file King Creole (Album)

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11 Jul 2017 12:15 #904331 von Atomic Powered Poster
Atomic Powered Poster erstellte das Thema: King Creole (Album)
Elvis ernste Filme sind keine Dramen, es sind Melodramen. Auch King Creole macht da keine Ausnahme. Die Fotografie in King Creole ist sicher kunstvoller - filmischer - als in jedem anderen Elvis-Film, aber das theatralische Script kann auch die kluge Regie von Michael Curtiz nicht retten. 1958 mag dieser Film, vor allem für ein jüngeres Publikum, funktioniert haben, aber so wie es heute ein wenig albern wirkt wenn sich James Dean von Seelenqualen gepeinigt mit großer Geste in den Staub wirft, so macht die überzogen-kitschig wirkende - und unangenehm moralinsaure - Geschichte es dem modernen Zuschauer schwer das Geschehen auf der Leinwand, oder besser; vor dem heimischen Fernseher, ernst zu nehmen.

Daß Elvis ein schauspielender Sänger und kein singender Schauspieler war macht der Qualitätsunterschied von LP und Film deutlich. Zwar zeigt Elvis in King Creole eine seiner besseren Leistungen als Schauspieler, auch weil Regisseur Curtiz klug genug war die restliche, ziemlich hochkarätige Besetzung zu zügeln und seinem Star so Raum zum Glänzen zu verschaffen, aber es ist der Soundtrack und nicht der Film bei dem der Star seine wahren Qualitäten zeigt.

Wenn der Sänger Elvis eines hatte, dann Timing. Und von diesem Talent für Rhythmus, einem Talent das schon auf seinen frühesten Singles überdeutlich zu Tage tritt, profitiert diese LP ungemein.
Der Elvis aus Sun-Tagen mag den Rhythmus bereits gehabt haben, die Kraft, die Technik bei einer Aufnahme wie New Orleans, begleitet von etwa 20 Musikern und Sängern, nicht unterzugehen, die hätte er zweifelsfrei nicht besessen. Überhaupt ist diese Aufnahme wohl eine der ambitioniertesten im Katalog des King. Ein derart fein austariertes Arrangement, so detailreich, stilvoll, geschmackssicher, findet man in Elvis Katalog nur selten.

Überhaupt sind die Arrangements auf diesem Album meisterhaft. Die Aufnahmen profitieren von so präzisen wie effektiven Bläsersätzen und einer größeren und versierteren Rhythmusgruppe als bei früheren Sessions.
Die rhythmischen Titel erhalten so eine, im Vergleich zu den anderen Titel die Elvis im Rock'n'Roll und Blues-Genre einspielte, zusätzliche Qualität, mag ihnen im Vergleich zu den stärksten seiner ersten RCA-Rockern auch ein wenig die rohe Dringlichkeit abgehen.

Daß Leiber & Stoller Elvis Gesang bei Trouble nicht autoritär, bedrohlich - schlicht männlich genug war ist nachvollziehbar, Elvis selbst zeigte ja dann in seinem 1968 aufgezeichneten NBC-Special wie der Gesang bei dieser Nummer idealerweise zu klingen hat. Aber man darf, bei aller nachvollziehbaren Kritik, auch dem jungen Elvis attestieren daß er hier bissig klingt, wenn man hier auch - anders als 1968 - nicht davon ausgehen mag daß der Biss tödlich wäre.

So brillant die rhythmischen Songs, so mittelprächtig sind größtenteils die Balladen. Lover Doll klingt wie ein Vorgriff auf die Soundtracks der 60'er, Steadfast, Loyal and True, stehe fest zu deiner Lehranstalt, ist leider nicht ironisch gemeint und keinesfalls als Vorgriff auf die Rock'n'Roll Highschool der Ramones zu verstehen. Füllmaterial eben.

Auch die restlichen Balladen hier bleiben vergleichsweise blass. Auch wenn keiner der Tränenzieher wirklich unangenehm auffällt, im Gedächtnis bleibt diese LP aufgrund ihrer jazzigen, bluesigen Note.

King Creole ist mit seiner New Orleans Prägung und größtenteils starken Songs die einzige Soundtrack-LP des King die auch jedem Nicht-Fan als essentielles Stück Musik ans Herz gelegt werden sollte. Trotz minimaler Schwächen eine Glanzleistung.

****,5
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31 Okt 2017 17:15 - 31 Okt 2017 17:33 #905519 von Earth Boy
Earth Boy antwortete auf das Thema: King Creole (Album)
Review:

Wie alle Elvis Alben der 50er Jahre zählt natürlich auch King Creole zu den Klassikern in Elvis Werk. Besonders hervorzuheben sind natürlich die leicht angejazzten Arrangements, was offensichtlich der Tatsache geschuldet ist, dass der Film in New Orleans spielt.

King Creole (Jerry Leiber and Mike Stoller)
Für mein Empfinden ist es immer wichtig, mit einem Hammer Song in ein Album einzusteigen, damit das Verlangen geschürt wird, mehr zu hören. Einen solchen „Hammer“ haben wir hier in Form von King Creole gegeben. Das spannungsgeladenen Intro stimmt gut auf das Stück ein, obgleich es lediglich eine sehr einfach auf der Gitarre gespielten Figur darstellt, um dann kurz danach die Jordanaires beginnen zu lassen. Dennoch stellt es einen recht pfiffigen Einstieg in diesen gemäßigten Rocker dar.

