file König der heißen Rhythmen (Roustabout)

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22 Feb 2016 09:52 - 22 Feb 2016 09:54 #897407 von dschungelkönig
dschungelkönig erstellte das Thema: König der heißen Rhythmen (Roustabout)
Gestern Abend nach vielen Jahren mal wieder gesehen und daraufhin diesen Text verfasst.

Es muss die Rache des im Grunde erzkonservativen Hollywoods am "König der heißen Rhythmen" gewesen sein dass Elvis, der den männlichen Sex ins Fernsehen und damit in die breite amerikanische Öffentlichkeit trug, in so gut wie allen seinen Filmen am Ende eine biedere, unscheinbare und unerotische Darstellerin heiratet oder dieser zumindest seine ewige Liebe schwört.
An eben jenem Ende sind es eben die vermeintlich guten, christlichen Werte die zählen und als im Endeffekt nicht verhandelbar verkauft werden.

Hier ist dieser Umstand umso auffälliger und bedauerlicher da unser Held einen , vor allem im Vergleich zu seinen direkten Vorgängern, wieder etwas bissigeren, roheren, Charakter darstellen darf. Und obwohl dieser "toughe" Ansatz natürlich äußerst inkonsequent durchgezogen wird (ich meine: hallo, es handelt sich hier um einen Elvis Film) ist seine Liebe zu Cathy Lean/Joan Freeman eine eindeutige Abkehr vom im Film milde angedeuteten Rebellentum alter Tage.

Diese Milde spiegelt sich auch im 11 Lieder umfassenden Soundtrack. 11 Lieder von denen kaum eines die ungeschliffenen Manieren der von Elvis verkörperten Figur des Charlie Rogers wiederzugeben vermag. Von dem albernen, nur mit viel gutem Willen als "frech" zu bezeichnenden Text zu "Posion Ivy League" vielleicht mal abgesehen.
Immerhin gibt es mit "Little Egypt" neben flauem Material wie "It's Carnival Time" oder "Carny Town" - um mal den musikalischen Bodensatz dieses Filmes zu benennen - sogar ein echtes Highlight im Soundtrack. Bezeichnenderweise wurde genau dieser Song nicht extra für den Film komponiert.

Ein Highlight dagegen ist die Besetzung des Films, zumindest abseits vom hölzern wirkenden Elvis und seiner spröden Angebeteten.
Die beiden alten Hasen des "Rummels" werden von Barbara Stanwyck und Leif Erickson jedenfalls sehr glaubwürdig dargestellt.
Auch die Ausstattung ist wesentlich gelungener als in vielen anderen Elvis Filmen der mittleren 60er Jahre. Die Außenaufnahmen - manch ein Elvis Film der nächsten Jahre musste praktisch ohne auskommen - werden in den meisten Fällen vergleichsweise ansprechend mit Aufnahmen die in den Paramount Studiokulissen gedreht wurden verbunden. Jedenfalls wirkt der Film optisch mal nicht wie billiger Trash. Etwas das man nicht von allen Elvis Filmen der 60er Jahre behaupten kann ohne sich der Lächerlichkeit preiszugeben.
Positiv hervorzuheben ist auch der verwendete "Jahrmarktsslang" welcher dem Film zusätzlich ein wenig Authentizität verleiht.

Richtig gut ist "der König der heißen Rhythmen" aber leider dennoch nicht.
Vor allem anderen geht das durchaus redliche Bemühen um Tiefe, Drama - um "echte" Charaktere - einfach nicht zusammen mit der "romantischen Musical" Seite des Films und dem so unvermeidlichen wie aufgepropften "Happy End".
Und so hinterlässt der "König der heißen Rhythmen" bedauerlicherweise einen uneinheitlichen und unentschlossenen Eindruck.

In der Summe haben wir hier dennoch ein ordentliches Elvis Vehikel vorliegen.
Sicherlich weit besser anzuschauen als solche unfassbaren Langweiler wie "Paradise Hawaiian Style" aber auch nicht so gut wie "Loving You" oder"Jailehouse Rock" in denen Elvis ebenfalls - zumindest ein bisschen - den Rebellen mimen durfte (und die zudem die weitaus besseren Soundtracks vorweisen können).

