CD-Besprechung aus "Memories Of Elvis" - Nummer 117 (2004)

Uwe Keiderling

Nachdem ich an dieser Stelle unseres Club-Magazins bereits des öfteren Studio-CD's besprochen habe, sind heute zum ersten Mal zwei neue Live-CD's von Elvis Gegenstand meiner kleinen Kolumne. Im Prinzip macht dies die Betrachtung des Inhaltes etwas einfacher, denn - vielleicht abgesehen vom 1968er TV-Special - gibt es hier keine "Outtakes" wie im Studio. Ein Konzert stellt vielmehr eine durchgängig in sich geschlossene Gesamtaufnahme dar, an der in der Regel höchstens Schnitte zur Kürzung vorgenommen werden, oder in seltenen Fällen vielleicht auch Änderungen in der Reihenfolge der Titel bzw. einzelne später im Studio hinzugefügte Instrumente zur Klangverbesserung für die Schallplatte.

Die beiden CD's wurden bereits im Heft 116 kurz mit ihrer Titelliste vorgestellt. Ich möchte mich nun heute etwas genauer mit ihren technischen Details beschäftigen, insbesondere im Vergleich zu einigen bereits länger auf dem Markt erhältlichen Sammler-CD's.

 

Elvis Recorded Live On Stage In Memphis
(BMG Follow That Dream 82876 60987-2)

Diese (ohne Scherze) am 1.April 2004 erschienene CD beinhaltet das - leider wieder nur fast - komplette Konzert vom 20. März 1974, von dem Teile bereits 1974 auf der gleichnamigen RCA-LP veröffentlicht wurden. Die CD kommt im vorteilhaften und optisch sehr ansprechenden 7-Zoll-Pappcover daher, doppelt aufklappbar, und mit einem hübschen Booklet, das auf 12 Seiten viele großformatige Farbfotos von Elvis aus diesem Konzert zeigt.

Die äußere Hüllengestaltung gibt sehr originalgetreu die Vorder- und Rückseite der alten LP wieder, einschließlich ihrer originalen Titelauflistung, die gegenüber der vorliegenden CD ja gekürzt war.
 

Vergleichsmaßstab für diese neue Veröffentlichung ist die Sammler-CD "Steamroller Blues", die bereits 1994 bei Fort Baxter erschien und auch das "komplette" Konzert enthielt. Als wichtigster Unterschied fällt hier auf, dass die neue CD von FTD dieses Konzert in einer einheitlich sehr guten Klangqualität "aus einem Guss" präsentiert. Die Fort Baxter CD klang beim ersten Hören zwar auch gut, sie wurde aber aus mehreren Tonband-Einzelteilen zusammengesetzt, die vielleicht auch auf verschiedenen Wegen ihren Weg vom BMG-Tresor zu den Bootleggern "gefunden" hatten.

Diese Einzelteile unterschieden sich voneinander nicht nur in Abweichungen betreffs Klangspektrum und Rauschpegel, sondern auch in ihrer Wiedergabegeschwindigkeit: manch ein Teil lief mal etwas schneller als bei FTD, ein anderer Teil dagegen lief mal etwas langsamer und leierte ein wenig. Solche Mängel gibt es jetzt bei FTD nicht mehr, da offensichtlich wirklich das originale Mehrspur-Band verfügbar war.

Deutliche Unterschiede zwischen Fort Baxter und FTD gibt es betreffs der Stereo-Abmischung: Applaus und Schreie des Publikums sind bei FTD nun etwas dezenter zurück genommen. Das reduziert zwar die hörbare Live-Atmosphäre ein wenig, hat aber den großen Vorteil, dass jetzt mitunter auch Musikpassagen zu hören sind, die bei Fort Baxter einfach vom Publikum überschrieen wurden. Zur anderen Stereo-Abmischung gehört auch, dass einige Instrumente bei FTD nun aus anderen Richtungen zwischen den Lautsprechern zu hören sind.

Hundertprozentig komplett ist leider keine der beiden CD's. Bei Fort Baxter fehlen zunächst mehrere ganz kurze Stückchen an den Verbindungsstellen der verschiedenen Einzelteile, die aber nur Applaus oder Geräusche enthalten. Darüber hinaus fehlen aber auch noch zwei längere Passagen: Zum einen ein Teil der Eröffnungs-Fanfaren am Anfang (Fort Baxter setzt erst dort ein, wo FTD schon ca. 25 Sekunden gelaufen ist), und zum anderen das letzte Viertel der Bandvorstellungen.

Doch auch FTD ist leider nicht vollständig: hier fehlen ca. 30 Sekunden "well well well's" und Dialog mit dem Publikum vor "I Got A Woman", der Schnitt ist deutlich zu hören. Diese Kürzung ist mir unverständlich, denn auf der CD ist noch genügend Platz, die entsprechende Passage können wir in einwandfreier Qualität bei Fort Baxter hören, und Elvis sagt dort auch nichts jugendgefährdendes, was etwa die Schere des Zensors hätte reizen können. Vielleicht mal wieder ein Mastering-Fehler von BMG?

Hier nun noch einmal die Titelaufstellung mit Hinweisen, welche Titel (außer bei Fort Baxter) schon früher zu hören waren:

1. "Also Sprach Zarathustra"
2. "See See Rider" (RCA-LP 1974)
3. "I Got A Woman - Amen" (RCA-LP 1974)
4. "Love Me" (RCA-LP 1974)
5. "Trying To Get To You" (RCA-LP 1974)
6. "All Shook Up"
7. "Steamroller Blues" (Platinum)
8. "(Let Me Be Your) Teddy Bear - Don't Be Cruel"
9. "Love Me Tender"
10. "Medley:
Long Tall Sally - Whole Lotta Shakin' Goin' On - Mama Don't Dance - Flip, Flop And Fly - Jailhouse Rock - Hound Dog" (RCA-LP 1974)
11. "Fever"
12. "Polk Salad Annie"
13. "Why Me Lord" (RCA-LP 1974)
14. "How Great Thou Art" (RCA-LP 1974)
15. "Suspicious Minds"
16. "Band introductions" (RCA-LP 1974)
17. "Blueberry Hill" - I Can't Stop Loving You (RCA-LP 1974)
18. "Help Me" (RCA-LP 1974)
19. "An American Trilogy" (RCA-LP 1974)
20. "Let Me Be There" (RCA-LP 1974)
21. "My Baby Left Me" (RCA-LP 1974)
22. "Lawdy, Miss Clawdy" (RCA-LP 1974)
23. "Funny How Time Slips Away"
24. "Can't Help Falling In Love" (RCA-LP 1974)
25. "Closing Vamp" (RCA-LP 1974)
 


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