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01 Nov 2017 11:49 - 01 Nov 2017 12:09 #905524 von Atomic Powered Poster
Atomic Powered Poster erstellte das Thema: Today
Es ist kein Geheimnis dass Elvis in den 70ern wenig ambitioniert war wenn es um seine Studioarbeit ging. Ohne einen Produzenten der ihn an sein Limit gebracht hätte, ohne akkurate Vorbereitung was die Auswahl des Songmaterials anbelangt, verpackt in austauschbare Cover, wirken Elvis LPs der 70'er zumeist eher hingeschludert als sorgsam erarbeitet. Mag man Elvis & Crew noch nachsehen dass sie bei der Vorbereitung der Arbeit im Studio ziemlich planlos vorgingen, so ist der Umstand dass es allzu häufig auch mit der Ausführung der Aufnahmen nicht so genau genommen wurde unbestreitbar ärgerlich.

Auch "Today", aufgenommen und erschienen 1975, stellt in Bezug auf obige Kritikpunkte keine Ausnahme dar. Schon der Umstand dass das Erste was wir von Elvis auf diesem Album zu hören bekommen das Hochziehen seiner Nase ist, spricht Bände was die fehlende Sorgfalt die man bei der Produktion an den Tag legte betrifft.

Im weiteren Verlauf eines Albums das sich zu weiten Teilen aus nicht immer eigenständigen Interpretationen klassischer Countrysongs oder verhältnismäßig aktueller Hits dieses Genres zusammensetzt, werden wir dann noch mit starkem Schnaufen (das eilig hingerotzte "I can Help") und angestrengtem Knödeln und Quetschen der Stimmbänder (das ohnehin belanglose "Fairytale" streift an einigen Stellen die Grenze zum Schmerzhaften) konfrontiert.

Dennoch, auch ein wenig ambitionierter Elvis der sich nicht mehr aus seiner Komfortzone aus angestammten Musikern und einem ihm jede Schwachheit durchgehen lassenden Produzenten herausbewegen mochte, ein Elvis der auch was die Auswahl der Lieder anbelangte nur noch in vertrauten Gebieten wilderte, war immer noch in der Lage bemerkenswertes zu leisten. Wie eigentlich immer beim späten Elvis sind es die Balladen die besonders überzeugen, hier lieferte Elvis mehr ab als pflichtschuldiges Heruntersingen. Sexistischen Unfug wie "Woman without Love" darf man sicherlich ein wenig belächeln, aber seine herzzerreißende Interpretation von "Pieces of my Life", bittere Bilanz eines Gescheiterten, berührt auch heute noch. "And I Love you so" ist eines der schönsten Liebeslieder des späten Elvis. Der Aufnahme mag die stimmliche Leichtigkeit früherer Lovesongs fehlen, aber der Vortrag des Sängers ist konzentriert und glaubwürdig.

Das Album schließt mit "Green, Green Grass of Home", einer Aufnahme die das Für und Wider dieses Albums noch einmal aufzeigt. Eine Aufnahme die als wenig eigenständige Interpretation eines schon damals recht abgegriffenen Songs keinerlei kommerzielles Potential mehr besitzt, ihren Mangel an Originalität aber dadurch ausgleichen kann dass Elvis Pathos einfach konnte.
Und so bezieht diese Lesung eines etwas abgeschmackten Rührstückes ihre Daseinsberechtigung dann auch einzig aus der Qualität und Schönheit der Stimme ihres Interpreten.

"Today" ist kein großes Album, kein spätes Meisterwerk, kein Album das beim Hörer den Eindruck hinterlässt dass seine Macher hier ihr Äußerstes gegeben hätten. Ein Album das nicht sonderlich sorgfältig produziert wurde, aber zumindest klanglich besser ist als das was von Elvis in den 70ern sonst so auf den Markt kam. Und ein Album das, leider keine Selbstverständlichkeit, klingt wie aus einem Guss.

Immerhin.

***
Letzte Änderung: 01 Nov 2017 12:09 von Atomic Powered Poster.
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01 Nov 2017 18:15 - 01 Nov 2017 18:16 #905526 von Earth Boy
Earth Boy antwortete auf das Thema: Today
Wie immer: Danke für die Rezension! :rose:

Ein feines Album. Besprechung meinerseits folgt die Tage.
Letzte Änderung: 01 Nov 2017 18:16 von Earth Boy.

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01 Nov 2017 20:54 #905527 von Atomic Powered Poster
Atomic Powered Poster antwortete auf das Thema: Today
Ich dachte ich nutze die Stunde bevor ich zur Arbeit muss noch halbwegs produktiv. Hatte eh mal wieder Lust was zu schreiben, und deine feine KC Rezension gestern hat mich dann noch zusätzlich angespornt mal wieder was rauszuhauen.

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04 Nov 2017 22:23 - 04 Nov 2017 22:48 #905550 von Earth Boy
Earth Boy antwortete auf das Thema: Today
Review:

Schon lange klang kein Elvis Album mehr so zeitgemäß wie die Today LP aus dem Jahre 1975. Die Produktion war absolut auf der Höhe der Zeit. Bezüglich Elvis muss man hier Abstriche machen, aber ich vermute es gab damals nur die Option, die Aufnahmen zu akzeptieren, wie Elvis sie ablieferte oder gar keine Lieder im Kasten zu haben. Vielleicht lag es auch an der oft bemängelten Groupiehaftigkeit von Jarvis, dass er nicht einschritt, wenn Elvis lustvoll ins Mikro schniefte.


