TV-Doku könnte Elvis' Image nachhaltig verändern

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04.09.2005 16:00 #403409 von User gelöscht
TV-Doku könnte Elvis' Image nachhaltig verändern wurde erstellt von User gelöscht
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<span style='font-size:10pt;line-height:100%'>„Maybe some other time, in some other place
With our love in your heart and a smile on your face
You will know who I am
When that time comes you’ll know who I am ...“
</span>


<span style='font-size:15pt;line-height:100%'>ELVIS by The Presleys</span>

Einer der entscheidenden Gründe dafür, warum Elvis Presleys Ansehen und seine Bedeutung in der öffentlichen Wahrnehmung seit spätestens seinem Tod so waren wie sie waren, ist möglicherweise in der Art und Weise zu suchen, in der sein Nachlass stets mit der Öffentlichkeit kommunizierte, oder besser: Vielleicht ist er in geradezu der Ermangelung einer gelungenen, wenn überhaupt einer irgendwie gearteten Kommunikation zu finden.

Sei es die Befürchtung, sich durch den Versuch einer auch nur ansatzweise als „Erklärung“ zu verstehenden Öffentlichkeitsarbeit in eine Art „Rechtfertigungsposition“ zu begeben, sei es die Hoffnung, so zumindest das noch bewahren zu können, was immerhin vorhanden war: Die Geschichte von der Legende zu Lebzeiten, vom unerreichten Übervater des Rock’n’Roll, vom „King“. Nichts war bisher wirklich geeignet, Elvis der breiten Öffentlichkeit so zu präsentieren wie sowohl er als auch sein Werk es eigentlich verdient hätten. Letztendlich endete es stets in einem Zustand, dem Elvis-Guru Ernst Jorgensen im Vorwort seines Standardwerks A Life In Music – The Complete Recording Sessions "absolute contradictions and erratic logic“ attestierte. Sei es die Veröffentlichungspolitik nach seinem Tod, die erst nach gut 15 Jahren eine gewisse Logik und Struktur erkennen ließ, sei es eine als eine Art Vertuschungsversuch zu verstehende Strategie des Rückzugs, indem man beispielsweise ganz öffentlich verkündete, sein CBS-Special für immer im Giftschrank verschwinden zu lassen. Dem Fan erschien das alles stets wenig verständlich, die Öffentlichkeit bekam es entweder nicht mit oder sie sah darin einen wenig geglückten Versuch, die unschönen Seiten zu verstecken und glaubte lieber an das, was ein Albert Goldman ihnen vorsetze. Oder beides ...

Dabei hätte man ganz einfach nur die Geschichte erzählen müssen. Vielleicht schien die Zeit und fühlten sich die Protagonisten nicht reif dafür; Vielleicht waren sie es tatsächlich nicht. Vielleicht brauchte es Vorbereitung und zuerst einmal die weltweite Aufmerksamkeit in Gestalt des A Little Less Conversation-Remixes, um zu zeigen, wer Elvis war, was er konnte, was er bedeutete und bedeutet. Vielleicht benötigte es wirklich erst den „Smash-Hit“ 30 #1 Hits, damit man die Sicherheit spüren konnte, sich nun endlich auch guten Gewissens und in Gänze der Person zu nähern.

Sollte es so gewesen sein, dann wäre tatsächlich spätestens jetzt der Zeitpunkt gekommen, die Geschichte zu erzählen. Und über fast viereinhalb Stunden und präsentiert auf zwei vollgepackten DVDs tun das nun enge Angehörige, Familienmitglieder und Freunde unter dem viel versprechenden Titel Elvis by The Presleys. Elvis erklärt durch seine Familie und somit durch einen Teil seiner selbst.


