file War Las Vegas richtungsweisend für Elvis' Songauswahl?

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03 Mai 2020 18:01 #936237 von Honeybee
Ich habe gerade darüber nachgedacht, welche Art von Musik Elvis in den 70ern gemacht hätte, wäre er nicht in Las Vegas gewesen.

Ich denke, er war ja bestimmt beeinflusst durch diese Las Vegas-Welt, das Publikum, den dortigen Mainstream. Er musste sich mit seiner Songauswahl doch auch anpassen und überlegen, womit er dort punkten kann.

Glaubt ihr, dass er andere Musik bevorzugt hätte, hätte es Las Vegas für ihn nicht gegeben? Oder hat er ohnehin einfach sein Ding gemacht und Las Vegas hatte sich nach ihm zu richten?

Was für einer war er eigentlich wirklich? Country? Blues? Rock’n’Roll? Balladen? Stand er wirklich auf Schlager? Fand er Hard Rock tatsächlich blöd? Musste er das nicht auch sagen, um glaubwürdig zu sein? Hat Moody Blue ihn begeistert?

Wenn ich ihn im NBC Special höre - und dann diese teilweise pompöse, theatralische Art späterer Jahre - geht das überhaupt zusammen? An welcher Stelle war die Show?

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03 Mai 2020 19:05 #936238 von Mike.S.
Das hast Du ja wirklich viele Themen mit 'reingepackt. Ich glaube, dass Du in diesen Punkten belesener bist, wie ich. Daher nur ganz kurz mein "Gefühl" dazu, damit 'mal jemand den Anfang macht.

Ich denke, auf die Studio-Alben hatte das nach 70 keinen Einfluss mehr. Da musste er nehmen, was ihm die Musikverlage angeboten haben, war ja schwierig genug, gute Nummern zu finden. 1970 musste da vielleicht an der ein oder anderen Stelle noch ein gewisser Bezug zu dem Live-Repertoire bestehen.

An Vegas anpassen ja - aber nur in den ersten zwei Jahren, das merkt man an der Songauswahl 69-70 deutlich. Da ist mit den Orchester-starken Nummern viel Entertainment geboten, wie das zu der Zeit in Vegas üblich war (Sinatra, Tom Jones etc.). Nach den Tours im Süden hat er sein dortiges Standardprogramm auch in Vegas durchgezogen. Ich denke, Vegas war für ihn zu dem Zeitpunkt eher Vertrags-Verpflichtung und nicht mehr so wichtig.

Ich glaube, dass ihn viele Arten von Musik interessiert haben, die von Dir genannten definitiv, aber möglicherweise auch Klassik/Oper. Hard Rock und Jazz würde ich allerdings gefühlsmäßig ausschließen.

Naja, die alten Nummern bei NBC waren ja mehr Rückblick, If I can dream eher die musikalische Zukunft. Insofern passt das schon irgendwie zusammen, wenn man z.B. einen "theatralischen" Titel wie What now my love herauspickt. Ich denke, für ihn war das in der Entwicklung der Sprung von einem reinen Alben-Sänger zu einem On Stage Entertainer, da gehört das halt dazu.

Wenn ich die eigentliche Frage "War Las Vegas richtungsweisend für Elvis' Songauswahl?" beantworten sollte, würde ich generell sagen, nein. Das Material ab 71 deutet eher auf eine verzweifelt gesuchte Fortsetzung der 69 Session hin und dem dringendem Wunsch nach einem weiteren No.1 Hit.

War jetzt nix tolles, aber ein Start, ich schreib' ja lieber über CDs und LPs. Jetzt müssen andere 'ran.
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03 Mai 2020 20:13 - 03 Mai 2020 20:13 #936243 von Honeybee
Danke, Mike. Beim Vergleich zum NBC Special dachte ich nicht so sehr an die Songauswahl, sondern eher an seine Art sich zu präsentieren. Hier macht er ja eindeutig den Rocker. Und im Special sehen wir wirklich einen ganz anderen Elvis als Jahre später in Las Vegas.

