Tomorrow Is A Long Time

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13.09.2004 16:09 #245608 von User gelöscht
Tomorrow Is A Long Time wurde erstellt von User gelöscht
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<span style='font-size:8pt;line-height:100%'>Erscheinungsdatum: 25. Mai 1999</span>


<span style='font-size:19pt;line-height:100%'>Tomorrow Is A Long Time</span>

Vor gut fünf Jahren ist bei BMG eine CD erschienen, die Elvis' Nashville-Sessions der Jahre 1966-68 beleuchtet. Der Titel dieses Albums lautet Tomorrow Is A Long Time und ist gewählt nach dem gleichnamigen Song aus der Feder von Bob Dylan, einem der möglichweise zwei wichtigsten und von der Öffentlichkeit unglücklicherweise am wenigsten wahrgenommenen Elvis-Songs der zweiten Hälfte der 60er Jahre (der andere ist "Guitar Man"). Obwohl die Zeit ab spätestens Mitte der 60er bis zu seinem NBC-TV-Special Ende 1968 in der allgemeinen Geschichtsschreibung der Rock-Musik sowie in der öffentlichen Wahrnehmung für gewöhnlich als Elvis' musikalisch schwächste gilt, versammelt das Album immerhin 18 Tracks, die mit seinen Filmen nur beiläufigst zu tun haben. Im Meer der Soundtrack-Aufnahmen dieser Jahre bildet das hier aufgenommene und ausschießlich von Felton Jarvis produzierte Material ein eigenständiges und in sich abgeschlossenes Werk der späteren 60er Jahre. Merkwürdigerweise wurde es bisher offenbar wenig bis kaum wahrgenommen.

Bei Amazon.de dümpelt Tomorrow Is A Long Time derzeit nicht nur auf einem unglücklichen 81.750 Verkaufsrang herum (zum Vergleich: der zeitgleich veröffentlichte Re-Issue von "Moody Blue" befindet sich zurzeit auf Rang 8.478, wurde und wird also gut und gerne zehn Mal mehr verkauft). Nein, bisher hat sich auch keiner der ansonsten nicht schreibfaulen Elvis-Fans unter den Amazon-Kunden dazu hinreißen lassen, auch nur eine einzige Kundenrezension zu verfassen. Und selbst hier im Forum stößt man auf nicht mehr als einige vereinzelte Erwähnungen des Albums, aber auf keine größere Rezension. Was könnte der Grund dafür sein? Hat er seinen Ursprung vielleicht in dem immer wieder gerne einmal hevorgekramten Argument, die Songs seien ohne Ausnahme bereits auf der sog. "60er Box", From Nashville To Memphis - The Essential 60's Master I, enthalten. Bei jeder nachfolgenden Single-CD-Compilation handele es sich somit zwangsläufig um nicht mehr als eine weitere - unnötige - Verwurstung des ewig gleichen Materials. Eine Lizenz zum Geldrucken gewissermaßen. Da ist was dran. Für denjenigen, der die großen Boxen besitzt zumindest. Aber wie halten es nun diejenigen Elvis-Fans "im weiteren Sinne", die möglicherweise nicht das Geld für eine 5-CD-Box investieren, aber dennoch einen Überblick über eine von offizieller Seite bis dato nur stiefmütterlich - nämlich gar nicht - bedachten Phase von Elvis' Karriere erhalten möchten? Eine große Sammlung kann doch kein Grund sein, gute Einzelbausgaben zu vernachlässigen oder gar dagegen zu argumentieren. Ebenso gut könnte man einem Literaturinterssierten raten, er solle sich die große Weimarer Ausgabe kaufen, wenn er den "Werther" lesen möchte ...

Die Ende letzten Jahres bei FTD erschienene CD So High wurde von den Fans in den höchsten Tönen als eine Veröffentlichung gelobt, die beweise, dass Elvis - "lost in Hollywood" - mehr aufgenommen habe als nur durchschnittliche Filmsongs. Wenn man jemandem genau das vor Augen führen wolle, so solle man ihm oder ihr nur diese CD vorspielen! So waren mehr oder weniger die Reaktionen. Da mutet es doch fast befremdlich an, dass der allergrößte Teil der auf der So High als sog. "alternate takes" erschienenen Songs (Ausnahmen: "Big Boss Man", "Indescribably Blue" und "Fools Fall In Love") als Master vor bereits fünf Jahren auf der - im Vergleich wenig bis kaum bedachten - Tomorrow Is A Long Time enthalten war ...