Und eben auch nicht so gut wie "King Creole" zu dem das vorliegenden Werk eine ganze Reihe von Paralellen (sowohl in der Story als auch was die dem Film innewohnende Melancholie betrifft) aufweist, dem es aber weder in Sachen Inszenierung, Elvis Leistung oder Soundtrack so recht das Wasser reichen kann.

Für den Elvis Fan bietet der "König der heißen Rhythmen" sicherlich solide 90 Minuten mit einigen netten Schauwerten und zwei, drei hübschen Songs. Dass alles eingebettet in eine handwerklich OK erzählte, unpeinliche Geschichte die, wie bei Elvis Filmen üblich, ein wenig unter den genannten faulen Kompromissen leidet,

Nicht mehr aber immerhin auch nicht weniger.

Vertrauen sie mir, ich weiß was ich poste.
Letzte Änderung: 22 Feb 2016 09:54 von dschungelkönig.

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22 Feb 2016 14:01 - 22 Feb 2016 14:02 #897409 von Earth Boy
Earth Boy antwortete auf das Thema: König der heißen Rhythmen (Roustabout)

dschungelkönig schrieb: Gestern Abend nach vielen Jahren mal wieder gesehen und daraufhin diesen Text verfasst.

Es muss die Rache des im Grunde erzkonservativen Hollywoods am "König der heißen Rhythmen" gewesen sein dass Elvis, der den männlichen Sex ins Fernsehen und damit in die breite amerikanische Öffentlichkeit trug, in so gut wie allen seinen Filmen am Ende eine biedere, unscheinbare und unerotische Darstellerin heiratet oder dieser zumindest seine ewige Liebe schwört..


Da ist was Wahres dran :grin:, man denke nur an Laurel Goodwin, die bestimmt total nett, aber auch irgendwie schrecklich asexuell ist. Auf jeden Fall nicht die Art Frau, die man sich als Pin-Up in den Spind hängt oder wegen der man feuchte Träume bekommt. Auf der anderen Seite gab es in Elvis Filmen auch durchaus die ein oder andere Frau, die man (oder vielleicht auch nur ich :null: ) nicht von der Bettkannte geschubst hätte.

Diese Milde spiegelt sich auch im 11 Lieder umfassenden Soundtrack. 11 Lieder von denen kaum eines die ungeschliffenen Manieren der von Elvis verkörperten Figur des Charlie Rogers wiederzugeben vermag. Von dem albernen, nur mit viel gutem Willen als "frech" zu bezeichnenden Text zu "Posion Ivy League" vielleicht mal abgesehen.
Immerhin gibt es mit "Little Egypt" neben flauem Material wie "It's Carnival Time" oder "Carny Town" - um mal den musikalischen Bodensatz dieses Filmes zu benennen - sogar ein echtes Highlight im Soundtrack. Bezeichnenderweise wurde genau dieser Song nicht extra für den Film komponiert.


Für mein Empfinden gibt es mehr Highlights (Big Love, big heartache, One track heart oder Hard knocks). Das Meiste ist zugegeben eher nett, denn großes Ohrenkino, aber richtig grottig finde ich nur das schon von Dir genannte It's carnival time. Darüber hinaus hat Poison ivy league doch einen für Mittsechziger Verhältnisse ganz witzigen Text. Für heutige Ohren klingt das zwar sehr unspektakulär, aber für damals war das okay.

Für den Elvis Fan bietet der "König der heißen Rhythmen" sicherlich solide 90 Minuten mit einigen netten Schauwerten und zwei, drei hübschen Songs. Dass alles eingebettet in eine handwerklich OK erzählte, unpeinliche Geschichte die, wie bei Elvis Filmen üblich, ein wenig unter den genannten faulen Kompromissen leidet,

Nicht mehr aber immerhin auch nicht weniger.


