabhängig, heroinsüchtig. Welche Droge man sich vorstellen kann, er hat sie mit Sicherheit bis zum Exzess ausprobiert. Dabei wurde er von allen, die ihn kennen lernten, als überaus liebenswerter und höflicher Mensch beschrieben. Er hatte eine einnehmende Persönlichkeit, und auf der Bühne war ihm die mucksmäuschenstille Aufmerksamkeit seines Publikums sicher.
Obwohl einige seiner Songs als Coverversionen in die Charts kamen, ist Townes Van Zandt zeit seines Lebens nicht über den Status des Geheimtipps hinausgekommen. Noch heute gilt er als Songwriter der Songwriter, unter seinen Verehrern sind Berühmtheiten wie Emmylou Harris, Norah Jones oder Lyle Lovett. Dass er es während seiner gesamten Laufbahn als Musiker nie zu dem Bekanntheitsgrad brachte, der ihm eigentlich zugestanden hätte, lag auch in seiner selbstzerstörerischen Persönlichkeit. Für Promoter, Konzertveranstalter und andere potenzielle Mitarbeiter war Van Zandt ein Risiko: Er konnte auch noch gegen Ende seines Lebens Konzerte geben, die von einer umwerfenden Qualität und Intensität waren. In schlechten Phasen waren sie unerträglich und grausam mitanzusehen. Die Abstände zwischen seinen Veröffentlichungen waren geradezu horrend lang - mitunter brauchte er zehn Jahre für eine neue Platte. Zudem hatte er auch unverschuldetes Pech: Einige der eher obskuren Labels, auf denen er seine Platten veröffentlichte, gingen kurz darauf Pleite. Selten verkaufte er mehr als 7.000 Exemplare einer Platte, viele seiner Alben waren jahrelang nicht erhältlich.
Als er 1996 noch einmal auf seiner Europatournee nach Deutschland kam, war er in einem so desolaten Zustand, dass er Helfer brauchte, die ihn auf die Bühne hievten. Freunde mussten für ihn bei McDonald's Cola mit Eis holen, in die er die kleinen Wodkafläschchen leerte, die er in einer Sporttasche stets bei sich trug. Ein halbes Jahr später starb Townes Van Zandt am Neujahrstag 1997 an Herzversagen nach einer schweren Hüftoperation, genau vierundvierzig Jahre nach seinem großen Idol Hank Williams. Der war, ähnlich einsam, am Neujahrstag 1953 auf dem Rücksitz seines Cadillacs gestorben. Erst nach einer längeren Fahrt hatte sein Chauffeur festgestellt, dass er tot war.
Genau wie Williams war Van Zandt davon überzeugt, dass er erst nach seinem Tod berühmt werden würde. Als sein Freund und Kollege Guy Clark sich auf Townes Van Zandts Beerdigung die Gitarre umschnallte, meinte er lakonisch, er habe diesen Auftritt schon vor dreißig Jahren reserviert. Dann begann er zu spielen.
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- Tom Joad
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Da ich Deinen Musikgeschmack häufig teile macht mich Dein Enthusiasmus bezüglich Townes Van Zandt jetzt aber schon neugierig. Vor 10 oder noch mehr Jahren hörte ich mal bei einem Bekannten eine Live-Aufnahme des Mannes. Und die ist mir in so prägend schlechter Erinnerung geblieben, dass ich (obwohl ich immer wieder überaus Positives über seine Kunst gehört habe) seitdem nie das Bedürfnis verspürte, es nochmal mit ihm zu probieren.
Selbiges Problem hatte ich auch mit Dylan. Da war mein erstes Album "Knocked Out Loaded". Ich brauchte Jahre, um mir nach diesem gruseligen Erstkontakt weiteres Material von ihm zuzulegen und zu erkennen, was ich dadurch alles an ESSENTIELLER Musik lange vermissen musste.
Nun werde ich Van Zandt aber mal angehen. Um nicht auf die Schnauze zu fallen und dem Herrn eine faire Chance zu geben: was würdest Du mir zum Einstieg empfehlen?
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Trau Dich! Ganz, ganz großartig. Nach Elvis und Bruce meine Nummer Drei.Soll ich mich trauen? Coppy - übernehmen Sie!
Ich hatte den ersten Kontakt Anfang der 90er. Vinyl-Platten hat man keine von ihm bekommen, die CD-Überspielungen waren damals grauselig (ich hatte zwei CDs, auf einer konnte man wegen Knacksereien die beiden letzten Lieder kaum anhören). Dadurch hatte ich leider für einige Zeit den Kontakt verloren (und so vielleicht auch seine Europa-Tourneen in den 90ern verpasst). Irgendwie typisch für seine Karriere...
Weiß nicht, welche Live-Aufnahmen Du gehörst hast. Gegen Ende konnte drogen- und alkoholbedingt live tatsächlich alles passieren (von 4-stündigen Konzerten bis zu gar nix, auf die Bühne geführt werden, vom Stuhl fallen, keinen Text kennen, keinen Akkord finden, halbstündig vor sich hin gemurmelten Monologen...). Die Stimme wurde immer brüchiger, das Gitarrenspiel immer rustikaler. Eher was für Townes-Fortgeschrittene.
Aber auf der Box - seine sieben Alben aus der Blütezeit 1968 bis 78 (kein Studioalbum zwischen 73 und 77) sowie die Nicht-Studioalben-Songs des Live-Albums "Live at The Old Quarter, Houston Texas, July 1973" (veröffentlicht 1977).
Diese Musik gehört zur Mensch-Werdung!
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Danke! Van Zandts-"Blütezeit" wurde soeben in Form der erwähnten Box bei Amazon geordert.Aber auf der Box - seine sieben Alben aus der Blütezeit 1968 bis 78 (kein Studioalbum zwischen 73 und 77) sowie die Nicht-Studioalben-Songs des Live-Albums "Live at The Old Quarter, Houston Texas, July 1973" (veröffentlicht 1977).
Diese Musik gehört zur Mensch-Werdung!
Allerdings: mit der Mensch-Werdung werde ich mich noch etwas gedulden müssen - "Gewöhnlich versandfertig bei Amazon in 4 bis 6 Wochen"
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Guter Film! Armer Mann. Unterdessen habe ich die Troubadour-Box eingelesen und auf meinen iPod überspielt.
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