Über Elvis' Version seines Songs (aufgenommen, noch bevor er selbst es tat) sagte Dylan schlicht und einfach: "The greatest moment in my career." Da fragt man sich doch, ob hinter diesem Zitat eines der - neben Elvis und den Beatles - wohl wichtigsten Musikers der vergangenen 50 Jahre tatsächlich ein Mann steht, der, ohne jeden Qualitätsanspruch an sein Material, stumpfsinnig Demotapes von drittklassigen Filmsongs kopierte und sich ansonsten mehr oder weniger gehen und den lieben Gott einen guten Mann sein ließ -- oder ob da vielleicht mehr dahiner stehen könnte? "Tomorrow Is A Long Time" zumindest ist ein erstaunliches Stück. Mit 5:21 Minuten ist es nicht nur Elvis' längster Titel überhaupt. In diesen gut fünfeinhalb Minuten wirft Elvis' Interpretation so ziemllich alles über den Haufen, was man bisher von Bob Dylan, seiner Musik, seinem Gesang und einem möglichen Zusammenhang mit Elvis Presley gedacht haben mag. Wenn Elvis - angesiedelt irgendwo zwischem weichem Bariton und leichtem Tenor - Bob Dylan singt, sprengt er nicht nur die Grenzen dessen, was man bisher von ihm gewohnt war und erwartet hat. Er erweitert auch Bob Dylans Musik um die Erfahrung, dass man seine auch tatsächlich singen - und zwar schön und perfekt - singen kann, ohne das darunter das Material leidet.

"I can't see my reflection in the water
I can't speak the sounds that show no pain
I can't hear the echo of my footsteps
I can't remember the sound of my own name ..."


Wann hat man Elvis schon so sinnieren gehört über solche Zeilen, hat man ihn je derartig verunsichert erlebt über sein eigenes und das allgemein anerkannte Weltbild seiner Zuhörerschaft? Vielleicht auch das ein Grund, dass dem Song keine Möglichkeit für eine größere Aufmerksamkeit geboten wurde, versteckt und verramscht irgendwo auf einem B-Movie-Soundtrack wie Spinout? Wenn Elvis' Filme Ende der 60er Jahre auch vielleicht Relikte einer sich dem Ende zuneigenden Epoche waren, so zeigt dieser Song deutlich, dass er auf der anderen Seite den Kontakt zu zeitgemäßer Musik eben doch nicht verloren hatte.

"Tomorrow Is A Long Time" enthält den Presley-üblichen Mix verschiedenster Musikstile, wie er so vielleicht zuletzt auf dem bereits zu Lebzeiten erschienenen Album "Elvis Is Back!" (1960) - üblicherweise gehandelt als eines seiner besten - zu finden war: Neben dem sich seinezeit erst im Entstehen befindlichen Genre des Country-Rocks ("Guitar Man" und "U. S. Male" - Country-Underdog Jerry Reed "pickte" seine charakteristische Gitarre in gleich zwei von Elvis' besten Sessions dieser Zeit) enthält das Album erstklassige Blues-Nummern ("Big Boss Man", "Hi-Heel Sneakers", "Down In The Alley") sowie einige von Presleys besten und zeitlosesten Balladen ("Love Letters", "You Don't Know Me", "I'll Remember You" und "Indescribably Blue"), sowie ein weiteres seiner stets eindrucksvollen Chuck-Berry-Cover ("Too Much Monkey Business"), Country ("Just Call Me Lonesome", "Singing Tree", "Stay Away") und nicht zuletzt das Rock'n'Roll-ähnlichste, was er seit Jahren aufgenommen hatte ("Fools Fall In Love" und "Come What May"). Mit "Goin' Home" und dem titelgebenden und bereits erwähnten "Tomorrow Is A Long Time" wagte er sich sogar in zeitgemäße Folk-Bereiche vor.

Auf den ersten Blick lässt die Songabfolge nur Ungutes vermuten: Da wird innerhalb der ersten sechs Tracks ein großer Teil des wohl bekannesten und spektakulärsten Materials dieser Zeit geradezu "verheizt": Hier wird ein Feuerwerk aus "Too Much Monkey Business" (was für ein Opener!), "Guitar Man", "Tomorrow Is A Long Time", "U. S. Male", "Big Boss Man" und "Love Letters" abgebrannt, dass es nur so kracht. Merkwürdigerweise bleibt die beinahe schon zu erwartende "große Flaute" danach aus. Der energiegeladene und überaus gewagte Start zahlt sich offenbar aus. Der Hörer bleibt dran, das Interesse ist geweckt. Durch in der Folge klug gesetzte Highlights bleibt die Spannung durchgängig und bis zum Schluss erhalten.

