Sin City

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10.08.2005 14:07 #395143 von Charles
Sin City wurde erstellt von Charles
<span style='font-size:12pt;line-height:100%'>Rote Lippen, weißes Blut</span>

Von Andreas Borcholte

Harte Kerle, leichte Mädchen: Mit "Sin City" ist den Regisseuren Robert Rodriguez und Frank Miller die perfekte Comicverfilmung gelungen - und eine digitale Hommage an den Film noir.

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Es sind die Bilder, die diesen Film einzigartig machen: Die Bewährungshelferin Lucille wird nachts geweckt. Als wohlgeformter Schattenriss steht sie nackt an ihrer Kommode, die Knarre im Anschlag, im Hintergrund ein grellweiß erleuchtetes Fenster. Oder Marv, der am Steuer eines sehr schnellen Wagens sitzt und bei offener Fahrertür neben sich einen Gauner über den Asphalt schleift und dabei einen Riesenspaß hat. Oder Jackie Boy, der auch mit durchgeschnittener Kehle und einem Pistolenlauf in der Stirn noch vor sich hin brabbelt.

Der texanische Regisseur Robert Rodriguez, ein Busenfreund Quentin Tarantinos, hat diese Bilder aus Frank Millers Comic "Sin City" herauskopiert und sie in Bewegung gesetzt. Sein Film sei keine Adaption eines Comics, sondern vielmehr eine Übersetzung, sagt Rodriguez. Gelungen ist ihm in jedem Fall eines der visuell beeindruckendsten Werke der jüngeren Kinogeschichte.

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"Sin City", jene Phantasiestadt, die sich der Comiczeichner Miller schon als Zwölfjähriger ausmalte, ist eine Art Sammelstelle für verlorene Seelen und gefallene Engel. Kein Cop, der nicht korrupt ist, kein Mädchen, das nicht im Stripclub tanzt oder auf der Straße anschaffen geht, kein Kerl, der keinen Dreck am Stecken hat. Kanonen werden zärtlich gestreichelt und Gladys genannt. Auch Trenchcoats sind wichtig in "Sin City", jene maskulinen Kleidungsstücke, die Humphrey Bogart einst in Klassikern wie "Der Malteser Falke" und "Der große Schlaf" trug. Lange Mäntel als Schutz gegen menschlichen Schmutz in einer Stadt der ewigen Nacht, in der ständig Regen fällt, strichweise auf dreckige Gassen und miese Kaschemmen voller gescheiterter Kreaturen. Wer sich hier verliert, findet aus dem sündigen Rhythmus aus Sehnsucht und Liebe, Tod und Vergeltung nie wieder heraus.

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In den dreißiger und vierziger Jahren gaben Schriftsteller wie Dashiell Hammett, Raymond Chandler und Cornell Woolrich Szenerien wie diesen einen festen Platz in der amerikanischen Literatur. "Hardboiled" nannte man ihre Sex- und Crime-Geschichten um zwielichtige Detektive und verruchte Frauen. Regisseure wie Orson Welles und John Huston bannten die Storys mit scharfen Schwarzweiß-Kontrasten auf die Leinwand. In den Schundromanen und den Filmen, die später als Hollywoods Schwarze Serie in die Kinogeschichte einging, fanden die von Wirtschaftsdepression und Weltkrieg gebeutelten Amerikaner Zuflucht: Knochenharte Kerle wie Philip Marlowe und Sam Spade quittierten jeden Schlag in die Magengrube mit einer verächtlichen Grimasse und zündeten sich eine neue Zigarette an. Es waren Romantiker, die sich nach einfachen Regeln und echten Gefühlen in einer komplizierten Welt sehnten.

Ebenso konservativ, wenn nicht reaktionär, ist die Sicht auf Frauen in dieser Traumwelt echter Machos. In fiktiven Metropolen wie "Sin City" sind Frauen wandelnde Stereotypen der männlichen Lust: verruchte Sexbomben im Sadomaso-Mieder, verschlagene Luder mit blonder Mähne oder fatale Flittchen, die den Helden nichts als Ärger bescheren.