T-R-O-U-B-L-E

Die Langspielplatte beginnt gleich sehr gut mit einer flotten Nummer. Davon gibt es in Elvis Werk in den 70ern nicht so wahnsinnig viele, sodass diese zumeist der / ein Höhepunkt waren. Das ist hier nicht anders. Elvis ist hier durchaus engagiert bei der Sache und die Nummer macht wahnsinnig viel Spaß. Er singt punktuell mit hoher Stimme, euphorische Yeahs zeugen davon, dass auch er Freude an dem hat, was er da macht und Elvis setzt mal wieder rhythmische Laute sehr effektvoll ein. Lediglich das dauernde Nase hochziehen von Elvis vermiest etwas die Laune.
****

And I love you so
Wunderschöne Ballade, die mit zu Elvis schönsten überhaupt gehört. Geschrieben wurde das romantische Lied von Don McLean, welcher auch American Pie komponiert und gesungen hat. Bekannt gemacht hat das Lied Perry Como. Auch wenn sich Elvis Version nicht grundlegend unterscheidet so erscheint mir Elvis Darbietung gefühlvoller, weniger technisch und das Arrangement ist auch anders. Für mich schlägt Elvis Einspielung die von Como. Noch ein kleines Schmankerl am Rande: Im Wikipedia-Eintrag zu Comos And I love you so dürfen wir lesen: „Previous versions of the song by Elvis […] have met with mild or no success.“

Dazu muss mann wissen, dass Comos Aufnahme 1973 veröffentlicht wurde…. :grin:

Unerwähnt sollte auch nicht die schöne undubbed Version bleiben, die dem ganzen einen noch intimeren Charakter gibt. So oder so ein von mir geliebter Song.
*****

Susan when she tried
Eine Country-Rock-Nummer, bei welcher der Fokus zwar auf Country liegt – und doch bin ich begeistert. Ein mitreisendes Stück Musik mit einer tollen Melodie, die zum Mitsingen animiert. Einziger Kritikpunkt: Das Lied ist mit 2:18 arg kurz.
****

Woman without love
Ein typischer Country Tränendrücker, nichts besonders, aber auch nicht so übel, dass ich sofort weiter schalte. Gewöhnliche Melodie und ein altmodischer Text sorgen für die erster schwächere Nummer.
**
Shake a hand
Elvis greift mal wieder auf eine Komposition aus der auch damals schon fernen Vergangenheit zurück. Erstinterpretin war Faye Adams 1953, doch mir scheint eher LaVern Bakers Aufnahme aus dem Jahre 1960 als Inspirationsquelle gedient zu haben, wenn ich diese mit Elvis Gesang vergleiche. Zumal es auch kein großes Geheimnis ist, dass Elvis ein großer Fan der Dame war.

Eine bluesige Nummer, die sich immer weiter aufbaut, aber leider auch ziemlich monoton ist. Der Ausdruck Shake a hand kommt mindestens zwei Dutzend mal zuviel vor. Kein besonderes Lied.
**

Pieces of my love
Eine weitere Country-Ballade, deren Text mir zu weinerlich ist. Doch die Musik und Elvis überzeugende Interpretation machen diesen für mich mehr als wett. Schön auch mal wieder einen kleinen gesprochenen Part zu haben. Das Ende, welches die letzte Minute dieses 4 Minuten Songs einimmt, greift den Refrain überhaupt nicht mehr auf und besteht nur darin, dass Elvis „Looking back on my life Lord / today see if can find the pieces“ untermalt von Streichern singt. Cooler Effekt.
***1/2

Fairytale
Müde Hinterwäldler Mucke.
*

I can help
Damaliger Hit von Billy Swan, der von Elvis routiniert und etwas kurzatmig runter gesungen wird, ohne dem Original etwas hinzufügen. Das war wohl aber auch nicht das Ziel. Vielmehr ging es vermutlich eher darum, ein Album vollzukriegen und einen uptempo Song mehr zur Verfügung zu haben. Eigentlich schade, dass Elvis nicht mehr von Billy Swan aufgenommen hat. Swept away oder Not everyone knows hätte ich mir gut mit Elvis Stimme vorstellen können.
**1/2

Bringing it back
Ein ungerechtfertigterweise oft übersehenes Juwel in Elvis Katalog. Tolle Melodie, die einem sofort ins Ohr. Elvis bringt den Text, in welchem es um die vergangene Liebe geht, absolut überzeugend rüber.
****

Green, green grass of home
Solide Tom Jones Ballade, die Elvis bekannterweise sehr geliebt hat. Ich hingegen habe der Nummer nie so wahnsinnig viel abgewinnen können.
**1/2

Fazit:
Auf der einen Seite ist Today für mich so etwas wie ein kleines Meisterwerk im Spätwerk von Elvis Karriere. Auf der andern Seite, wenn ich mir anschaue, welche Lieder mir gefallen und welche ich eher okay finde, so sehe ich hier die oft in den 70ern Jahre angetroffene 50 / 50 Quote. Da Zahlen aber nicht alles sind, und schon gar nicht dann, wenn es um Musik geht und die Lieder, die mir gefallen, mir sogar richtig viel Spaß bereiten, vergebe ich:
***1/2
Letzte Änderung: 04 Nov 2017 22:48 von Earth Boy.
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