Die erste Hälfte (gewissermaßen eine imaginäre "Side A:") endet nach neun Tracks mit "Hi-Heel-Sneakers", einem knackigen Blues-Titel, der, was die Spielfreude der Musiker und Elvis treibenden, immer wieder Improvisationen hineinschleudernden und Einwürfe machenden Gesang betrifft, einem Glanzstück aus längst vergangenen geglaubten Zeiten wie "Reconsider Baby" in kaum etwas nachsteht. Chip Young oder Harold Bradley hatten den Titel, so Ernst Jorgensen in "A Life In Music", eigentlich nur vorgeschlagen, um den zweiten Tag der Sessions ans Laufen zu bringen. Dementsprechend jam-mäßig und frei von der Leber weg kommt der Song daher, auch wenn es, anders als bei "Reconsider", nicht bei einem einzigen Durchgang blieb, sondern sieben Takes bis zum Master brauchte. Egal, nach über viereinhalb Minuten (Elvis' möglichweise bis dahin längstem Song, abgesehen von "Tomorrow Is A Long Time") knurrt und brummt und summt es aus Elvis heraus wie es zurfriedener, vertrauter und besser gelaunt kaum gehen könnte. Die "erste Seite" hat einen würdigen Abschluss.

Das folgende "Down In The Alley", der erste Titel der (gedachten) "Side B:" des Albums, greift den Faden von "Sneakers" auf und setzt da an, wo die erste Hälfte geendet hat, beim Blues. Fast anderthalb Jahre zuvor war es Elvis gewesen, der während seiner legendären "How Great Thou Art"-Sessions diesen Titel mit Bezug in seine Jugend (Autor war Jesse Stone von den Clovers, einer von Presleys Lieblingsgruppen) angefragt hatte. Da die Band mehr oder weniger unvorbereitet war, suchte Elvis laut Jorgensen vorerst vertraute Unterstützung bei Scotty und D. J., um den Song ans Laufen zu bekommen. Zu Beginn eines alternate takes kann man hören, wie er Anweisungen gibt und versucht, die Band zusammen zu bekommen. Ein weiterer Song, der von ungebrochenem Willen zeugt, aus dem Jam - einem freien Ausprobieren und Experimentieren, man könnte auch sagen: einem Improvisieren - etwas Brauchbares zu erschaffen. Es brauchte für ihn nur stets die richtige Stimmung, den richtigen Moment, der nach neun Takes gefunden war.

Zusammen mit "Hi-Heel-Sneakers" bildet dieser Song zur Mitte des Albums und nach dem beschriebenen fulminanten Start so etwas wie den Höhepunkt, die Essenz, des Albums. Wenn zu diesem Zeitpunkt eines deutlich geworden ist, dann, dass Elvis Presley, gefangen in einem Netzwerk aus zu erfüllenden Film-Verträgen, einem überforderten Manager in Kombination mit einer einfallslosen Plattenfirma, das Handtuch noch lange nicht hingeworfen hatte. Und wenn man einen Zuhörer bis zu diesem Zeitpunkt davon nicht überzeugen konnte, dann kann man es gar nicht. Sowohl Titel als auch Aussage von "Come What May", einem weiteren Song, der irgendwie zurück reicht in Elvis' Jugend (sein Idol Clyde McPhatter - "If I could sing like that man I'd never want for another thing" - hatte ihn 1958 aufgemommen), klingt da fast wie eine Ansage: "I'll be here with you, come what may!" Jetzt erst recht! Lockerer, entspannter und dennoch voll und mit Freude und eigen stimmlichen Freuden-Hüpfern ist der Mann hier bei der Sache. Ein charakteristisches Gitarren-Opening sowie ein erstklassiges (und möglicherweise eines seiner letzten) Saxophon-Solo von Nashville-Legende Boots Randolph bestechen geradezu durch ihre Lockerheit und sind Aushängeschild für die ungezwungene Stimmung, mit der hier, quer durch das ganze Album, Musik gemacht wird. Im Anschluss ist "Mine", eine wunderschön spärlich arrangierte und perfekt gesungene Ballade, das vielleicht Nashville-ähnlichste, was die CD bietet. Zeuge eines sich dem Ende zu neigenden Karriere-Abschnitts. "Mine", der dritte Titel der "B-Seite", spiegelt auf diese Weise "Tomorrow", den dritten Titel der "A-Seite", wider, das Aufbruch bedeutete. Weitere persönliche Rückblicke und Reminiszenzen an die Helden seiner Jugend folgen mit den beiden erstklassigen Lesarten von "Just Call Me Lonesome" und dem umwerfenden "You Don't Know Me", beides Hits für ein anderes von Presleys Jugendidolen, Eddy Arnold.