Yupp. Kann ich so unterschreiben. Ein netter Film, der nicht peinlich ist, aber auch weit davon entfernt ein großartiger Film zu sein. Ich kenne viele Filme der 60er Jahre und würde ihn im Bereich dessen, was damals möglich und "normal" war, irgendwo im Mittelfeldbereich einordnen. Guter Durchschnitt.

Allerdings muss ich auch sagen, dass mein Versuch mir den Film vor zwei, drei Jahren mal wieder anzusehen, grandios gescheitert ist, weil ich so nach der Hälfte feststellen musste, dass er doch ein wenig dröge ist und das ohnehin überschaubare Humorlevel zunehmend verflacht.
Letzte Änderung: 22 Feb 2016 14:02 von Earth Boy.

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22 Feb 2016 14:06 #897410 von dschungelkönig
dschungelkönig antwortete auf das Thema: König der heißen Rhythmen (Roustabout)

Earth Boy schrieb: Für mein Empfinden gibt es mehr Highlights (Big Love, big heartache, One track heart oder Hard knocks). Das Meiste ist zugegeben eher nett, denn großes Ohrenkino, t.


Deshalb schrieb ich ja von den: "zwei, drei hübschen Songs ...". Aber richtig klasse sind die wirklich alle nicht. Ganz gelungen finde ich persönlich ja "Wheels ...."

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22 Feb 2016 14:11 - 22 Feb 2016 14:13 #897411 von dschungelkönig
dschungelkönig antwortete auf das Thema: König der heißen Rhythmen (Roustabout)

Earth Boy schrieb: Allerdings muss ich auch sagen, dass mein Versuch mir den Film vor zwei, drei Jahren mal wieder anzusehen, grandios gescheitert ist, weil ich so nach der Hälfte feststellen musste, dass er doch ein wenig dröge ist und das ohnehin überschaubare Humorlevel zunehmend verflacht.


Das ist eben das Problem, diese Unentschlossenheit. Der mit vergleichbarem Aufwand produzierte VLV wusste wo er hin wollte und ist daher auch weitaus besser!

Earth Boy schrieb: Auf der anderen Seite gab es in Elvis Filmen auch durchaus die ein oder andere Frau, die man (oder vielleicht auch nur ich :null: ) nicht von der Bettkannte geschubst hätte .


Richtig, aber gerade in den Filmen in denen Elvis den Rebellen mimt landet er am Ende bei einer besonders farblosen Spaßfeindin. :adeal:

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Letzte Änderung: 22 Feb 2016 14:13 von dschungelkönig.

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22 Feb 2016 15:04 - 22 Feb 2016 16:33 #897413 von Earth Boy
Earth Boy antwortete auf das Thema: König der heißen Rhythmen (Roustabout)

dschungelkönig schrieb: "Wheels ...."


Den hatte ich vergessen. Ja, den Song mag ich auch.
Letzte Änderung: 22 Feb 2016 16:33 von Earth Boy.

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22 Feb 2016 15:25 - 22 Feb 2016 15:29 #897414 von dschungelkönig
dschungelkönig antwortete auf das Thema: König der heißen Rhythmen (Roustabout)

dschungelkönig schrieb:


besonders farblosen Spaßfeindin. :adeal:


wobei ich hier ausdrücklich nicht NUR den optischen Typ meine sondern auch den Charakter wie er im Film dargestellt wird. "Ich bin kein Mädchen für eine Nacht" heißt es etwa in dem hier von mir verhandelten Streifen.

Das Mädchen für eine Nacht gibt es natürlemant auch, auf dem Rummel wie in New Orleans - in "King Creole" stirbt es, nachdem es zur Besinnung gekommen ist - die einzige Art im alten Hollywood sich von seinen Sünden reinzuwaschen. Im leichtgewichtigeren Roustabot verrät sie Elvis erst, darf als reuige Sünderin aber weiterleben (Schwein gehabt)

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Letzte Änderung: 22 Feb 2016 15:29 von dschungelkönig.

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