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Gleich drei dieser von Leben und Liebe Geplagten spielen die Hauptrollen in den ineinander verwobenen Episoden von "Sin City": Marv (Mickey Rourke), der den Tod seiner geliebten Hure Goldie rächen will und dabei eine Spur aus Blut und abgerissenen Gliedmaßen hinterlässt; Dwight (Clive Owen), der aus unerfüllter Liebe zu der Prostituierten-Amazone Gail (Rosario Dawson) zum Cop-Killer wird; und Hartigan (Bruce Willis), der alternde Bulle mit dem Herzfehler, der sich zum rettenden Engel für die junge Unschuld Nancy (Jessica Alba) aufschwingt. Alle drei entstammen der siebenbändigen "Sin City"-Saga Millers, der seine Hommage an den Film noir in abgrundtiefem Schwarz und gleißendem Weiß gezeichnet hat.

Bei Robert Rodriguez hat diese Welt auch Zwischentöne: Ein paar Grauschattierungen, ein paar kirschrot geschminkte Lippen, eine Figur namens Yellow Bastard, die tatsächlich ekelgelb ist. Ansonsten ist alles wie in Millers Büchern: Jedes Bild, jeder Dialog, jede Perspektive wirkt wie abgemalt. "Sin City" ist die perfekte Comicverfilmung.

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Die Entstehungsgeschichte dieses ungewöhnlichen Films ist schon fast eine Hollywood-Legende. Um den Comic-Auteur Miller, der "Sin City" als sein Heiligtum betrachtet, davon zu überzeugen, aus seinen Büchern einen Film zu machen, beförderte Robert Rodriguez den Zeichner kurzerhand zum Co-Regisseur. Das kostete ihn seine Mitgliedschaft in der Regisseurs-Gewerkschaft, denn nach Hollywoodregeln darf es bei jedem Film nur einen Regisseur geben. Rodriguez war so wild darauf, "Sin City" zu verfilmen, dass er noch nicht einmal ein Drehbuch schrieb; Millers Comic-Dialoge sollten eins zu eins übernommen werden. In den berühmt-berüchtigten Miramax-Bossen Bob und Harvey Weinstein fanden die beiden ein Produzententeam, das der wahnwitzigen Vision freien Lauf ließ.

Mit modernster Digitaltechnologie verliehen Miller und Rodriguez ihrem Werk seinen artifiziellen Schwarzweiß-Look. Gefilmt wurden lediglich die Darsteller, der Rest entstand im Computer. "Sin City" ist nicht der erste Film, der diese umstrittene Technik anwendet. Das Action-Spektakel "Sky Captain and the World of Tomorrow" und die Comic-Adaption "Immortal" wurden auf ähnliche Weise gedreht, sahen aber scheußlich aus. Rodriguez gelang es erstmals, aus dieser digitalen Antithese des Zelluloid-Kinos eine Kunstform zu machen.

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Die totale Künstlichkeit dient vor allem der Inszenierung von äußerster Brutalität. Frank Millers Exzesse aus spritzenden Blutfontänen und abgerissenen, manchmal abgenagten Gliedern finden sich originalgetreu auf der Leinwand wieder. Erträglich wird dies nur durch die völlige Abstraktion: Das Blut fließt in strahlendem Weiß, Kugeln durchdringen Körper ohne Effekt. Die Helden müssen sich immer wieder aufraffen, dürfen nicht sterben, bis ihre Mission erfüllt und Erlösung in Sicht ist. So kompromisslos und virtuos wurde Gewalt im amerikanischen Kino schon lange nicht mehr inszeniert. Rodriguez, der sich mit Bleigewitter-Opern wie "From Dusk till Dawn" und "Desperado" einen Namen gemacht hat, zieht eine Linie von Sam Peckinpah ("Getaway") über Martin Scorsese bis zu seinem Vorbild Tarantino, der auch eine Szene in "Sin City" drehen durfte.

So ist "Sin City" in seiner episodischen Struktur, seiner bis ins Absurde stilisierten Gewalt und seinem haarsträubendem Humor "Pulp Fiction" in Vollendung - ein grandioses Stilexperiment von Cineasten für Cineasten. Alles, ob Action, Horror oder Gewalt, hat hier nur einen einzigen Zweck: sich selbst zu zelebrieren. Echter Schmerz, spürbares Leid finden sich nur in jenen vereinzelten Farbtupfern wieder: Manchmal dürfen die harten Kerle auch rotes Blut vergießen. Kein Subtext und keine Moral verbergen sich unter dieser ebenso brillanten wie oberflächlichen Inszenierung. Alles ist eins zu eins an "Sin City", die Botschaft ist das Bild.