"Stay Away", Titelsong von einem von Elvis' letzten Filmen, "Stay Away, Joe", übt - nicht zuletzt vielleicht durch eine weitere stimmlich hingebungsvolle und ernsthafte Performance - eine verführerische, beinahe verzaubernde Anziehung aus. In etwas mehr als anderthalb Minuten "Netto-Singzeit" nimmt Elvis, schluchzend und schwärmend über eine berührende Naturschilderung, die auf ihre Art wiederum "Tomorrow Is A Long Time" aufgreift ("There's beauty in the silver singing river There's beauty in the sunrise in the sky"), und eingebettet in ein dramatisch-zügiges Arrangement, den Hörer mit auf eine imaginäre Reise zu einem Ort, von dem er "far too long" entfernt war. Wieder trifft hier Rückbesinnung mit dem Vorhaben, sich zu bewegen, weiterzuentwicklen, zusammen.

Ähnliche Momente der Rückbesinnung greifen gegen Ende der CD auch die Songs "Singing Tree" und "Goin' Home", letzterer mit einem leichten Abstecher in den Folk, auf. "Singing Tree" ist vielleicht der am ehesten verzichtbare Song auf dieser CD. Schon bei der Aufnahme machte er Probleme und wurde vorerst auf Eis gelegt. Letztendlich ist er aber dennoch so etwas wie ein singender Zeuge für Elvis' Willen, die Dinge fertig zu bekommen, sich zu bewegen. Er besticht am ehesten durch die Tatsache, dass Elvis sich hier selbst in einer zweiten Stimme begleitet. Krönender Abschluss des Albums ist eine von Elvis' besten Balladen, "I'll Remember You", vielen möglicherweise bekannter durch die '73er Version auf Aloha From Hawaii als durch die hier veröffentliche Studioversion. Ein von Erinnerungen an einen vergangenen Sommer erfüllte Song (wieder findet sich hier - und an dieses Mal entscheidener Stelle - am Schluss nämlich -, das Thema der Rückbesinnung), gesungen irgendwann unmittelbar vor dem unweigerlichen, dramatischen Ende einer Liebesbeziehung. Im Vergleich zur "Aloha"-Version ist der Song nicht nur unendlich lang (und steigert so die Stimmung des endgültigen Verlustes), sondern auch dementsprechend wunderbar langsam arrangiert. Eine einsame Harmonica, eine klingende akustische Gitarre sind fast alles, was Elvis auf dieser "Reise zurück" - und gleichzeitg vorwärts - begleiten. Ein Tonartwechsel verstärkt die dramatische Wirkungen der Geschichte dessen, der von einer verflossenen Liebe singt ... Und irgendwie klingt auch dieser Song schon Nashville-untypisch, folkiger, zeitgemäßer, wie auf der Grenze zu etwas neuem aufgenommen, obwohl das Material u. U. anderes vermuten lässt. Elvis' Stimme klingt reifer, weniger schwärmerisch und dramatisch als in den typische Nashville-Balladen der frühen 60er Jahre, obwohl Anlagen noch immer vorhanden zu sein scheinen. Wie gesagt: Auf der Grenze. Auch wenn es die meisten der auf diesem Album versammelnten Songs auch tun, so verkörpert "I'll Remember You" vielleicht am deutlichsten und eindrucksvollsten den Aufbruch zu neuen Ufern. Ob Elvis selbst ihn seinerzeit schon gespürt hat - erhofft haben dürfte er ihn auf jeden Fall - ist fraglich. Diese CD jedenfalls hat nichts anderes zum Thema.