Welcher Elvis von den beiden kam ihm wohl am nächsten?

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Letzte Änderung: 03 Mai 2020 20:13 von Honeybee.

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03 Mai 2020 20:15 #936244 von Alsterläufer
Ich vermute, da der Parker die Strategie fuhr, dass Elvis an den Liedrechten auch weiter beteiligt werden sollte, hätte es auch nach 1977 nicht so dolles Material gegeben, weil die fähigen Liedschreiber sich ihre Rechte nicht hätten nehmen lassen.

James hat mal vermutet, Elvis hätte vermehrt Gospel gespielt. Sicher hätte er den auch aufgenommen. Wir hätten bestimmt noch zahlreiche Gospel-Alben bekommen.

Vegas hätte seine Liedauswahl nicht beeinflusst, vermute ich.

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03 Mai 2020 20:18 #936245 von Honeybee
Okay, aber es ging jetzt nicht um NACH 77, sondern um die Jahre, in denen er in Las Vegas aufgetreten ist.

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03 Mai 2020 20:25 #936249 von Donald

Danke, Mike. Beim Vergleich zum NBC Special dachte ich nicht so sehr an die Songauswahl, sondern eher an seine Art sich zu präsentieren. Hier macht er ja eindeutig den Rocker. Und im Special sehen wir wirklich einen ganz anderen Elvis als Jahre später in Las Vegas.

Ja, aber dieser besondere Auftritt ist sicher auch der ganz besonderen Ausgangslage geschuldet. Der Mann war sowas von abgeschrieben und out. Er musste zeigen, dass er es noch drauf hatte. Das ging natürlich am besten mit einer Art modernisierter Werksschau, einem Rückblick mit Powerhaltung. Danach HATTE er Aufmerksamkeit, Respekt und Anerkennung zurück, und konnte sich als Entertainer weiter etablieren.
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03 Mai 2020 20:45 #936251 von Rider
Ich denke, die Frage lässt sich recht leicht beantworten, wenn man sich das Programm des 69er Engagements, also seinen Start in Las Vegas anschaut. Da ist absolut nichts davon zu erkennen, dass die Songauswahl mit Blick auf ein Middle of the Road-Publikum geschah. Sein 69er Engagement ist vielmehr eine Fortsetzung bzw. für meine Begriffe sogar ein auf die Bühne gebrachtes NBC-Special. Und dessen Schwerpunkt auf seinen Hits kennen wir ja.

Erweitert wurde das Programm des Specials lediglich um den Standard Yesterday, das vielleicht noch als Memories-Ersatz bzw. eine Erweiterung in dessen Sinne ("Rückschau", "Rückbesinnung") gelten kann. Runaway ist ebenfalls ein Titel im Stile des "Road Medleys" des Specials. Reconsider Baby und Funny How Time Slips Away können wohl ebenfalls kaum als Las Vegas Programm gelten.

Ansonsten lockerten 1969/70 halt aktuelle Album-Titel das Programm auf, verschwanden dann aber auch schnell wieder. Selbst ein Monster-Hit wie In The Ghetto, von dem man ja meinen könnte, dass sich ein Las Vegas Publikum damit abfinden könnte, verschwand schnell wieder.

Nein, ich glaube, Elvis ließ sich da nicht beeinflussen. Konzept seiner Show waren immer seine persönlichen Einflüsse und seine "Story". Das Ding hieß nicht umsonst The Elvis Presley Show.

It ain't no big thing (But it's growing):
www.discogs.com/user/chrisdave75

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03 Mai 2020 20:58 #936252 von Mike.S.

Danke, Mike. Beim Vergleich zum NBC Special dachte ich nicht so sehr an die Songauswahl, sondern eher an seine Art sich zu präsentieren. Hier macht er ja eindeutig den Rocker. Und im Special sehen wir wirklich einen ganz anderen Elvis als Jahre später in Las Vegas.Welcher Elvis von den beiden kam ihm wohl am nächsten?