Nur so am Rande sei vermerkt, dass ich den Take 18 mit dem „abgehakten“ Intro / Rhythmus immer dem Master vorgezogen habe, aber großartig ist natürlich beides.
☆☆☆☆

As Long as I Have You (Fred Wise and Ben Weisman)
Eine Ballade, und was für eine. Für mich eine der schönsten 50s Balladen von Elvis und damit in einer Reihe mit Anyway you want me oder Don’t zu nennen. Ein schöner und erwachsener Text, der meilenweit von den damaligen Teenager-Klischee-Texten entfernt ist, in welchen gejammert wurde, dass man noch zu jung zum Heiraten sei. Für mich die schönste Zeile des Liedes: „you’re not my first love, but you’re my last“
☆☆☆☆☆

Hard Headed Woman (Claude Demetrius)
Eine Höhepunkt jagt hier den nächsten. Ein großartiger Rocker, welcher von Elvis fantastisch dargeboten wird. Den Text versteht man zwar nicht, wenn man ihn nicht kennt, aber das tut dem Vergnügen keinen Abbruch. Ich meine mich erinnern zu können, dass Paul McCartney über das Lied damals als Teenager enttäuscht war, weil kurz nach dem Anfang die Bläser einsetzen, die doch eher rock’n’roll-untypisch sind. Da ich aber weder Teenager noch Purist bin, macht mir das nichts aus. Einer der besten Rock’n’Roll Songs, die es gibt.
☆☆☆☆☆

Trouble (Jerry Leiber and Mike Stoller)
Klang Elvis je bedrohlicher als bei Trouble? Natürlich sollte das Lied und der Text das Klischee des Bürgerschrecks bedienen, als welcher Elvis damals von vielen Erwachsenen in den USA wahrgenommen wurde.

Doch das Lied hat viel mehr zu bieten. Elvis wendet alle Vokal-Tricks, um diesen Blues unvergesslich zu machen. Vom Verschleifen der Silben bis hin zum rauhen Gesang ist hier alles zu hören, was man als Fan von ihm liebt. Auch der Aufbau der Nummer ist großartig. Zuerst ganz klassisch bluesartig, um dann gegen Ende gehörig an Fahrt aufzunehmen. Das Demo ist ein schlagender Gegenbeweis der These, dass Elvis einfach immer nur die Demos kopiert hat. Weder der miese wehleidige Gesang, welcher wohl bluesig sein soll, wurde kopiert, noch ist dort das flotte Ende zu hören.
☆☆☆☆☆

Dixieland Rock (Aaron Schroeder and Rachel Frank)
Die A-Seite geht mit einem heute etwas in Vergessenheit geratenen Juwel zu Ende. Sicher ist das Rock’n’Roll von der Stange, aber was für einer. Elvis lässt gewohnt die Stimme schmirgeln und das Intro, welches – für damalige Verhältnisse – endlos zu sein scheint, steigert lediglich die Vorfreude, auf das, was danach kommen sollte. Der Wechsel zwischen ruhigen Passagen, die lediglich aus Gesang, Händeklatschen und Bläser zu bestehen scheinen und den rockigeren Passagen, in welchen noch die Band und die Jordanaires hinzustoßen, tun hier ihr Übriges, um für einen gelungenen Spannungsbogen zu sorgen. Großartig.
☆☆☆☆☆

Don't Ask Me Why (Fred Wise and Ben Weisman)
Die 2. Seite startet da doch recht bieder. Ein Schmachtfetzen, welcher für mich besser nur auf einer B-Seite verbraten worden wäre. Nicht übel, aber auch nicht wirklich gut. Zu beliebig und altmodisch ist die Melodie.
☆☆1/2

Lover Doll (Sid Wayne and Abner Silver)
Es ist nicht schwer zu erkennen, weshalb Steve Sholes diese Nummer mochte und ihr eine etwas üppigere Instrumentierung spendierte. Ein locker flockiger-Pop-Song, der zum Füße Wippen einlädt. Vielleicht nicht stark genug für eine Single, aber doch ein herausragendes Lied.
☆☆☆☆

Crawfish (Fred Wise and Ben Weisman)
Ein total eigenartiges, fast schon hypnotisches und irgendwie auch düsteres Lied, welches mich in seinen Bann zieht. Als Teenager fand ich das Stück total furchtbar, aber über die Jahre ist diese bluesige doch eher unkommerzielle Nummer mir ans Herz gewachsen.
☆☆☆

Young Dreams (Aaron Schroeder and Martin Kalmanoff)
Jetzt wird’s arg belanglos. 50er Jahre Pop der ganz mittelmäßigen Sorte mit 08/15 Melodie, die so auch von Bohlen stammen könnte, wenn er denn damals schon aktiv gewesen wäre. Laaaangweilig.
☆1/2

Steadfast, Loyal and True (Jerry Leiber and Mike Stoller)
Reines Soundtrack Futter, welches nie und nimmer auf einem regulären Album Platz gefunden hätte. Ganz großer Mist.


New Orleans (Sid Tepper and Roy C. Bennett)
Der krönende Abschluss des Trios der Belanglosigkeit. Ich gestehe ja zu, dass Elvis diesem Pastiche-Blues noch ein wenig Leben einhaucht, aber die Komposition ist wie Malen nach Zahlen für Komponisten zum Thema Blues. Was für eine öde Nummer.
☆1/2


Fazit:

Ein sehr gutes Album ganz ohne Frage. Die A-Seite der ursprünglichen Langspielplatte kann sich mit jeder LP der Musikgeschichte messen lassen, die B-Seite hingegen schwächelt doch arg. Aufgrund der überragenden ersten Seite zücke ich mal ☆☆☆☆
Letzte Änderung: 31 Okt 2017 17:33 von Earth Boy.
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