Während die erste Hälfte der CD mit Songs wie "Too Much Monkey Business", "Guitar Man", "U. S. Male", "Big Boss Man", "Hi-Heel Sneakers" und selbst mit "Fools Fall In Love" und "Indescrabably Blue" die Richtung auf eine fast trotzige Art und Weise entwirft und geradezu vorgibt ("Ich bin hier vielleicht einsam und verlassen zurückgelassen worden, aber ich kämpfe und will bei all dem 'Monkey Business' einfach weiterkommen"), ist die zweite Hälfte so etwas wie die Erfüllung dieser Vorgabe. Beide Hälften spiegeln sich im Höhepunkt zur Mitte des Albums (den "rückwärts gewandten" Blues-Songs), woraufhin etwas wie eine sanftere, aber nicht minder nachdrückliche Rückbesinnung, stattfindet, gipfelnd im vermeintlichen "seichten" "I'll Remember You", das in seinem endgültigen und geradezu zelebrierten Abschied gleichzeitig den neu gewagten Aufbraucht bedeutet und verkörpert. Und immer wieder die Rückbezüge auf die "Tomorrow Is A Long Time" entworfene neue Sichtweise der Dinge.

Die CD trägt den seit über zehn Jahren üblichen Aufdruck "digitally remastered". Tatsächlich handelt es sich hier um nichts anderes als eine Zusammenstellung der bereits auf der 60er Box versammelten Master. Auch wenn sie behutsam überarbeitet wurden (letztendlich wurden für meine Begriffe ausschließlich die Bassfrequenzen etwas angehoben, um einen "volleren" Sound zu vermitteln): Von dem oft genannten "new sound" einer 30 #1 Hits oder Second To None ist Ende der 90er noch nichts zu hören. Von DSD ganz zu schweigen. Schade - oder vielleicht auch gar nicht mal so schlecht. So blieb Zeit und Muße für die Besinnung auf das Material und eine unbestreitbar hervorragende Zusammenstellung des Ganzen. Die wiederum ist so gut gelungen, dass man das Album - ohne dass Elvis irgendeinen Einfluss darauf gehabt haben könnte - tatsächlich als etwas betrachten kann, was auch durchaus Ende der 60er und somit zu seinen Lebzeiten hätte erscheinen können. Enthalten sind Songs, die teilweise sicher das Zeug zum Hit gehabt hätten, hätten sie die entsprechende und verdiente Behandlung erfahren. Manche haben es zumindest auf Singles geschafft, waren aber wenig erfolgreich. Vielleicht fehlte ihnen aber eben ganz einfach ein Album wie Tomorrow Is A Long Time zum Erfolg. Man weiß es nicht ...

Ergänzt wird das über die Maßen erfreuliche Hörerlebnis durch eine cool, wenn auch schlicht, gehaltene Artwork (innen gehalten im Stile der Warhol'schen Pop-Art der späten 60er) und achtseitiges Booklet, das eine Besprechung von Colin Escott enthält, und dessen Vorder- und Rückseite zwei fantastische Aufnahmen von einem unendlich sexy und selbstbewusst daherkommenden Elvis aus dem Jahre '68 enthalten. Die Rückseite enthält eine Aufnahme aus "Stay Away, Joe": Elvis in Jeans-Montur in seinem roten Cadillac, lachend, strahlend, augenzwinkernd, relaxt, verführerisch und alles andere als niedergeschlagen, eher locker-zuversichtlich ...

War Elvis in der zweiten Hälfte der 60er Jahre mehr oder weniger von der Bildfläche (sprich: "aus den Hitparaden") verschwunden? Ja. Hat er deshalb aufgehört erstklassige und echte und gute Musik nach seinen eigenen Vorstellungen und Prinzipien zu machen? Nein. Dieses mit unglücklicherweise nur wenig Aufmerksamkeit bedachte Album - zu wenig für meine Begriffe - ist der Beweis.

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13.09.2004 22:39 #245846 von KingOfTheJungle
KingOfTheJungle antwortete auf Tomorrow Is A Long Time
DANKE, dass du diesen Beitrag noch gespeichert hattest! :rose:
Fein zu lesen! :up:

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13.09.2004 22:44 #245850 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf Tomorrow Is A Long Time

DANKE, dass du diesen Beitrag noch gespeichert hattest!

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14.09.2004 01:08 #245954 von Manhattoe
Manhattoe antwortete auf Tomorrow Is A Long Time
Interessabtes Posting, Rider. Schade, dass so etwas so wenig Anklang findet hier im Forum.