<span style='font-size:15pt;line-height:100%'>Voraussetzung: Weniger ist mehr</span>

Unterteilt in insgesamt elf Kapitel erzählen die Beteiligten ihre persönlich erlebte Geschichte mit Elvis Presley. Was geeignet und geradezu prädestiniert scheint, in eine große Werbeveranstaltung zu münden, ist tatsächlich ziemlich persönlich. Zum einen mag das an dem inzwischen gewonnenen Abstand liegen, darin, dass man sich – wie oben bereits vermutet - tatsächlich Zeit gelassen hat. Zum anderen hat es seinen Grund in der Beschränkung auf die wesentliche Protagonisten und Erzähler. Neben Elvis’ geschiedener Frau Priscilla - zeitweise im Dialog mit ihren Eltern Ann und Paul Beaulieau sowie ihrer Schwester Michelle - sind das von Familieseite ausschließlich seine Cousine Patsy Presley Geranen und natürlich seine Tochter Lisa-Marie. Als ganz offensichtlich in den Kreis der Familie integrierter Freund spielt ausschließlich Jerry Schilling eine weitere tragende Rolle. Kein Red, kein Sonny, keine Memphis-Mafia. Niemand, der einmal eine Cola mit Elvis getrunken oder mit ihm geschlafen hat. Hier hat man sich, möglicherweise unter der Ägide von Priscilla, offensichtlich eine Ein- und Beschränkung aufgelegt. Das ist gut so und erweist sich im Verlaufe der fast viereinhalb Stunden Spielzeit immer wieder und immer deutlicher als einer der großen Vorteile dieser Dokumentation.

Im Laufe eines handwerklich außerordentlich gut gemachten, erstklassig montierten und geschnittenen und großartig musikalisch unterlegten Films erweisen sich alle Beteiligten als unerwartet gute und – man glaubt es kaum – glaubwürdige Erzähler einer Geschichte, von der man - eben aufgrund der Tatsache, dass es bisher noch nicht geschehen war - hätte meinen könnte, sie sei nicht zu erzählen. Über sich hinaus wachsen dabei Priscilla und vor allem Lisa-Marie. Aber auch Jerry Schilling vermittelt eine Glaubwürdigkeit, die letztendlich rechtfertigt, warum man gerade ihn gewählt hat, um Priscilla und Lisa-Marie (gewissermaßen als „dritten Mann“) zur Seite zu stehen. Tatsächlich macht Schilling das Trio auf unspektakulär-nachhaltige Weise perfekt.


<span style='font-size:15pt;line-height:100%'>Die Gestaltung</span>

Elvis by The Presleys kommt in einem regulären DVD-Case mit Trays für zwei DVDs und ist wie so gut wie alle Produkte der vergangenen Jahre außerordentlich ansprechend gestaltet. Das Frontcover ist schlicht und ergreifend gehalten und zeigt auf einem weißen Flügel drei Bilder, darunter ein Foto der Hochzeitsgesellschaft, ein Bild von Elvis auf seinem Pferd sowie das berühmte Familienfoto mit Lisa-Marie und Priscilla. Elvis’ Lesebrille findet sich wie gerade dort abgelegt auf dem Piano vor den Fotos und alles in allem vermittelt dieser erste visuelle Eindruck der DVD bereits so etwas wie Privatsphäre und familiäre Intimität.

Die Grundfarben der Gestaltung bestehen durchgängig aus den Farben Schwarz, Weiß und Gold, die man so bereits von 30 #1 Hits und 2nd To None mitsamt den dazugehörigen Websites kennt. Die beiden DVDs sind im Stile dieser beiden Greatest Hits Compilations und ganz im Sinne eines „Corporate Designs“ gehalten. Die DVD enthält außerdem ein kleines Faltblatt mit den versammelten Infos zur DVD innen und Hinweisen auf andere Produkte (den Soundtrack, 30 #1 Hits, 2nd To None, sowie die DeLuxe Editionen von ELVIS: ’68 Comeback Special und Aloha From Hawaii) auf der Rückseite. Die Rückseite der DVD enthält eine Inhaltsangabe (in Englisch) sowie eine Übersicht über die Kapitel, die Produktion der DVD, sowie Hinweise auf drei Elvis-Websites.

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Nach den üblichen Hinweisen auf die BMG Strategic Marketing Group, Elvis Presley Enterprises geht ein zum Opening Riff „einfliegender“ ELVIS (by The Presleys)-Schriftzug direkt über in das DVD-Menü, das wiederum – dieses Mal animiert – das Bild vom Frontcover zeigt mit wechselnden Bildern in den Bilderrahmen und einem roten (einem blauen auf Disc 2), sich leicht bewegenden Vorhang im Hintergrund. Ohne prätentiös oder gar kitschig zu wirken, erklingt nun im Hintergrund Memories – und das ist tatsächlich atemberaubend rührend, der absolut treffendste Titel, den man hätte wählen können, und damit schlichtweg perfekt für einen Einstieg in die Dokumentation. [Das Menü von Disc 2 ist unterlegt mit Run On, einem außergewöhnlichen und an dieser Stelle vielleicht unerwarteten, aber deshalb nicht weniger treffenden Song.] Disc 2 enthält außer der Kapitelwahl und dem Setup ein weiteres Unterkapitel „Special Features“.