Verstehe, hmmm. NBC ist ja ursprünglich eine Art Geschichte des simplen Guitar man, dessen Verirrungen im Big Biz und dem Zurückfinden. Die Präsentation als Rocker und der Lederdress ist Teil dieser Geschichte - eine Inszenierung wie im Film. Hätte Elvis ein Konzert gegeben, hätte er sich sicherlich nicht so präsentiert, ich denke, auch modisch hatte er einen ganz anderen Stil. Die Vegas Anzüge sind da schon eleganter. Die Präsentation in Vegas hatte er selber in der Hand, NBC nicht, daher sehe ich in Vegas den Elvis, der ihm näher kam. Ein Rocker war er nicht, auch seine großen Vorbilder waren eher die eleganten Crooner, wie Dean Martin. NBC war ein netter Jam, dem Regisseur zu liebe (Don't be cruel mit Flöte, oje). Aber Vegas 1970 war in dieser Art der Präsentation einzigartig und da steht kein anderer als Elvis selber dahinter. Diese vielen neuen Einfälle, vom Orchester, den Anzügen, bis zu der Art den Song mit Karatebewegungen zu beenden, diese musikalische Bandbreite von Bridge bis Polk salad, das war er selber, bzw. wie er gesehen werden wollte. Wie heißt's im Trailer: "... and still leads the way. The most dynamic performer in popular music today".
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03 Mai 2020 21:03 - 03 Mai 2020 21:05 #936255 von Whitehaven

Ich glaube, dass ihn viele Arten von Musik interessiert haben....Hard Rock und Jazz würde ich allerdings gefühlsmäßig ausschließen...


Moin, Mike,
bei Hard Rock würde ich nicht unbedingt mitgehen.

Erwähnt sei da zum Beispiel das freundschaftliche Verhältnis zu Led Zeppelin.
Led Zeppelin war Elvis' Lieblingsband, nachdem man 1974 das erste Mal aufeinander getroffen war.
Wenn ich mich recht entsinne, hatte Jerry Weintraub (der für Elvis als auch für Led Zeppelin Vorstellungen organisierte) ein Aufeinandertreffen arrangiert.
LED Zeppelin besuchte ein Konzert von Elvis und dieser soll während des Auftritts dem Publikum gesagt haben: "Ich möchte, dass alle wissen, dass heute Abend meine Lieblingsband im Publikum sitzt: Led Zeppelin. Könnt ihr einen Scheinwerfer auf sie richten und sie willkommen heißen?
Elvis soll die Gruppe auch für sich um Autogramme gebeten haben.
Es gab wohl auch noch weitere Treffen zwischen Zeppelin und Elvis.

Früher war alles gut, heute ist alles besser. Es wäre besser, wenn wieder alles gut wär. H. Erhardt
Letzte Änderung: 03 Mai 2020 21:05 von Whitehaven.
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03 Mai 2020 21:08 - 03 Mai 2020 21:19 #936256 von Earth Boy
Aber auch nur deshalb, weil man ihm vorher erklärt hat, wer Led Zeppelin überhaupt ist. Ich kenne keine Quelle aus seinem Umfeld, die nahelegt, dass er deren Musik wirklich gehört hat. Im Gegenteil. Das schliesst ja nicht aus, dass er sie persönlich mochte und von seinen Stiefbrüdern was vorgespielt bekam.
Letzte Änderung: 03 Mai 2020 21:19 von Earth Boy.

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03 Mai 2020 21:13 #936257 von Mike.S.

Moin, Mike, bei Hard Rock würde ich nicht unbedingt mitgehen.

Moin zurück, tja man lernt nie aus, das war auch bei mir eher vom Gefühl her. Ich bin da nicht so belesen. Aber interessant zu wissen, dass es da doch gewisse Berührungen und Interessen gab. Hätte ich ihm gar nicht zugetraut.

Jetzt gibt's Essen, noch einen schönen Abend an alle.

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03 Mai 2020 21:14 - 03 Mai 2020 21:39 #936258 von DumbAngel
Ich habe die vorhergehenden Beiträge nicht gelesen, daher sorry, falls ich nichts an neuen Sichtweisen beitragen kann.