Allerdings bin ich der Meinung, dass Du hier etwas überinterpretierst, indem Du ein Konzept (er)findest,
dass es wohl damals nicht gegeben hat.

Fazit: abgehobene Musikkritik, aber tolles Feuilleton.

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14.09.2004 16:39 #246130 von Vincent-The-Falcon
Vincent-The-Falcon antwortete auf Tomorrow Is A Long Time

Interessabtes Posting, Rider. Schade, dass so etwas so wenig Anklang findet hier im Forum.

Wie kommst Du darauf?

Allerdings bin ich der Meinung, dass Du hier etwas überinterpretierst, indem Du ein Konzept (er)findest,
dass es wohl damals nicht gegeben hat.


Was könnte denn, Deiner Meinung nach, die Veranlassung zu dieser Veröffentlichung gegeben haben?

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14.09.2004 19:39 #246233 von Rocker
Rocker antwortete auf Tomorrow Is A Long Time
Ist 'ne geile Platte! Höre ich auch immer wieder gern! :up: :up:
Feines Posting, See See Rider. :up:

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14.09.2004 20:31 #246257 von Manhattoe
Manhattoe antwortete auf Tomorrow Is A Long Time

Wie kommst Du darauf?

Allerdings bin ich der Meinung, dass Du hier etwas überinterpretierst, indem Du ein Konzept (er)findest,
dass es wohl damals nicht gegeben hat.


Was könnte denn, Deiner Meinung nach, die Veranlassung zu dieser Veröffentlichung gegeben haben?

Ich komme darauf, weil die Reaktionen auf so ein stark ausgearbeitetes und gut geschriebenes Posting so spärlich sind.
Irgendwie finde ich das bedauerlich, wenn man vergleicht, dass im Off Topic jedes zweite halbwitzige Sprüchlein dutzende von Postings nach sich zieht.

Anlass für den Release war sicherlich, mit einem "lost album" noch einmal Kasse zu machen.

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14.09.2004 20:44 #246265 von Copperhead
Copperhead antwortete auf Tomorrow Is A Long Time

Ich komme darauf, weil die Reaktionen auf so ein stark ausgearbeitetes und gut geschriebenes Posting so spärlich sind.

Das gabs ja auch schon. Und damals wurde auch diskutiert.

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14.09.2004 21:45 #246278 von Manhattoe
Manhattoe antwortete auf Tomorrow Is A Long Time
Okay, das weiß ich, aber viele Reaktionen waren es damals auch nicht, oder?

Und es geht auch nicht nur um dieses Posting, sondern um die detaillierten Fachpostings im allgemeinen.

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14.09.2004 22:32 #246294 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf Tomorrow Is A Long Time

Okay, das weiß ich, aber viele Reaktionen waren es damals auch nicht, oder?

Und es geht auch nicht nur um dieses Posting, sondern um die detaillierten Fachpostings im allgemeinen.

Naja, das hier ist immerhin "nur" ein Internet-Forum. Die Leute kommen größtenteils her, um sich im weitesten Sinne irgendwie zu amüsieren, ein bisschen auszutauschen, etwas zu diskutieren, ein bisschen zu zanken. Nicht jeder hat die Zeit, die Lust und die Nerven, sich so etwas durchzulesen und dann auch noch "adäquat" zu antworten. Ich kann das verstehen. Inzwischen. Noch im mai war ich etwas beleidigt, muss ich zugeben, aber jetzt kapiere ich irgendwie. Ich werfe niemandem vor, wenn er nicht "mit gleicher Münze zurückzahlt" (oder so, mir fiel jetzt kein blöderer Spruch ein). Das ist schon in Ordnung. Nicht jeder ist auch so irre wie ich und verplempert seine Zeit mit solchen Sachen. Ich glaube, an dem Ding habe ich anderthalb Wochen oder so gesessen (also immer mal abend einige Minuten, man muss ja auch posten! :adeal: ). Mir macht's halt Spaß und entspannt mich, und das ist alles, was dür mich zählt. Hätte KOTJ nicht danach gefragt, ich hätte das Posting hier nicht noch mal reingesetzt. Ich hoffe, dem ein oder anderen macht es Spaß, aber entsprechend groß antworten muss eigentlich niemand. Wie will man auch auf so ein Geschwalle richtig antworten? Würde ich so etwas von jemandem anderes lesen, würde es mich auch irgendwie erst einmal lähmen und erschlagen. Ist normal.

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