Sin City

USA 2005. Regie: Robert Rodriguez, Frank Miller. Buch: Frank Miller. Darsteller: Mickey Rourke, Brude Willis, Clive Owen, Benicio Del Toro, Elijah Wood, Jessica Alba, Rosario Dawson, Rutger Hauer, Nick Stahl, Brittany Murphy, Jaime King, Carla Gugino, Devon Aoki, Michael Madsen, Josh Hartnett.
Produktion: Dimension Films, Troublemaker Studios.
Verleih: Buena Vista. Länge: 124 Minuten.
Start: 11. August 2005

<span style='font-size:8pt;line-height:100%'>Quelle: Spiegel.De</span>

„Zeit, die man zu verschwenden genießt, ist nicht verschwendet.“ —  John Lennon

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27.08.2005 10:48 #400371 von Vincent-The-Falcon
Vincent-The-Falcon antwortete auf Sin City
Dieser Film ist kein guter Film. Er sieht gut aus und ist interessant gemacht, aber er ist dumm. Ähnlich den dazugehörigen Comics.

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27.08.2005 10:50 #400375 von Danny
Danny antwortete auf Sin City

Dieser Film ist kein guter Film. Er sieht gut aus und ist interessant gemacht, aber er ist dumm. Ähnlich den dazugehörigen Comics.

Ahnungsloser :kopf1: :noldno: :

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27.08.2005 10:52 #400378 von Vincent-The-Falcon
Vincent-The-Falcon antwortete auf Sin City

Ahnungsloser :kopf1: :noldno: :

Nein, wieso? Ich kenne die Comics und ich kenne den Film. Was heisst hier "Ahnungsloser"?

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27.08.2005 11:19 #400411 von Danny
Danny antwortete auf Sin City
Dieser Beitrag trifft meine Sichtweise ziemlich genau, folgendes kann ich allerdings nicht mitunterschreiben:

Kein Besserer als Robert Rodriguez, der Regisseur von u. a. dem elegischen "Desperado", dem hysterisch-ironischen "From Dusk Till Dawn", dem <span style='color:blue'>prächtigen "Once upon a Time in Mexico", aber auch den wundervollen "Spy Kids", könnte das verfilmen.</span>


Spy Kids und vor allem "Once Upon A Time In Mexico" sind einfach nur :sick: :sick: :sick:

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28.08.2005 13:13 #400597 von Colonel
Colonel antwortete auf Sin City

Weil der Film halt rockT, also meiner Meinung nach, und ich schon ein ganzes Weilchen keinen Film mehr gesehen habe, der mich 2 Stunden lang so kurzweilig unterhalten hat. Weiterer Pluspunkt: Für mich als Comic-Fan ist Sin City der erste Film, welcher die sehr spezielle "Comic-Sprache" adäquat auf die Leinwand bringt. Beim schauen beschleicht einem tatsächlich das Gefühl, man lese ein Comic (nur dass der Film noch viel besser aussieht). Das kann man nun gut oder schlecht finden, mir gefällt es sehr. Ich würde meine Begeisterung für dieses Movie gerne noch in weitere Worte fassen. Leider fehlt mir dafür grad die Zeit, und zudem können das andere viel besser als ich:

Danny, Du sprichst mir tief aus der Seele!
Seit langem habe ich mich nicht mehr 2 Stunden am Stück so sau gut unterhalten wie bei diesem Film.
Die geniale Umsetzung der Comic-Szenen, die verwendeten Dialoge (die in der Tat wie 1:1 übernommen von den Comics erscheinen...es ist treffend formuliert, daß man glaubt jemand liest einem aus nem Heftchen vor und man sieht dabei im Kopf die Bilder dazu!!!!), die Leistung der Schauspieler. (Mickey Rourke in seiner besten Rolle würde ich sagen, aber auch Willis überzeugte mich sehr in seiner Rolle...eigentlich spielte jeder Darsteller ij Sin City überdurchschnittlich gut!).
Soviel Spannung, Witz & Humor, so hervorragend in düsteren schwarz/weiss Bildern umgesetzt.
Abgesehen davon, daß ich "Sin City" als die bisher aller beste "Comic Verfilmung" bewerten würde (vieleicht auch deswegen, weil der Author selbst am Dreh beteiligt war????), so finde ich den Film an sich meisterhaftes Kino. Die 126 Minuten gingen rasant vorbei, jede Minute war Unterhaltung pur!
Seit´"Sieben" hat mir kein anderer Film im Kino solche Freude beim Sehen bereitet.
Kein Protz und Prunk Kino ala Spiderman, sondern lebendig gewordene Comicseiten mit sehr viel Liebe zum Detail inszeniert. Besser kann man es nicht machen...
Ab 18 Jahre ist der Film und dadurch leider für viele Teens im Kino nicht zu sehen (was man bei uns merkt, denn er läuft nur in ein paar Filmpalästen), aber auf DVD wird er noch Rekorde feiern....
Was mir aufgefallen ist, daß sowohl bei mir als auch bei anderen die ihn sahen, fast ausschließlich Männer im Kino-Saal gesessen haben... :null:

Auf einer Skala von 1-10 würde ich den Film ohne Abstriche mit einer 10+ bewerten! :up: :beifall:
Prädikat: Besonders wertvoll...ein wahres Meisterwerk, dem ich schon jetzt einen noch folgenden Kultstatus voraussage! :ergeben:

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02.11.2005 01:21 #422020 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf Sin City
Dies wird Mitte Dezember offiziell bei mir eintrudeln! :beifall:

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DISC ONE

Original Feature Film Presentation

Feature Commentary with Robert Rodriguez & Frank Miller

Feature Commentary with Robert Rodriguez & Quentin Tarantino

Feature Commentary of Austin Premiere Audience Reaction

Behind-the-Scenes Featurettes

A Hard Top With A Decent Engine: The Cars of Sin City

Making the Monsters: Special Effects & Make-Up

Trench Coats and Fishnets: The Costumes of Sin City

Booze, Broads & Guns: The Props of Sin City

How It Went Down: Convincing Frank Miller to Make The Film

Giving The Characters Life: Casting the Film

Special Guest Director, Quentin Tarantino

Sin-Chroni-City Interactive: As the viewer watches Sin City, it becomes apparent that the characters and their stories are not isolated, but intertwined. It is also revealed that the timelines for these stories are not in synch—and yet not entirely independent. This interactive feature allows the user to get a timeline view of the happenings of Sin City. The user can see the overview schematic of the scenes in chronological order and then zoom in for more detail on any of the events.

Teaser and Theatrical Trailers


DISC TWO


Sin City Recut Extended Unrated Feature Film Presentation (with 23 added minutes)

Full-length expanded cuts of each individual episode (“Customer Is Always Right,” “The Hard Goodbye,” “Big Fat Kill” and “That Yellow b*****d”) split out into short films – each with their own title cards and in their own complete form; viewers can watch separately and in any order desired.

15 Minute Flick School – Showing how everything was done, including the development of the look of the movie before there was financing, plus early screen tests, rehearsal tapes, final effects. Narrated and cut by Robert Rodriguez.


All Green Version – A high speed look at the entire movie with only its green screen elements.

The Long Take – A full uninterrupted 17 minute take during the filming of Quentin's segment. Audience gets to see what it's like to sit in the middle of a whirlwind of creativity while the camera is rolling. They never call cut, so everyone is concentrating, working, experimenting and being creative for 17 minutes straight. Very interesting to watch, and hear everyone brainstorming and improvising. Clive, Nicotero, Rodriguez, Tarantino, and Del Toro, Stevie J, all doing their thing at one point or another.


Sin City: Live in Concert – Sin City filmmakers, cast and crew head over to Antone’s restaurant one night after shooting “That Yellow b*****d” so Bruce Willis' and Robert's band Chingon could play a benefit show. Shows the full version of Bruce and his band playing the song "Devil Woman" and Rodriguez and his band playing the “Theme from Sin City.”


10 Minute Cooking School: Sin City Breakfast Tacos – Rodriguez’s meal of choice during the lnog night hours of making Sin City. Shows how to make Rodriguez’s grandma’s secret homemade flour tortilla recipe as well.

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