Relativ kurz kann ich es machen: Elvis wird immer mit dem Durchbruch des Rock'n'Roll und seinem Status als King dieses Genres in Verbindung gebracht. Tatsächlich ist es aber falsch, Elvis auf das, was wir heute Rock'n'Roll nennen (nebenbei an sich schon eine anachronistische Einordnung), zu reduzieren. Der Junge hat das gemacht, was ihm gefiel. Wenn er einen Song mochte, dann hat er ihn gesungen. Genres spielten keine Rolle (meiner Meinung nach ist es auch letztendlich diese Sprengung der Grenzen zwischen Musikstilen, die der eigentliche "Rock'n'Roll" ist, wenn man diesen als Bewegung ansieht). Gute Songs werden in allen Genres geschrieben. Natürlich kann er beeinflusst worden sein - und war es auch ganz sicher - von den Acts, die er in Vegas gesehen hat, wie Tom Jones und Humperdinck. Aber dahin, also zu diesen Power-Sängern, hätte es ihn sicherlich auch ohne Vegas gezogen.
Weiterhin gilt zu bemerken, dass die Lieder, die Elvis in den 70s aufgenommen und gespielt hat, größtenteils weiterhin aus dem Rock-, Country-, und R'n'B-Bereich kamen, denselben Bereichen, in denen er sich schon immer am meisten zu Hause gefühlt hat.



EDIT:
Zu Led Zep: Ja, getroffen haben die sich '74, Robert Plant schwärmt noch heute davon, und Led Zep waren wohl auch bei einem der MSG Konzerte im Publikum. Aber mehr Verbindungen gibts da nicht wirklich. Elvis' Lieblingsband waren sie sicherlich, sonst hätte er ja mindestens ein paar Platten von ihnen in seiner Sammlung. So wie bei den meisten Leuten, hat sich Elvis' musikalisches Interessengebiet nach seinen 20ern nicht mehr sonderlich verbreitet. Ist ja auch nicht schlimm, denn irgendwann hat man seinen Groove.
Letzte Änderung: 03 Mai 2020 21:39 von DumbAngel.
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03 Mai 2020 22:29 #936261 von Donald

EDIT:
Zu Led Zep: Ja, getroffen haben die sich '74, Robert Plant schwärmt noch heute davon, und Led Zep waren wohl auch bei einem der MSG Konzerte im Publikum. Aber mehr Verbindungen gibts da nicht wirklich. Elvis' Lieblingsband waren sie sicherlich, sonst hätte er ja mindestens ein paar Platten von ihnen in seiner Sammlung.

Eben. Und freundliche Ansagen über andere Promis im eigenen Publikum gehören sicher auch zum guten Ton.

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03 Mai 2020 23:14 #936266 von Honeybee
Im Beisein irgendeiner seiner Frauen hat er angeblich auf Hard Rock geschimpft und nannte es (sinngemäß) "eine Gewalttat an der Musik".

Mike S., bezüglich des Specials stimme ich dir zu. Und wenn man das als Fakt nimmt, war das Special wohl eher die "Show" und nicht Las Vegas, zumindest 69/70 nicht.

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04 Mai 2020 05:47 #936271 von Honeybee

Aber auch nur deshalb, weil man ihm vorher erklärt hat, wer Led Zeppelin überhaupt ist. Ich kenne keine Quelle aus seinem Umfeld, die nahelegt, dass er deren Musik wirklich gehört hat. Im Gegenteil. Das schliesst ja nicht aus, dass er sie persönlich mochte und von seinen Stiefbrüdern was vorgespielt bekam.


Ich habe auch ein bisschen recherchiert. Elvis soll gesagt haben, dass er nur "Stairway To Heaven" kenne. Von Freundschaft würde ich auch nicht sprechen weil es bei einem einzigen Treffen geblieben ist, das ca. anderthalb Stunden dauerte. Die Atmosphäre wurde ähnlich wie bei den Beatles beschrieben: zunächst reserviert und gezwungen, später lockerer und recht witzig.

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