<span style='font-size:15pt;line-height:100%'>Der Inhalt</span>

Viereinhalb Stunden Dokumentation sind zuviel, um an dieser Stelle dezidiert auf jede Anekdote, jeden Gesichtsausdruck, jeden Tonfall, jeden 8-mm-Ausschnitt und jede Ungereimtheit (möglicherweise auch den ein oder anderen Fehler) einzugehen. Über elf Kapitel verteilt wird Elvis’ Geschichte von dem Zeitpunkt an erzählt, von dem an er „by the Presleys“ erzählt werden kann, nämlich beginnend mit dem Treffen zwischen Priscilla und Elvis 1959 in Deutschland und Elvis’ Rückkehr in die USA. Daran anschließend folgt der Bericht von Priscillas Reise in die USA und ihrer Hochzeit. Zu diesem Zeitpunkt beschränkt sich der Kreis der Erzählenden noch auf Priscilla, ihre Eltern, und etwas später ihre Schwester und Elvis’ Cousine Patsy sowie Jerry Schilling. Auf Lisa-Maries „Auftritt“ wartet man bis zu dem Punkt, an dem die Geschichte bei Ihrer Geburt angelangt ist.

Neben der auferlegten Beschränkung auf eher einige wenige Erzähler, die viel zu erzählen haben, als auf viele, die wenig zu erzählen haben, ist das scheinbar einer der Tricks, der diese enorm lange Dokumentation so kurzweilig erscheinen und spannend zu verfolgen lässt: ...

[Fortsetzung folgt ...]

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04.09.2005 22:33 #403551 von Rocker

TV-Doku könnte Elvis' Image nachhaltig verändern

Das ist auch meine Hoffnung, nachdem ich die DVD's heute erstmals angeschaut habe.

Sehr schöne Review, Sideburns. :up:
Freue mich schon auf die Fortsetzung. :)

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05.09.2005 11:20 #403740 von glen d.
Schönes Review, sideburnes !!! :wub: :up: :beifall:

Freue mich schon aud die Fortsetzung !!! :wub:

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05.09.2005 21:01 #404248 von Donald
Schön, wieviel Mühe Du Dir immer mit einem ansprechenden und sinnvollen Aufbau Deiner Reviews gibst, Rider. Weiter so! :up:

Was mir beim Ansehen der ersten Hälfte von DVD 1 (weiter kam ich noch nicht) auffiel: die Untertitelung ist manchmal etwas schlampig, fehlerhafte Übersetzungen, die den Sinn des Gesagten verzerren.

Eigentümlich: zur "Baby What You Want Me To Do"-Footage von 1968 wird der Ton einer 69er Version eingespielt! (etwa bei 31:00) Warum auch immer.





<span style='font-size:8pt;line-height:100%'>Hatte unser

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05.09.2005 21:15 #404252 von Rocker

Was mir beim Ansehen der ersten Hälfte von DVD 1 (weiter kam ich noch nicht) auffiel: die Untertitelung ist manchmal etwas schlampig, fehlerhafte Übersetzungen, die den Sinn des Gesagten verzerren.

Das wollte ich auch gerade in dem anderen Thread posten. Aber da es hier schonmal zur Sprache gekommen ist, kann ich gut daran anknüpfen.
Die Untertitel sind tatsächlich ein kleiner Minuspunkt.
Zum Beispiel am Anfang: Elvis singt: "Heute, morgen und für immer".
Oder Ed Sullivan sagt Elvis an: "Elvis Presley - Friede Im Tal".Danach dann aber Elvis singt: "Peace In The Valley".
Mal werden die Titel übersetzt, mal im Original angegeben.
Was auch verwirrend ist, sind die Übersetzungen von Schlagzeilen oder Buchtiteln, die zeitgleich mit der Übersetzung des gesprochenen Wortes gezeigt werden.
So kann man bei teilweise schnellem Wechsel der Untertitel, nicht mehr unterscheiden, ob es sich um das erste oder zweite handelt. Und dann ergibt der Text plötzlich keinen Sinn mehr.

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06.09.2005 08:20 #404473 von glen d.
Schlampig !!! :klatsch: :austick: :naughty:

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06.09.2005 09:20 #404487 von Donald

Schlampig !!! :klatsch: :austick: :naughty:

Wo ist der Direktor?! :austick:

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07.09.2005 20:45 #405087 von Copperhead

[Fortsetzung folgt ...]

:up:

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07.09.2005 21:40 #405104 von User gelöscht
Neben der auferlegten Beschränkung auf eher einige wenige Erzähler, die viel zu erzählen haben, als auf viele, die wenig zu erzählen haben, ist das scheinbar einer der Tricks, der diese enorm lange Dokumentation so kurzweilig erscheinen und spannend zu verfolgen lässt.

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Die Geschichte wird zwar nicht streng chronologisch erzählt - also nicht in Kapiteln wie „Die Army “ oder „Deutschland“, „Die Hollywood-Jahre“, „Das Comeback“, „Die Scheidung“ o. ä. unterteilt - lässt aber dennoch einen unterschwellig stets vorhandenen „roten Faden“ nicht vermissen. Kapitel wie „The Inner Child“, „The Generous“, „The Seeker“, „The King“ oder „After Dark“ weisen zwar nicht direkt auf eine chronologische Erzählweise hin oder ließen sie auch nur erkennen; Trotzdem gelingt es, eine in gewisser Hinsicht doch chronologische Erzählweise zu entwickeln und durchzuhalten.

Am Ende von Disc 1 ist man nach zweieinhalb Stunden der Ansicht, die Geschichte sei aus dem familiären Blickwinkel heraus komplett erzählt, zumal sie mehr oder weniger eindeutig mit Elvis’ Tod abschließt. Entgegen der - möglicherweise berechtigten – Befürchtung, hier würde eine geschönte und wenig kritische Sicht der Dinge dargeboten, um den Mythos Elvis am Leben zu erhalten und weiter voranzutreiben, endet dieser erste Teil mit einigen sehr ehrlichen, teilweise brutal ehrlichen (vor allem in ihrer Kombination) Statements und Bildern, darunter den Filmaufnahmen von einem am Boden zerstörten Vernon und einem Statement, dass ich so von Lisa-Marie weder kannte noch erwartet hätte. Das allerdings kann man hier so nicht einfach wiedergeben, sondern sollte es gesehen haben. Alleine dafür „lohnt“ (so zynisch es klingen mag) sich der Kauf dieser Dokumentation bereits. Und als habe sie bereits zuviel erzählt, zuviel preisgegeben, endet sie bei noch kurz weiterlaufenden Kamera mit den Worten „We can stop ...“ und einigen Gesten und Gesichtsausdrücken, die zu zeigen scheinen, dass hier jemand – möglicherweise zum ersten Mal – sehr offen und ehrlich über Dinge spricht, die bisher nur tief innen so vorhanden waren.

Priscilla, aber vor allem Lisa-Marie überzeugen bis hierhin tatsächlich über die Maßen und irgendwo ist man selbst erstaunt darüber, dass sich das Bild, das man möglicherweise bisher von ihnen hatte, so nicht bewahrheitet hat. Am Ende sagt Priscilla zwei Sätze, die bei bloßem Lesen zumindest in Ansätzen kitschig, unreflektiert und wenig kritisch klingen mögen: „It’s hurtfull for a man who has given so much to have others pick him apart. I’ll die, you know, defending him and his legacy – becaue he deserved it.“ („Es ist schmerzlich zu sehen wie ein Mann, der soviel gegeben hat, von irgendwelchen Leuten auseinander genommen wird. Glauben Sie mir, ich werde ihn und sein Vermächtnis bis an mein Lebensende verteidigen - weil er es verdient hat.“). Man muss es gesehen haben, um es zu verstehen. Es wirkt tatsächlich ehrlich - und glaubwürdig.

[Fortsetzung folgt ...]

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07.09.2005 23:53 #405177 von Rocker

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